Devisen: Euro fällt unter 1,00 Franken und unter 1,05 US-Dollar

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(Adobe Stock)

Frankfurt – Der Kurs des Euro hat am Mittwoch nachgegeben. Gegenüber dem Franken ist der Euro am Nachmittag erstmals seit März wieder unter die Paritätsmarke gefallen. Danach hat er sich zwar wieder leicht aufgerappelt, bleibt nun aber aktuell mit 0,9986 Franken deutlich unter 1,00 zurück.

Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0480 US-Dollar gehandelt. Am Mittag hatte sie noch über 1,05 Dollar notiert. Das USD/CHF-Paar hat derweil nach einem Tagestief von unter 0,95 wieder etwas angezogen. Es notierte zuletzt bei 0,9529.

«Solange die EZB im Schneckentempo auf die hohe Inflationsraten reagiert, wird der Franken weiter aufwerten», heisst es in einem Kommentar der VP Bank. Dies zeige sich gerade an Handelstagen mit ausgeprägter Risikoaversion. «Zwar ist von einem raschen Durchmarsch auf Niveaus von 0,90 nicht auszugehen. Doch Notierungen unter der Parität werden wohl zur Normalität.»

Belastet wurde der Euro durch die deutschen Verbraucherpreise. Die hohe Inflationsrate in Deutschland ist Juni für Ökonomen überraschend etwas zurückgekommen. Der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket haben den Preisauftrieb etwas gedämpft. Der für europäische Zwecke erhobene Verbrauchpreisindex HVPI stieg um 8,2 im Jahresvergleich, nachdem die Rate im Vormonat noch bei 8,7 Prozent gelegen hatte.

Die Inflation in Deutschland liegt aber weiter deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent. Die Zahlen für die gesamte Eurozone werden am Freitag veröffentlicht. Die EZB will ab Juli ihre Leitzinsen anheben.

«Für die EZB bringt der heutige Rückgang der deutschen Gesamtinflation keine Erleichterung», kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank. Stattdessen deute der Anstieg der belgischen und spanischen Inflation darauf hin, dass sich die Inflation im Euroraum nach oben und nicht wie in Deutschland nach unten bewegt. «In gewisser Weise vermitteln die heutigen deutschen Inflationsdaten auch eine wichtige Botschaft: Derzeit sind es nicht die Zentralbanken, sondern die Regierungen, die die Inflation wirksam senken können.»

Die US-Wirtschaft ist unterdessen im ersten Quartal mit annualisiert 1,6 Prozent etwas stärker geschrumpft als erwartet. In einer vorherigen Schätzung war zuvor noch ein Rückgang von 1,5 Prozent festgestellt worden. Ökonomen hatten mit einer Bestätigung der bisherigen Schätzung gerechnet. Deutlich nach unten revidiert wurden die Zahlen zum privaten Konsum.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86461 (0,86350) britische Pfund und 143,53 (143,67) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1817 Dollar gehandelt. Das waren knapp 3 Dollar weniger als am Vortag. (awp/mc/pg)

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