EU-Schluss: ESTX50 verliert 1,74% auf 3085 Punkte

EU-Schluss: ESTX50 verliert 1,74% auf 3085 Punkte

Paris – Der erneute Börsencrash in China hat die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag erschüttert. Die fast stetige Talfahrt seit Jahresbeginn setzte sich damit fort. Im Schlepptau der Wall Street, die ihre Anfangsverluste eindämmte, erholten sich die hiesigen Indizes aber immerhin etwas von ihren Tagestiefs.

Zum Handelsende stand der EuroStoxx 50 1,74 Prozent im Minus bei 3084,68 Punkten – am Vormittag war der Leitindex der Eurozone noch um über dreieinhalb Prozent abgerutscht. Der CAC-40-Index in Paris schloss 1,72 Prozent schwächer bei 4403,58 Punkten und der Londoner FTSE 100 verabschiedete sich mit einem Verlust von 1,96 Prozent bei 5954,08 Punkten.

Zum zweiten Mal seit Jahresbeginn brachen Chinas Festlands-Börsen so stark ein, dass der Handel gemäss einer neuen Regelung vorzeitig beendet wurde. Nun teilte die dortige Börsenaufsicht mit, sie wolle den Handel künftig bei Kursschwankungen nicht mehr automatisch aussetzen. Damit trug sie der Kritik von Experten Rechnung. Ob die Kehrtwende weitere Verluste an Chinas Aktienmärkten und den anderen Börsen verhindert, bleibt abzuwarten.

Sorgen macht den Anlegern derzeit auch die weitere Abwertung der chinesischen Währung Yuan. Dies könnte auf eine noch grössere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten, als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte Marktanalyst Angus Nicholson vom Broker IG.

Am Markt gingen die Einschätzungen der Experten auseinander. Der bekannte US-Investor George Soros fühlt sich bereits an die Anfänge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erinnert. Damals waren die wichtigsten Börsen weltweit bis zum Jahresende um ein Drittel oder mehr abgestürzt.

Dagegen warnte die DZ Bank vor einer Dramatisierung der Lage. «Die Weltwirtschaft ist nicht bedroht», betonte Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. «Weder taugten die Aktienmärkte in der Vergangenheit als Frühindikatoren für das Wirtschaftswachstum, noch gehen vom Auf und Ab des Marktes nennenswerte Effekte auf die chinesische Konjunktur aus.» Zudem sollte der Verfall des Ölpreises – den andere Experten als Indikator für eine negative globale Konjunkturentwicklung betrachten – laut Bielmeier die Weltwirtschaft positiv beeinflussen. Diese profitiere zudem vom privaten Konsum in den Industrieländern.

Am härtesten trafen die neuen Hiobsbotschaften aus China die Bergbau- und Ölindustrie. Da China einer der grössten Rohstoffverbraucher der Welt ist, sackten die Rohstoffpreise ebenfalls ab. Die Notierungen für Rohöl fielen auf den tiefsten Stand seit fast zwölf Jahren. Auch die Preise für Industriemetalle oder Agrarprodukte gerieten unter Druck. Entsprechend sackten die Branchenindizes für die Bergbau- und Ölkonzerne im marktbreiten Stoxx Europe 600 um 5,17 beziehungsweise 2,75 Prozent ab.

Am besten hielt sich noch der Index der Telekommunikationsfirmen, der lediglich 0,97 Prozent verlor. Die Branche gilt als relativ resistent gegenüber Konjunkturschwankungen.

Die Aktien des Goldminenbetreibers Randgold gehörten mit plus 1,73 Prozent zu den wenigen Gewinnern und eroberten die «Footsie»-Spitze. Sie profitierten davon, dass die Notierungen für das als «sicherer Hafen» geltende Edelmetall stiegen.

Auch die Titel des Warenhaus-Betreibers Marks & Spencer stemmten sich mit einem Kursanstieg von 0,17 Prozent gegen den schwachen Markt. Bei den Anlegern kam gut an, dass Unternehmenschef Marc Bolland seinen Rücktritt ankündigte. Bolland war es nicht gelungen, den Umsatzschwund bei Bekleidung zu stoppen.  (awp/mc/pg)

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