EU-Schluss: Talfahrt fortgesetzt

EU-Schluss: Talfahrt fortgesetzt

Paris – Die europäischen Börsen haben am Montag unter der Sorge um die Liquidität der chinesischen Banken gelitten. Der EuroStoxx 50 verzeichnete den fünften Verlusttag in Folge und schloss am Ende 1,48 Prozent tiefer bei 2.511,83 Punkten. Der Stoxx Europe 50 , in den zu Wochenbeginn die Bank Credit Suisse und der Rohstoffkonzern Glencore-Xstrata neu eingezogen waren, fiel um 1,36 Prozent. Der CAC 40 in Paris gab um 1,71 Prozent auf 3.595,63 Punkte nach. In London büsste der FTSE 100 1,42 Prozent auf 6.029,10 Punkte ein.

Negative Vorgaben waren zuvor bereits aus Asien gekommen, wo die Kurse zum Teil dramatisch eingebrochen waren. Grund war eine im Internet veröffentlichte und auf den 17. Juni datierte Aufforderung der chinesischen Notenbank an die heimischen Banken, die Risiken aus der Kreditexpansion zu kontrollieren. Das Finanzsystem Chinas sei ausreichend mit Liquidität versorgt. Impulse von konjunktureller Seite gab es indes kaum. Auf den verbesserten, aber erwartungsgemäss ausgefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex reagierte der EuroStoxx nicht spürbar.

Im Branchenvergleich mussten alle Sektoren Verluste hinnehmen. Das grösste Minus verzeichneten Rohstoffwerte , die mit einem Abschlag von 2,96 Prozent besonders deutlich unter der Sorge um eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaft litten. Autopapiere verloren mit durchschnittlich minus 0,68 Prozent noch am wenigsten.

Im Blick stand aber insbesondere der Telekom-Sektor, wo die Übernahmeschlacht um Kabel Deutschland in eine entscheidende Runde geht. Der britische Mobilfunker Vodafone ist im Rennen um die Übernahme von Kabel Deutschland fast am Ziel. Die Briten bieten den Aktionären 87 Euro je Anteil. Damit werde Deutschlands grösster Kabel-Anbieter inklusive der Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet. Die Führungsspitze von Kabel Deutschland empfiehlt den Aktionären, dieses Gebot anzunehmen. Sollte der britische Mobilfunker den Zuschlag erhalten, würde er mit einem Schlag zu einem der führenden Breitband-Anbieter in Deutschland avancieren, schrieb Analyst James Crawshaw von S&P Capital IQ.

Offen ist, wie der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global jetzt reagiert, der ebenfalls an Kabel Deutschland interessiert ist. Vodafone-Aktien zogen zeitweise um gut ein Prozent an, zum Handelsschluss bewegten sie sich kaum von der Stelle. Die Papiere von Kabel Deutschland stiegen als einer von nur zwei Gewinnern im MDax um 1,66 Prozent. Für die Titel von Liberty Global ging es in New York zuletzt um 1,28 Prozent nach unten.

Weitere Neuigkeiten aus dem Sektor kamen von der spanischen Telefonica . Der hochverschuldete Konzern kommt mit der Restrukturierung voran und verkauft sein Irland-Geschäft für bis zu 850 Millionen Euro an den asiatischen Mischkonzern Hutchison Whampoa . Die Telefonica-Aktie konnte indes nicht profitieren und gab um knapp zwei Prozent nach.

Mit klaren Kursverlusten endete unterdessen der Tag für die Stoxx-50-Neulinge Credit Suisse und Glencore Xstrata. Die Titel der schweizerischen Grossbank sanken um 2,12 Prozent. Die Papiere des britischen Rohstoffkonzerns verloren 4,70 Prozent. (awp/mc/pg)

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