EZB sieht erste Anzeichen für Stabilisierung im Euroraum

Europäische Zentralbank EZB

Frankfurt am Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich etwas zuversichtlicher für die konjunkturelle Entwicklung im krisengeplagten Euroraum. Die anhaltenden Spannungen an den Finanzmärkten dämpften zwar nach wie vor die ökonomische Aktivität, heisst es im Monatsbericht der Notenbank vom Donnerstag.

Allerdings deuteten jüngste Frühindikatoren auf eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau hin. Die Wachstumsaussichten seien jedoch immer noch ungewiss und von hohem Abwärtsrisiko geprägt. «In nächster Zeit ist eine sehr gründliche Analyse aller eingehenden Daten und Entwicklungen geboten.» Angesichts dieses unsicheren Umfelds dürfte der Preisdruck im Währungsraum vorerst moderat bleiben, schätzt die Notenbank. So dürfte die Inflationsrate noch einige Monate über der Marke von zwei Prozent verharren, danach aber unter diese Schwelle sinken. Zuletzt hatte sich die Teuerung im Januar mit 2,7 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr zwar etwas zurückgebildet. Sie lag aber immer noch spürbar über dem mittelfristigen Ziel der EZB von knapp zwei Prozent.

Bankeinlagen erstmals seit Jahresbeginn unter 400 Mrd Euro

Die Vorsichtskasse der Banken des Euroraums bei der EZB ist zuletzt stark gesunken. Am Donnerstag lag sie bei 395,3 Milliarden Euro und damit rund 133 Milliarden Euro niedriger als am Vortag, wie die EZB weiter mitteilte. Es ist zudem das erste mal in diesem Jahr, dass die eintägigen Bankeinlagen unter die Schwelle von 400 Milliarden Euro sinken. Noch am Mittwoch hatten sie mit rund 528 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht. Trotz des jüngsten Rückgangs ist der Umfang der sogenannten Einlagen-Fazilität viel grösser als für gewöhnlich.

Misstrauensindikator
Die kurzfristigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB gelten als Indikator für die Stimmung im Bankensektor. Hohe Werte signalisieren grundsätzlich eine grössere Unsicherheit unter den Banken. Ein wichtiger Grund liegt in der europäischen Schuldenkrise, von der die Geldhäuser wegen ihres starken Engagements in Staatsanleihen mit betroffen sind. Das entsprechend hohe Misstrauen zwischen den Instituten ist aber nicht der einzige Grund dafür, dass die Banken verstärkt Geld bei der EZB parken. Hinzu kommt, dass die Liquidität im Bankensystem wegen ungewöhnlich langer und umfangreicher Geldspritzen der EZB zurzeit sehr hoch ist. Einen Teil dieser überschüssigen Mittel parken die Banken regelmässig bei der Notenbank. (awp/mc/ps)

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