US-Arbeitsmarktbericht enttäuscht auf ganzer Linie

US-Arbeitsmarktbericht enttäuscht auf ganzer Linie
Warteschlange vor einem Arbeitsamt in den USA.

Die Warteschlangen vor US-Arbeitsämtern werden noch länger.

Washington – Der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juni hat auf ganzer Linie enttäuscht. Die Beschäftigtenzahl ist schwächer gestiegen als erwartet und die Arbeitslosenquote hat überraschend zugelegt. Die Zahlen wurden am Freitag vom US-Arbeitsministerium veröffentlicht. Andere Konjunkturdaten hatten zuvor eine positivere Entwicklung signalisiert. Die Finanzmärkte reagierten enttäuscht auf die Zahlen

Im Monatsvergleich ist die Beschäftigtenzahl ausserhalb der Landwirtschaft um nur 18.000 geklettert. Volkswirte hatten mit einem viel stärkeren Zuwachs um 104.000 Stellen gerechnet. Darüber hinaus wurde der Beschäftigungsaufbau für die beiden Vormonate deutlich um 44.000 Stellen nach unten korrigiert. Demnach sind in den Monaten April und Mai nicht 286.000 Stellen, sondern nur 242.000 Stellen geschaffen worden. «Insgesamt sind die letzten beiden Arbeitsmarktberichte eine bittere Pille, da sie den sehr zähen Konjunkturaufsuchung untermauern», kommentierte DekaBank Experte Christian Melzer die Zahlen.

Anstieg der Quote ernüchternd
Zudem stieg auch die Arbeitslosenquote überraschend an. Die Quote legte von 9,1 Prozent im Vormonat auf 9,2 Prozent zu. Ökonomen hatten zuvor einen unveränderten Wert erwartet. Vor allem dieser Anstieg ist nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen ernüchternd. Von einer spürbaren Belebung am Arbeitsmarkt könne keine Rede sein. «Die Zahlen unterstreichen, dass sich die US-Wirtschaft derzeit in einer Wachstumsdelle befindet.»

«Fed dürfte sich bestätigt sehen»
«Die US-Notenbank (Fed) dürfte sich durch die jüngsten Arbeitsmarktdaten in ihrer expansiven Politik bestätigt sehen», sagte Christoph Balz, USA-Experte bei der Commerzbank. Dafür sprechen laut Balz auch die Stundenlöhne, die im Juni stagnierten. Inflationsdruck sei hier nicht erkennbar. DekaBank-Volkswirt Christian Melzer erwartet erneut Rufe nach einer erneuten geldpolitischen Lockerung. Gleichwohl hält der Experte zusätzliche Anleihenkäufe durch die Fed für unwahrscheinlich. «Vielmehr wird die Fed wohl länger mit einer Reduzierung ihrer Anleihenbestände warten.»

Merkliche Belebung im Q4 erwartet
Commerzbank-Experte Balz erwartet zumindest ab dem vierten Quartal eine merkliche Belebung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitsmarktzahlen für Juni seien zwar enttäuschend ausgefallen, der Arbeitsmarkt laufe aber der Konjunktur hinterher. Zuletzt habe es jedoch einige positiv ausgefallen Konjunkturdaten gegeben, die für eine baldige wirtschaftliche Erholung sprächen. Zudem seien die Ölpreise gesunken und die negativen Folgen der Naturkatastrophe in Japan liefen aus.

Heftige Reaktion an Finanzmärkten
An den Finanzmärkten fiel die Reaktion heftig aus: Während die Ölpreise kräftig ins Minus drehten, profitierten sichere Anlagen wie deutsche und amerikanische Staatsanleihen. Die Aktien reagierten mit deutlichen Kursabschlägen. Der Euro stieg um rund einen halben Cent auf über 1,43 US-Dollar. (awp/mc/upd/ps)

US-Arbeitsministerium

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