US-Schluss: Begeisterung schwindet – Tech-Werte sacken ab

Boerse

New York – An der Wall Street hat sich nach der Euphorie vom Vortag wieder Ernüchterung breit gemacht. Nachdem am Mittwoch die klarere geldpolitische Ausrichtung der US-Notenbank (Fed) noch für grosse Freude gesorgt hatte, setzten am Donnerstag neu aufgeflammte Zinssorgen insbesondere die konjunktursensiblen Technologiewerte unter Druck. Für Irritation sorgte, dass sich die britische Notenbank unerwartet deutlich gegen die hohe Inflation stemmt und überraschend ihren Leitzins erstmals in der Corona-Pandemie angehoben hat.

Der technologieorientierte Nasdaq 100 musste seiner Vortagesrally Tribut zollen und sackte um 2,61 Prozent auf 15 863,94 Punkte ab. Damit büsste er einen Grossteil seiner nach Bekanntgabe der geldpolitischen Entscheidungen der Fed zur Wochenmitte erzielten Gewinne wieder ein.

Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss 0,08 Prozent im Minus bei 35 897,64 Punkten. Der S&P 500 gab um 0,87 Prozent auf 4668,67 Punkte nach.

Die US-Notenbank will ihren Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik beschleunigen und im kommenden Jahr rascher die Zinsen anheben. Hintergrund ist die hohe Inflation, die zuletzt einen 39-jährigen Höchststand markiert hat. Die Fed sieht die Teuerung nicht mehr als nur zeitweiliges Problem.

Rund um die Welt wägen die Zentralbanken derzeit ab, wie sie der hohen Inflation ausgewogen begegnen. Die US-Anleger hatten am Mittwoch noch darauf gesetzt, dass die Notenbanker solche Schritte unternehmen können, ohne das Wirtschaftswachstum zu unterbinden. An diesem Donnerstag aber wuchsen nach den Zinsentscheiden unter anderem der britischen Notenbank und der Europäischen Zentralbank die Zweifel. Im Euroraum ist ein Ende des Zinstiefs nicht in Sicht. In China tendiert die Notenbank zu weiteren Lockerungen.

«Während bei Lockerungen im Bedarfsfall Einigkeit unter weltweiten Zentralbanken zu herrschen scheint, klafft eine grosse Lücke bei der Art und Weise, wie sich alle Beteiligten das Ende der expansiven Geldpolitik vorstellen», schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Für den Aktienmarkt wirke dieser geldpolitische Flickenteppich verunsichernd und damit «nicht gerade vertrauensbildend».

Unter den grössten Gewinnern im S&P 500 zogen die Papiere des Telekomkonzerns AT&T nach einem Analystenkommentar um rund sieben Prozent an. Die jüngste Kursschwäche habe gemessen an Chancen und Risiken für Anleger eine interessante Möglichkeit geschaffen, schrieb der Experte Simon Flannery von der Bank Morgan Stanley. Der Fachmann rechnet 2022 mit vielen Kurstreibern, darunter eine Zusammenlegung der Tochter WarnerMedia mit Discovery .

Die Anteilsscheine von Accenture schnellten um knapp sieben Prozent in die Höhe, nachdem sie im Handelsverlauf ein Rekordhoch erreicht hatten. Das Beratungsunternehmen hatte seinen Umsatzausblick erhöht. Demgegenüber verfehlte das Umsatzziel des Softwarekonzerns Adobe Systems die Erwartungen der Analysten. Der Experte Kirk Materne von Evercore ISI verwies unter anderem auf ungünstige Währungseinflüsse. Die Aktien sackten um mehr als zehn Prozent ab und bildeten damit das Schlusslicht im S&P 500.

Der Euro wurde zuletzt mit 1,1332 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1336 (Mittwoch: 1,1262) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8822 (0,8879) Euro. US-Staatsanleihen profitierten von der schwachen Wall Street. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries legte um 0,43 Prozent auf 131,72 Punkte zu. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere betrug 1,43 Prozent. (awp/mc/pg)

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