US-Schluss: Dow unter Druck – Tech-Werte erholen sich

US-Schluss: Dow unter Druck – Tech-Werte erholen sich

New York – Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hat am Freitag seine leichten Vortagesverluste ausgeweitet. Auf die Stimmung drückte ein erneuter deutlicher Renditeanstieg am Anleihemarkt. Steigende Zinsen machen zum Beispiel Anleihen als Alternative zur Aktienanlage attraktiver. Als Belastung hinzu kamen Verluste bei Bankaktien und vor allem bei den Papieren von Visa.

Der Dow fiel um 0,71 Prozent auf 32’627,97 Punkte, nachdem er Tags zuvor zunächst einen Höchststand erreicht hatte und dann ins Minus gerutscht war. Auf Wochensicht ergibt sich ein Verlust von 0,46 Prozent.

Der marktbreite S&P 500 schloss am Freitag minimal im Minus bei 3913,10 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 erholte sich etwas von seinen Vortagesverlusten und stieg um 0,61 Prozent auf 12’866,99 Punkte. Angesichts der weiter steigenden Marktzinsen hatte dieser am Donnerstag mit einem Minus von mehr als 3 Prozent unter der Aussicht auf eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen von Tech-Unternehmen gelitten.

Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) gab zuletzt um 0,11 Prozent auf 131,23 Punkte nach. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg im Gegenzug auf 1,73 Prozent.

Den jüngsten Renditeanstieg begründeten Börsianer damit, dass die US-Notenbank Fed eine in der Corona-Krise ergriffene Stützungsmassnahme überraschend auslaufen lässt. Konkret geht es um eine Ausnahme zur Eigenkapitalregel SLR. Die Regel schreibt vor, wieviel Eigenkapital die Banken für diverse Vermögenswerte in ihren Büchern vorhalten müssen, um mögliche Verluste auszugleichen.

Die Entscheidung der Fed wurde nicht unbedingt erwartet, da einige Marktteilnehmer für eine Verlängerung plädiert hatten. Am US-Anleihemarkt, der von den Änderungen betroffen ist, gaben die Kurse spürbar nach. Die Renditen stiegen im Gegenzug – vermutlich aus der Sorge heraus, die Nachfrage nach Staatspapieren könnte jetzt zurückgehen.

Vor diesem Hintergrund waren Bankaktien zum Wochenschluss nicht gut gelitten. So fielen Goldman Sachs um rund 1 Prozent und JPMorgan um 1,6 Prozent. Beide Anteilsscheine hatten allerdings am Vortag jeweils Rekordhochs erreicht und damit von den steigenden Anleiherenditen profitiert – in der Hoffnung auf bessere Zinsgeschäfte.

Ferner büssten im Dow die Aktien von Nike rund vier Prozent ein. Der weltgrösste Sportartikelhersteller profitiert zwar weiter vom Online-Shopping-Boom in der Corona-Pandemie. Analysten hatten aber mit höheren Erlösen gerechnet.

Am Index-Ende knickten die Papiere von Visa um mehr als sechs Prozent ein. Der Kreditkartenriese steht laut einem Pressebericht im Visier des US-Justizministeriums. Die Behörde ermittele wegen des Verdachts möglicher wettbewerbsverzerrender Praktiken, schrieb das «Wall Street Journal» unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die Ermittler prüfen demnach, ob der Konzern Händler daran gehindert haben könnte, Debitkartenzahlungen über günstigere Netzwerke abzuwickeln. Ein Visa-Sprecher sagte nach Börsenschluss, man kooperiere in dieser Angelegenheit mit der Behörde.

An der Spitze des S&P 500 zogen die Anteilsscheine von Fedex um gut sechs Prozent an. Der Post-Rivale hatte im jüngsten Geschäftsquartal dank des Bestellbooms in der Pandemie deutlich besser verdient.

Der Euro litt etwas unter dem starken Anstieg der Renditen für US-Anleihen und notierte nach dem New Yorker Börsenschluss bei 1,1904 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1891 (Donnerstag: 1,1912) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8410 (0,8395) Euro. (awp/mc/ps)

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