US-Schluss: Kehrtwende in Hongkong stimmt Anleger mutiger

Boerse

New York – Infolge deutlicher Kursgewinne in Asien und Europa hat die Wall Street am Mittwoch einen Teil ihrer Vortagsverluste wieder wett gemacht. Der Leitindex Dow Jones ging 0,91 Prozent höher bei 26’355,47 Punkten und damit fast auf seinem Tageshoch über die Ziellinie. Am Dienstag war er nach dem langen Wochenende etwa einen Prozent schwächer in den September gestartet.

Vor allem die Entwicklung in Hongkong liess Anleger wieder risikofreudiger agieren. Regierungschefin Carrie Lam zog dort das hochumstrittene Gesetz für Straftäter-Auslieferungen nach China zurück, das als Hauptgrund für die jüngsten Massendemonstrationen galt. Dies sorgte weltweit für Erleichterung an den bedeutenden Aktienbörsen. Dazu kam neue Hoffnung, dass ein ungeregelter Brexit in Europa vielleicht doch noch vermieden werden kann.

Marktanalyst David Madden von CMC Markets hält es für denkbar, dass die Entscheidung in Hongkong zu einer Entspannung im US-chinesischen Handelskrieg beitragen kann. Schliesslich habe US-Präsident Donald Trump zuletzt eine Lösung des Streits auch mit der Hongkong-Frage verknüpft und eine „humane Haltung“ von Peking bezüglich der Situation in der Sonderverwaltungszone eingefordert.

Der marktbreite S&P 500 folgte dem Dow um 1,08 Prozent auf 2937,78 Punkte nach oben. Noch deutlicher war die Erholung unter den Technologiewerten, deren Auswahlindex Nasdaq 100 um 1,44 Prozent auf 7719,25 Punkte vorrückte und so seine Dienstagsverluste wieder mehr als ausglich. Hier gaben Kursgewinne bei den zahlreich vertretenen Chipwerten nach einer optimistischen Studie von JPMorgan die Marschroute vor.

Unter den Einzelwerten kehrten sich im Dow die Favoritenrollen um: Die als defensiv geltenden Aktien der Pharmakonzerne Pfizer sowie Merck & Co liessen auf ihre Vortagsgewinne Verluste von bis zu 0,8 Prozent folgen. Aus dem Gesundheitssektor war der Krankenversicherer UnitedHealth mit Abgaben von 1,7 Prozent der grösste Verlierer.

Rosiger ging es bei den konjunkturempfindlichen Branchen zu, die am Vortag noch von schwachen Stimmungsdaten aus der US-Industrie belastet worden waren. Allen voran zeigte sich dies beim Dow-Spitzenreiter Intel mit einem Anstieg um 4,1 Prozent. JPMorgan-Experte Harlan Sur zählt die Aktien des Prozessorherstellers weiter zu seinen „Top Picks“ in der Chipbranche. Er rechnet im zweiten Halbjahr mit anziehender Halbleiternachfrage.

Zu den Verlierern an der Nasdaq zählten die Aktien von Starbucks. Die Kaffeehauskette enttäuschte die Anleger mit einer gesenkten Gewinnprognose für das Jahr 2020, weshalb die Papiere gegen das starke Marktumfeld um 0,7 Prozent fielen.

Im Nebenwertebereich meldeten einige Nachzügler aus der Berichtssaison ihre Zahlen fürs zweite Quartal. Im Lebensmittelsektor gab es düstere Nachrichten von Tyson Foods. Die Papiere des Fleischverarbeiters sackten wegen eines gesenkten Gewinnausblicks um fast 8 Prozent ab.

Noch schlechter ging es bei American Eagle Outfitters mit einem Kurssturz um 11,6 Prozent zu. Der Textilhändler blickt auf ein schlechtes zweites Quartal zurück, in dem er die Erwartungen einem Experten zufolge verfehlte. Ausserdem gab das Unternehmen einen enttäuschenden Ausblick auf das dritte Jahresviertel ab.

Grossen Zuspruch erhielten die Zahlen von Navistar, die von den Anlegern mit einem Kurssprung um mehr als 13 Prozent belohnt wurden. Der Nutzfahrzeughersteller hatte mit seinem bereinigten operativen Ergebnis im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen übertroffen.

Der Euro hat sich am Mittwoch von seinem zuletzt erreichten Zweijahrestief erholt, indem er wieder über der Marke von 1,10 US-Dollar gehandelt wurde. Zuletzt wurden 1,1029 Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1018 (Dienstag: 1,0937) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9076 (0,9143) Euro.

Am US-Anleihemarkt gab es insgesamt relativ wenig Bewegung. Richtungsweisende zehnjährige Papiere stagnierten bei 101 17/32 Punkten. Sie rentierten mit 1,46 Prozent. (awp/mc/ps)

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