US-Schluss: Erholung nach katastrophaler Börsenwoche

Boerse

New York – Der Crash am US-Aktienmarkt ist am Freitag zunächst gestoppt worden. Der Dow Jones Industrial rückte um beachtliche 9,36 Prozent auf 23’185,62 Punkte vor. Damit konnte der Leitindex einen Grossteil der hohen Verluste des Vortages wieder aufholen. Auf Wochensicht ist für den Dow gleichwohl noch immer ein herber Verlust von mehr als zehn Prozent aufgelaufen.

US-Präsident Donald Trump ruft wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA einen nationalen Notstand aus. Mit der Massnahme würden weitere Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 freigesetzt, sagte Trump. Die Ausrufung des Notstands gibt Trump weitreichende Befugnisse, unter anderem den Zugriff auf einen Fonds mit Mitteln zur Katastrophenhilfe. Nach den Aussagen des Präsidenten bauten die Aktienkurse im späten Handel die Gewinne stark aus.

Die Ausbreitung des Coronavirus in den USA hatte die US-Börsen zuletzt schwer belastet. Analysten hatten die bisherigen Massnahmen der US-Regierung gegen das Virus als unzureichend oder nicht angemessen bezeichnet.

Der marktbreite S&P 500 erholte sich um 9,28 Prozent auf 2710,95 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 10,07 Prozent auf 7995,26 Zähler kräftig aufwärts.

Die Ankündigung Trumps, Rohöl für die Reserven der USA zu kaufen, liess die Ölpreise stark steigen. Am Aktienmarkt wurde das mit Erleichterung aufgenommen, hatte doch der starke Ölpreisverfall die Kurse der US-Ölindustrie jüngst schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Aus konjunktureller Sicht überwiegt ungeachtet der am Freitag stabilen Kurse die Skepsis: «Vieles spricht dafür, dass die derzeitige Weltwirtschaftskrise erst dann überwunden sein dürfte, wenn die Ansteckungsraten in Europa und den USA wieder nennenswert abnehmen und in beiden Regionen grössere staatliche Konjunkturpakete beschlossen werden», schrieb Edgar Walk, Volkswirt der Metzler Bank.

Gut kamen bei Anlegern die Quartalszahlen des Software-Entwicklers Adobe an, der Kurs stieg um fast 18 Prozent. Zudem rechnet das Unternehmen im laufenden Quartal mit etwas mehr Gewinn als der Marktkonsens. Erfreut reagierten Investoren auch auf das Zahlenwerk des SAP -Kontrahenten Oracle. Der Kurs schnellte um gut 20 Prozent nach oben. «Wir hatten ein extrem starkes Quartal», sagte Oracle-Chefin Safra Catz.

Der Chip-Hersteller Broadcom enttäuschte dagegen zunächst mit Quartalszahlen, die Aktie fiel auf ein Tief seit Juli 2018. Analyst Stacy Rasgon vom Analysehaus Bernstein sprach von einer Schwäche des Geschäfts mit Halbleitern für Mobilfunkgeräte. Im späten Handel legten die Aktien jedoch mit dem steigenden Gesamtmarkt um gut sieben Prozent zu.

Daneben erholten sich vor allem solche Aktien und Branchen, die während des jüngsten Ausverkaufs besonders gelitten hatten. Delta Air Lines etwa gewannen fast 14 Prozent. Aktien von Boeing, in den vergangenen Wochen im freien Fall, erholten sich um knapp zehn Prozent. Die am Vortag um mehr als 30 Prozent eingebrochenen Papiere des Kreuzfahrtanbieters Carnival legten um 17,4 Prozent zu.

Zu den Gewinnern zählten auch Aktien der Finanzbranche. Sie hatten in den vergangenen Wochen unter den starken Schwankungen an den Finanzmärkten gelitten. Zudem dürfte eine Ausbreitung des Virus in den USA auch die Geschäfte der Geldhäuser belasten. Die Kursgewinne für Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und der Citigroup reichten von 18 bis 20 Prozent.

Angesichts der Erholung an den Aktienmärkten waren US-Staatspapiere nicht gefragt: Richtungweisende zehnjährige Anleihen büssten einen ganzen und 29/32 Punkte auf 104 21/32 Punkte ein. Die Rendite stieg entsprechend auf 1,01 Prozent.

Der Euro neigte zum Börsenschluss an der Wall Street weiter zur Schwäche und notierte zuletzt auf 1,1085 US-Dollar. Der Dollar zeigte sich gegen viele Währungen fester. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1104 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9006 Euro gekostet. (awp/mc/ps)

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