US-Verlauf: „Erholung droht Treibstoff auszugehen“

Boerse

New York – Die Wall Street zollt ihrer wochenlangen Erholungsrally weiter Tribut: Am Donnerstag sank der anfangs noch weniger schwache Dow Jones Industrial zuletzt um 1,23 Prozent auf 25 077,44 Punkte. Bereits am Tag zuvor war der US-Leitindex kaum von der Stelle gekommen und hatte auf dem höchsten Niveau seit Anfang Dezember knapp im Minus geschlossen.

„Der Treibstoff für die Erholung droht auszugehen“, kommentierte Aktienstratege Manfred Bucher von der BayernLB die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern fast weltweit nachgebenden Kurse. Börsianer verwiesen zudem auf Aussagen von Larry Kudlow, Wirtsachaftsberater von US-Präsident Donald Trump. Demnach seien die USA und China von einer Beilegung ihres Handelsstreits noch immer ein gutes Stück weit entfernt.

Auch für die anderen US-Indizes, die zur Wochenmitte ebenfalls geschwächelt hatten, ging es weiter bergab: Der marktbreite S&P 500 verlor 1,35 Prozent auf 2694,74 Punkte und der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 1,59 Prozent auf 6886,41 Zähler.

Auch Aussagen der US-Notenbankvorsitzenden Jerome Powell, der die heimische Wirtschaft nach wie vor in einer robusten Verfassung sieht, halfen der Wall Street nicht. Der Währungshüter hatte in der vergangenen Nacht auf einer Veranstaltung in Washington auf eine geringe Arbeitslosigkeit und eine Inflation in der Nähe des Zielbereichs von zwei Prozent verwesen. Dies bringt die Fed bei ihrer zuletzt vorsichtiger gewordenen Zinspolitik nicht vermehrt unter Druck.

Im Fokus der Anleger standen einmal mehr Unternehmenszahlen, die Licht und Schatten enthielten. Die Anteilseigner von Twitter und Fiat Chrysler mussten Kursverluste von fast elf beziehungsweise knapp zwölf Prozent verkraften. Sowohl der Kurznachrichtendienst als auch der Autobauer hatten zwar gute Quartalsresultate vorgelegt, die Anleger aber mit ihren Ausblicken enttäuscht. Twitter hatte zudem über einen erneut deutlichen Rückgang der Zahl monatlich aktiver Nutzer berichtet.

Für die Aktien von Sonos ging es um fast 13 Prozent bergab. Der Anbieter vernetzter Lautsprecher hatte zum Jahresende zwar den Umsatz um sechs Prozent und den Gewinn gar um über ein Drittel gesteigert. Anleger alarmierte aber, dass Sonos aus dem Weihnachtsquartal mit Lagerbeständen für zehn bis zwölf Verkaufstage mehr als erwartet herausgegangen war. Das weist auf eine Nachfrage-Delle hin. Zudem reagierten die Anleger offenbar verschnupft auf den Abschied des Finanzchefs.

Papiere von Kellogg verloren nach der Präsentation der Quartalsbilanz über fünf Prozent. Der Hersteller von Getreideprodukten hatte zwar den Umsatz gesteigert. Doch offenbar störten sich die Anleger an der anhaltenden Schwäche des wichtigen US-Geschäfts mit Frühstücksprodukten.

Dagegen stemmten sich die nur anfangs schwachen Titel von T-Mobile US mit über einem Prozent Plus gegen den Markt. Die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom hatte die Erwartungen für das Schlussquartal 2018 übertroffen, sich für das laufende Jahr aber erneut vorsichtige Ziele bei Kundenzahlen und Gewinnen gesetzt.

Die Papiere der Restaurantkette Chipotle Mexican Grill sprangen sogar um gut 15 Prozent in die Höhe. Am Markt war von einem dank Internet-Bestellungen starken vierten Quartal die Rede. Analyst David Madden von CMC Markets wertete dies als Zeichen, dass das Unternehmen die Zeichen der Zeit in der Branche erkannt hat.

Titel des Kameraspezialisten GoPro rückten um knapp ein halbes Prozent vor, nachdem er im vergangenen Weihnachtsgeschäft dank neuer Modelle in die Gewinnzone zurückgekehrt war. Papiere des Tabakkonzerns Philip Morris gewannen nach der Zahlenvorlage fast ein Prozent. (awp/mc/pg)

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