US-Schluss: Erholung – Bank of England kauft Staatsanleihen

Boerse
(Adobe Stock)

New York – Der Leitindex Dow Jones Industrial hat am Mittwoch mit einem kräftigen Kurssprung eine sechstägige Verlustserie beendet. Die jüngsten Konjunktursorgen gerieten dies- und jenseits des Atlantiks in den Hintergrund, nachdem sich die britische Notenbank gegen den zuletzt drastischen Zinsanstieg am heimischen Kapitalmarkt gestemmt hatte. Auch andere wichtige US-Börsenbarometer legten deutlich zu.

Der Dow zog um 1,88 Prozent auf 29’683,74 Punkte an, nachdem er am Vortag noch zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit November 2020 gefallen war. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,97 Prozent auf 3719,04 Zähler nach oben. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 1,97 Prozent auf 11’493,83 Punkte.

Die jüngsten Kursverluste resultierten aus der Furcht der Anleger vor deutlichen Zinserhöhungen der Notenbank im Kampf gegen die hohe Inflation. Diese Sorgen spiegelte zuletzt der markante Renditeauftrieb am US-Anleihemarkt wider. Nun jedoch kam es dort zu einer starken Gegenbewegung: Die Renditen fielen und die Kurse stiegen wieder. Dies beruhigte die Anleger an der Wall Street.

Gestützt wurden die Anleihen durch die Entwicklung in Grossbritannien. Dort hatte die Bank of England angekündigt, aufgrund von Marktstörungen bis Mitte Oktober langlaufende Staatsanleihen zu kaufen. Hintergrund sind die erheblichen Renditeanstiege in den vergangenen Tagen. Die jüngst vorgestellten Steuersenkungen der Regierung Liz Truss haben laut Experten Zweifel an der britischen Wirtschaftspolitik geweckt. Befürchtet werden ausufernde Staatsschulden und eine noch höhere Inflation.

Damit könnten die Briten auch den Weg für künftige Wendungen anderer Zentralbanken frei gemacht haben, schrieb Analyst Konstantin Oldenburger vom Handelshaus CMC Markets. Die sinkenden Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung der US-Notenbank um 0,75 Prozentpunkte im November könnten ein weiterer Beleg dafür sein. Eventuell seien höhere Zinsen also bereits vollständig in die Kurse eingepreist, sodass auch die Talfahrt am Aktienmarkt bald ein Ende finden könnte.

Für viel Bewegung sorgten neue Studiendaten in der Pharmabranche. Der Konzern Biogen und sein japanischer Forschungspartner Eisai Co hatten mit Spannung erwartete Daten aus einer Studie mit dem neuen Alzheimer-Medikament Lecanemab veröffentlicht. Das Medikament kann demnach das Fortschreiten der Krankheit deutlich verlangsamen, die Unternehmen planen bereits den Zulassungsantrag.

Die Nachrichten katapultierten Biogen-Aktien an der Spitze des S&P 500 um knapp 40 Prozent nach oben. Vom Aufwind profitierten auch Wettbewerber wie Eli Lilly. Dessen Papiere waren im Handelsverlauf auf ein Rekordhoch gesprungen und schnellten am Ende um 7,5 Prozent in die Höhe.

In dem starken Marktumfeld zogen die Anteilscheine von Amazon um gut drei Prozent an. Der weltgrösste Online-Händler hatte bei seinem jährlichen Neuheiten-Event neben neuen Modellen seiner Echo-Lautsprecherreihe auch weitere Funktionen für den im vergangenen Herbst präsentierten Haushaltsroboter Astro vorgestellt.

Der Euro erholte sich deutlich von seinen jüngsten Verlusten und notierte zuletzt bei 0,9731 US-Dollar. Der Dollar büsste derweil auch gegenüber allen anderen wichtigen Währungen an Wert ein. Die als sicher geltende Weltleitwährung litt unter der wieder gestiegenen Risikofreude an den Börsen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 0,9565 (Dienstag: 0,9644) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0455 (1,0369) Euro.

Am US-Anleihemarkt fiel die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf 3,73 Prozent. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries stieg um 1,65 Prozent auf 112,72 Punkte. (awp/mc/ps)

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