US-Schluss: Inflationssorgen lasten weiter auf dem Dow

Boerse

New York – Der Dow Jones Industrial hat am Mittwoch seine jüngsten Verluste etwas ausgeweitet. Die Investoren trieb auch zur Wochenmitte die Sorge um, dass die Notenbank dem steigenden Inflationsdruck eher früher als später mit höheren Zinsen begegnen könnte. Dies würde Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren in einem schlechteren Licht erscheinen lassen. Das im Handelsverlauf veröffentlichte Protokoll der Sitzung der US-Notenbank vom 27. bis 28. April konnte die Bedenken der Anleger nur zum Teil zerstreuen.

Der Dow gab am Ende um 0,48 Prozent auf 33’896,04 Punkte nach, machte damit aber einen Grossteil seiner zwischenzeitlichen Verluste von bis zu 1,7 Prozent wieder wett. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,29 Prozent auf 4115,68 Zähler nach unten. Der technologielastige Nasdaq 100 hingegen rettete sich ins Plus und legte um 0,15 Prozent auf 13’237,91 Punkte zu.

Die Fed-Mitglieder hatten sich auf ihrer jüngsten Zinssitzung einerseits vorsichtig optimistisch zur weiteren konjunkturellen Entwicklung in den USA gezeigt. Einige Teilnehmer hatten auch deutlich gemacht, dass bei künftigen Sitzungen mit der Erörterung eines Plans zur Anpassung des Kaufprogramms von Wertpapieren begonnen werden könne. Andererseits stellten einige Teilnehmer der Zinssitzung auch fest, dass es wahrscheinlich noch einige Zeit dauern werde, bis die Wirtschaft wesentliche Fortschritte auf dem Weg hin zur angepeilten Vollbeschäftigung machen werde.

Für Paul Ashworth, Chefvolkswirt für die USA bei Capital Economics, zeigt das Protokoll, dass einige Fed-Mitglieder beginnen, sich Sorgen über die Preisentwicklung zu machen. Der Aufwärtsdruck der Inflation könnte demnach möglicherweise länger andauern als gedacht.

Gegen den Trend zogen die Papiere von Target um rund sechs Prozent an und zählten damit zu den Favoriten im S&P 500. Der Einzelhändler hatte im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen. Mit einem Plus von gut drei Prozent sicherten sich die Anteilscheine des auf cloudbasierte Unternehmenssoftware spezialisierten Unternehmens Salesforce den ersten Platz im Dow, nachdem sich die Bank Morgan Stanley positiv zu den Aktien geäussert hatte.

Ansonsten aber bewegte die Börsianer der zwischenzeitlich drastische Einbruch des Marktes für Kryptowährungen. Nach einer Mitteilung der chinesischen Notenbank, wonach Digitalwährungen nicht für Zahlungszwecke verwendet werden dürfen, gaben viele Digitalwerte im Kurs zeitweise massiv nach. Die Nachricht bedeutete für die Anleger der Krypto-Börse Coinbase den nächsten Nackenschlag. Die Papiere weiteten ihre jüngsten Kursverluste aus und standen am Ende knapp sechs Prozent im Minus. Zuvor waren die Anteilscheine auf ein Rekordtief abgesackt.

Die Mitteilung der chinesischen Notenbank traf auf einen angeschlagenen Markt. Für erhebliche Verunsicherung hatte zuletzt vor allem Tesla-Chef und Krypto-Befürworter Elon Musk gesorgt. Er hatte den erst im Februar eingeschlagenen Kurs des Elektroautobauers Tesla, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, korrigiert. Als Grund nannte Musk die schlechte Umweltbilanz von Bitcoin. Die in den letzten Monaten stark gestiegenen Aktien von Tesla büssten nun als Schlusslicht im Nasdaq 100 zweieinhalb Prozent ein. Börsianer verwiesen darauf, dass der Absatz in China zuletzt zurückgegangen sei.

Derweil verlief der Börsengang von Squarespace enttäuschend. Der erste Kurs des Website-Baukasten-Anbieters hatte bei 48 US-Dollar und damit vier Prozent unter dem Referenzpreis von 50 Dollar gelegen. Die Aktien schlossen bei 43,65 Dollar. Bei der Premiere an der Börse Nyse handelte es sich nicht um einen klassischen Börsengang, sondern um eine Direktplatzierung, die ohne ein vorheriges Preisbildungsverfahren durch Investmentbanken stattgefunden hatte.

Der Euro reagierte negativ auf das Fed-Protokoll und kostete zuletzt 1,2178 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2212 (Dienstag: 1,2222) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8189 (0,8182) Euro. Die Aussagen der Fed-Mitglieder belasteten auch den Anleihemarkt: Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) fiel um 0,26 Prozent auf 132,07 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf 1,68 Prozent. (awp/mc/ps)

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