US-Eröffnung: Techwerte nach KI-Ausblick von Broadcom unter Druck
New York – Ein enttäuschender Ausblick des Chipkonzerns Broadcom hat am Donnerstag nach der ausgedehnten KI-Rally für Moll-Stimmung an der Technologiebörse Nasdaq gesorgt. Der von dieser Branche geprägte Leitindex Nasdaq 100 sank nach einer Dreiviertelstunde um 1,1 Prozent auf 30.228 Punkte. Allerdings hatte das Kursbarometer seit Ende März auch um grob ein Drittel zugelegt.
Vom Gewicht der KI-Aktien wurde auch der marktbreite S&P 500 ein Stück weit beeinträchtigt. Er lag zuletzt knapp im Minus bei 7.549 Zählern. Ganz anders war die Lage im Dow Jones Industrial. Anleger schwenkten auf die dort stärker vertretenen Standardwerte um. Der Leitindex der Wall Street stieg um 1,4 Prozent auf 51.392 Punkte. Nach einem Tag Pause war er der einzige Index, der seine Rekordrally fortsetzte.
In den Gesprächen über ein Ende des Iran-Kriegs hat die Hängepartie ohne konkrete Neuigkeiten Bestand. Bekannt wurde, dass das US-Repräsentantenhaus für den Abzug des Militärs gestimmt und damit den politischen Druck auf Präsident Donald Trump erhöht hat. Der Fokus an der Nasdaq lag daher ganz klar auf Broadcom und der Enttäuschung, dass der Chipkonzern seinen KI-bezogenen Ausblick für dieses und das kommende Jahr nicht erhöhte.
Anleger hatten sich von dem Unternehmen, das in US-Dollar gemessen zum sechstgrössten der Welt geworden ist, schlicht mehr versprochen. Analysten sahen darin einen Anlass für eine Pause, nachdem sich der Kurs seit April 2025 mehr als verdreifacht hat. Die Messlatte, um immer wieder für positive Überraschungen zu sorgen, liege mittlerweile hoch, schrieb Blayne Curtis von Jefferies. Mehrere Experten sahen in dem Rücksetzer aber auch eine Kaufgelegenheit.
Broadcom riss eine ganze Reihe an zuletzt gut gelaufenen Chip-Aktien mit nach unten, darunter mit ARM, Micron, AMD und Marvell mehrere ganz grosse Überflieger der vergangenen vier Wochen. Deren Aktien sackten im Grössenbereich von sieben bis zehn Prozent ab. Die Titel von Nvidia verloren ein Prozent.
Auffällig war, dass die Kursverluste an der Nasdaq zustande kamen, obwohl sich unter den grössten der Branche mit Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und Apple viele im Plus bewegten. Börsianer könnten darin ein Indiz sehen, dass die Rally zuletzt auf viel breiteren Beinen stand als vor einiger Zeit noch gewohnt.
Auch Crowdstrike konnte den offenbar enteilten Erwartungen nicht gerecht werden. Die Anteilscheine büssten mehr als sieben Prozent ein, obwohl das Sicherheitssoftware-Unternehmen mit seinen Geschäftszahlen positiv überrascht hatte. Die Papiere waren aber seit dem Tiefstand im März um mehr als das Doppelte gestiegen.
Unter den Standardwerten im Dow setzten sich die Titel des Krankenversicherers UnitedHealth mit einem Anstieg um etwa sechs Prozent an die Spitze. Bank of America hatte sie mit Verweis auf sich verbessernde Trends bei den medizinischen Kosten zum Kauf empfohlen.
Für die in New York gelisteten Anteilscheine von Manchester United ging es um elf Prozent nach oben. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge diskutieren einige Mitglieder der milliardenschweren Familie Glazer darüber, ob sie ihre Anteile an dem britischen Fussballclub verkaufen sollen. Ihre mehr als 20-jährige Eigentümerschaft war oft von Fanprotesten überschattet. (awp/mc/ps)