US-Schluss: Kriegs- und Inflationssorgen belasten weiter

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(Adobe Stock)

New York – Die Investoren am US-Aktienmarkt haben Signalen Russlands einer Gesprächsbereitschaft im Ukraine-Konflikt am Montag nur bedingt über den Weg getraut. Der Dow Jones Industrial dämmte zwar einen Teil seiner Verluste ein, ging aber mit 34’566,17 Punkten und damit ein halbes Prozent tiefer aus dem Handel als am bereits sehr schwachen Freitag. Die Sorge um eine mögliche Invasion der Ukraine durch Russland und deren wirtschaftliche Folgen bleibt. Zudem ist die Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed ein bestimmendes Thema.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,38 Prozent auf 4401,67 Punkte nach unten. Der jüngst besonders arg gebeutelte technologiewertelastige Nasdaq 100 schaffte hingegen ein moderates Plus von 0,10 Prozent auf 14’268,59 Zähler.

In den vergangenen Tagen hatte sich die Lage im Ukraine-Konflikt weiter zugespitzt. Insbesondere die Warnungen der US-Regierung, dass ein Angriff Russlands auf den Nachbarstaat schon in der laufenden Woche erfolgen könnte, hatte die Anleger zum Wochenstart stark verunsichert.

«Ich denke, dass wir alle darauf vorbereitet sein müssen, dass es mit wenig oder gar keiner Vorwarnung geschehen könnte», sagte John Kirby, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, am Montag im US-Sender CNN. Auf die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer Invasion antwortete Kirby mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin: «Ich denke, dass Herr Putin der Einzige ist, der die Antwort darauf kennt.»

Mittlerweile signalisierte die Regierung Russlands aber weitere Gesprächsbereitschaft. So setzte Russland nach Darstellung des Aussenministers Sergej Lawrow den Briefwechsel mit der Nato und den USA fort. Darin geht es auch um Forderungen seines Landes, die Ukraine nicht in die Nato aufzunehmen.

Neben diesem geopolitischen Konflikt bleibt die Zinswende in den USA das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche hatten eine abermals überraschend hohe US-Inflation und die Forderung eines prominenten Notenbankers, die Leitzins bis Juli um einen ganzen Prozentpunkt zu heben, die Wall Street nach unten gezogen. Vor allem Techwerte litten.

So halten einige Volkswirte es mittlerweile für denkbar, dass die US-Notenbank Fed in jeder der noch ausstehenden Sitzungen in diesem Jahr ihre Zinsen anheben wird. Der Dow fiel in den vergangenen drei Handelstagen denn auch um knapp 3,4 Prozent, der Nasdaq 100 um mehr als fünf Prozent.

Analyst Clemens Schmale vom Börsenportal Godmode-Trader rechnet angesichts des anstehenden Zinserhöhungszyklus mit weiterem Druck auf die Kurse, denn der Liquiditätsentzug beginne gerade erst. So kaufe die Fed im Februar weiterhin Anleihen und Hypothekenpapiere und der Leitzins bleibe aller Voraussicht bis März unangetastet. Zudem: «Der konjunkturelle Ausblick war auch schon besser.» Sollte die Fed nicht doch noch kalte Füsse bekommen, dürften die Aktienbörsen angeschlagen bleiben.

Mit Blick auf die Einzelwerte waren die Aktien der Bank JPMorgan unter den Verlierern im Dow Jones. Sie fielen um knapp ein Prozent, nachdem die Analysten des Investmenthauses Jefferies ihre Kaufempfehlung gestrichen hatten. Sie sehen bei anderen Banken mehr Potenzial durch den wohl bald steigenden US-Leitzins. So sind höhere Zinsen gut für das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft von Banken. Schlusslicht im Dow aber waren die Papiere der Drogerie- und Apothekenkette Walgreens Boots Alliance mit einem Minus von 2,8 Prozent.

Die Aktien des Fitnessdienste-Anbieters Peloton sanken um mehr als fünf Prozent. Hier entwich die jüngst aufgekommene Übernahmefantasie ein Stück weit nach einem entsprechenden Interview mit dem neuen Chef Barry McCarthy in der «Financial Times». Die Aktien des zwischenzeitlichen Corona-Gewinners, die seit Monaten auf Talfahrt sind, hatten vergangene Woche einen Erholungsversuch gestartet nach Medienberichten über ein Kaufinteresse unter anderem von Amazon und Nike .

Derweil klagt der US-Bundesstaat Texas gegen den Facebook-Konzern Meta wegen dessen Umgang mit biometrischen Daten. Die Aktien von Meta sanken um 0,84 Prozent.

In teils schweres Fahrwasser gerieten die Papiere von Corona-Impfstoffherstellern Pfizer, Biontech und Moderna, die zwischen rund zwei und fast zwölf Prozent einbüssten. Nach der Kursvervielfachung im Zuge der Pandemie stehen Biontech und Moderna schon länger unter Druck, da sich die Corona-Situation in vielen Ländern zu entspannen beginnt und die Impfstoffe daher weniger stark gefragt sind. Auch die Aktien des Biontech-Partners Pfizer hatten im Zuge der Pandemie deutlich zugelegt.

Die Aktien des Daten- und Reporting-Spezialisten Splunk schnellten derweil entgegen dem negativen Marktumfeld um gut neun Prozent hoch. Das «Wall Street Journal» hatte unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen über eine Übernahmeofferte durch die Netzwerk-Riesen Cisco berichtet. Dessen Aktien gaben um mehr als ein Prozent nach.

Goodyear zogen um eineinhalb Prozent an, nachdem die US-Bank JPMorgan eine Kaufempfehlung ausgesprochen hatte. Am Freitag hatten die Papiere belastet von Aussagen zum starken Kostendruck bei dem Reifenhersteller hingegen mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren.

Die Flucht der Anleger in den als vergleichsweise sicher empfundenen US-Dollar im Zuge des Säbelrasselns Russlands in Richtung Ukraine belastete den Kurs des Euro am Montag. Die Gemeinschaftswährung fiel bis zum Abend auf 1,13 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor am Nachmittag auf 1,1316 (Freitag: 1,1417) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8837 (0,8759) Euro gekostet.

Am US-Rentenmarkt fiel der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) um 0,32 Prozent auf 125,98 Punkte. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere stieg auf 1,99 Prozent. (awp/mc/ps)

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