US-Schluss: Tech-Werte sacken ab – Geldpolitik belastet

Boerse
(Adobe Stock)

New York – Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation hat am Dienstag die konjunktursensiblen US-Technologiewerte auf Talfahrt geschickt. Der Leitindex Dow Jones Industrial geriet weniger stark unter Druck. Die Erwartung weiterer Sanktionen des Westens gegen Russland sorgte ebenfalls für Verunsicherung.

Der Dow schloss 0,80 Prozent tiefer bei 34 641,18 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P 500 fiel um 1,26 Prozent auf 4525,12 Punkte. Nach den deutlichen Gewinnen zu Wochenbeginn sackte der technologielastige Nasdaq 100 nun um 2,24 Prozent auf 14 820,64 Punkte ab.

Die stellvertretende Vorsitzende der US-Notenbank Lael Brainard hatte bei einer Veranstaltung der regionalen Fed von Minneapolis gesagt, die Verringerung des Inflationsdrucks sei «vorrangig». Brainard kündigte eine «Serie» von Zinserhöhungen an. Höhere Zinsen führen insbesondere bei den stark wachstumsorientierten Tech-Unternehmen zu steigenden Finanzierungskosten. Ab Mai wolle man zudem mit einer raschen Verringerung der während der Corona-Pandemie massiv ausgeweiteten Bilanzsumme beginnen, fuhr Brainard fort.

Mit diesen geldpolitischen Schritten würde den Börsen Liquidität entzogen. Eine derart straffere Geldpolitik kann sich auch nachteilig auswirken für die Aktienmärkte insgesamt, da andere Anlageklassen dann attraktiver werden. Den Leitzins hatte die Fed bereits Mitte März erstmals seit der Corona-Krise angehoben. Hintergrund ist die hohe Inflation, die durch anziehende Rohstoffkosten angeheizt wird.

Nach den Kriegsverbrechen in der ukrainischen Stadt Butscha nahe Kiew präsentierte die EU-Kommission einen Vorschlag für ein umfangreiches Paket mit neuen Russland-Sanktionen. Es beinhaltet nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unter anderem ein Importverbot für Kohle aus Russland.

Unter den Einzelwerten knüpften die Twitter-Aktien an ihre Rally zu Wochenbeginn an und stiegen um rund zwei Prozent. Tech-Milliardär Elon Musk zieht nach seinem überraschenden Einstieg bei dem Kurznachrichtendienst auch in den Verwaltungsrat der Firma ein. Musk bekommt damit offiziell grösseren Einfluss auf die Strategie von Twitter. Der Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla glaube an die Plattform und sei zugleich ein scharfer Kritiker, schrieb Twitter-Chef Parag Agrawal. «Das ist genau, was wir brauchen», damit Twitter auf lange Sicht stärker werde.

Tags zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der Tesla-Gründer mit 9,2 Prozent zum grössten Twitter-Aktionär aufsteigt. Die Twitter-Papiere hatten darauf mit einem Kurssprung von 27 Prozent reagiert.

Unter den schwächsten Werten im Nasdaq 100 knickten die Papiere von Moderna um gut sechs Prozent ein. Die Afrikanische Union und die Impfstoffinitiative Covax hatten sich dagegen entschieden, Kaufoptionen für hunderte Millionen weiterer Dosen des Corona-Impfstoffes von Moderna zu ziehen. Börsianer interpretierten dies als Zeichen einer schwindenden Nachfrage bei abklingender Pandemie in einkommensschwachen Ländern.

Der Euro litt spürbar unter der Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik und notierte zuletzt bei 1,0906 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0969 (Montag: 1,1005) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9117 (0,9087) Euro.

Am US-Rentenmarkt zog die Rendite für zehnjährige Staatspapiere deutlich auf 2,56 Prozent und damit auf das höchste Niveau seit Anfang 2019 an. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) sackte im Gegenzug um 0,99 Prozent auf 120,89 Punkte ab. (awp/mc/pg)

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