AIG eröffnet islamische Versicherungsgesellschaft in Bahrain

Von Gérard Al-Fil


 


Erst Mitte September eröffnete Charles Bouloux in Dubais DIFC die Mittelost-Zentrale American International Group, Middle East, Mediterranean and South Africa (AIG MEMSA). Anfang Oktober folgte der zweite Streich. Von Bahrain aus will der grösste Versicherer der Welt den Markt für Schari’ah-konforme Versicherungen (Takaful, dt. gegenseitiger Anteil) nicht nur in der Golfregion, sondern auch global bedienen.


 


Ehrgeizige Ziele und Mitbewerber


Moody’s schätzt, dass sich das internationale Takaful-Geschäft bis 2015 vervierfachen wird. AIG MEMSA Präsident Charles Bouloux, der auch als Chairman der AIG Takaful Einheit in Bahrain fungiert, erklärte gegenüber moneycab, man wolle das Marktwachstum von 25% p. a. «outperformen». AIG Takaful biete die im Retailgeschäft gängigen Gesundheits-, Auto-, Haftpflicht- und Hausratversicherungen nach den Prinzipien des Islam an. Mit AIG Takaful in Bahrain sollen diese Policen sowohl in der MEMSA-Region als auch in Malaysia, Indonesien und den USA (acht Millionen Muslime) verkauft werden. Die rasante Verbreitung des Takaful hat bereits zahlreiche westliche Assekuranzfirmen und Rückversicherer veranlasst, entsprechende Produkte zu entwickeln und einzusetzen. Beispiele:


 




  • Die deutsche Allianz AG lancierte Anfang 2006 in Indonesien und Malaysia ihre erste Schari’ah-Lebensversicherung.


  • Swiss Re stellte im Juni 2006 in Dubai die erste Retakaful-Familienversicherung vor.


  • Munich Re und Hannover Re zeigen auf dem Segment bereits seit zwölf bzw. vier Monaten Flagge.


  • Converium ist seit dem 10. Oktober der jüngste Anbieter von Retakaful-Lösungen.

 


Bei Takaful sind Versicherte auch Versicherer


Ein Takaful-Operator, wie ein Anbieter islamischer Polices bezeichnet wird, darf die Versicherungsbeitraeg nur in Scharia-konforme Anlagen investieren, sprich: in Produkte die halal (akzeptabel) sind. Dazu zählen Aktien von Firmen, die nicht überschuldet sind und nicht in der Alkohol-, Tabak-, Schweinefleisch-, Rüstungs-, Gambling- oder der Unterhaltungsindustrie tätig sind. Ausserdem stehen Anleihen und alle konventionelle Banken und Versicherungen auf dem Index, weil sie Zinsen nehmen. Diese betrachtet der Koran als haram (inakzeptabel). Weil das Element der Unsicherheit (gharar) für den Versicherungsnehmer nicht eliminiert werden kann (der Versicherer erzielt gesicherte Einzahlungsüberschüsse, allfällige Einnahmen des Versicherten bleiben ungewiss), muss neben der Prämie auch ein Spendenanteil (Ta’abarru) gezahlt werden. Dieser kommt allen Versicherten im Falles eines Falles zu Gute ? ein genossenschaftliches Assekuranzmodell. Ohne Ta’abarru gäbe es kein Takaful, sagen die Schari’ah-Gelehrten.

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