Aktienfokus: Phonak nach Kauf von GN Resound deutlich schwächer

Kurzfristig dürfte aber nicht nur der hohe Kaufpreis, sondern auch die geplante Kapitalerhöhung auf den Aktienkurs drücken. Zudem sind sich die Analysten uneinig, ob die Akquisition strategisch sinnvoll ist.  Der Hörgerätehersteller zahlt für die Übernahme des dänischen Konkurrenten 3,3 Mrd CHF (15,5 Mrd DKK) in bar. Analysten haben im Vorfeld mit 12 Mrd bis 13 Mrd DKK gerechnet. Finanziert wird die Übernahme mit einem Kredit in der Höhe von 1,5 Mrd CHF sowie einer Kapitalerhöhung von rund 1,8 Mrd CHF.


Übernahmepreis deutlich über Erwartungen
Der Übernahmepreis liege deutlich über seinen Erwartungen, schreibt etwa Vontobel-Analyst Patrick Laager stellvertretend für die meisten anderen Analysten. Die Ertragskraft von GN Resound sei zu tief, um diesen Preis zu rechtfertigen. «Big is not beautiful», fasst er zusammen. Und: «Wir sind der Meinung, dass die Integration von GN Resound eine grosse Herausforderung für Phonak darstellt.». Entsprechend stuft die Bank Vontobel die Aktien auf «Sector Perform» von bisher «Sector Outperform» zurück.


Sinn dank Skaleneffekte
Für Yasemin Ersan von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) macht die Akquisition aufgrund der Skaleneffekte jedoch durchaus Sinn. Zudem stand Phonak aus ihrer Sicht unter Druck, die Übernahme zu tätigen, da andernfalls die einmalige Chance zur Vergrösserung des Geschäfts vertan worden wäre.


Ambitiös
Phonak belässt seine mittelfristigen Finanzziele – Umsatzwachstum von 10% und EBITA-Marge von 27 bis 29% bis ins Jahr 2009/10 – trotz der tieferen Ausgangslage von GN Resound (EBITA-Marge von 14,1%) mehrheitlich unverändert, was Ersan als ambitiös erachtet.


Akquisition mittelfristig «sehr positiv»
Anderer Meinung ist Birgit Kulhoff, Analystin bei Rahn Bodmer. Der Hörgerätehersteller werde dank dieser Akquisition uneinholbar zur Nummer 1 im Hörgerätemarkt und könne mit den innerhalb der nächsten drei Jahre erzielbaren Synergien auch die höchsten EBIT-Margen von gegen 29% erzielen. Sie hält zudem ein Umsatzwachstum von 10% für möglich. Kulhoff beurteilt die Akquisition mittelfristig denn auch als «sehr positiv» für Phonak.


Unsicherheiten bei den Mitarbeitern
Kurzfristig dürfte der Aktienkurs jedoch aufgrund der Kapitalerhöhung leiden. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass der Integrationsprozess bei den Mitarbeitern zu Unsicherheiten führen werde und deshalb im ersten Geschäftsjahr Marktanteile verloren gingen, so Kulhoff weiter. Die gleiche Befürchtung haben Analysten einer anderen Bank. Während der Integrationsphase könnte die Konkurrenz Marktanteile auf Kosten von Phonak gewinnen, hiess es. Zudem wird auf die Risiken verwiesen, die im Zusammenhang mit der Übernahme eines Turnaround-Kandidaten verbunden seien. (awp/mc/gh)

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