Aktienfokus: Swiss Life nach Übernahme von MLP-Beteiligung stark unter Druck

Analysten fragen sich, ob die Beteiligung an MLP strategisch gesehen Sinn macht und ob eine allfällige Vollübernahme nicht zu teuer werden könnte. Bis um 11.35 Uhr büssen Swiss Life 7,0% respektive 19 CHF auf 253,50 (Tagestiefst: 248,10) CHF ein. Zu Handelsbeginn büssten Swiss Life 4,0% ein. Die tieferen Notierungen kommen bei sehr hohen Volumen zu Stande. Mit derzeit gut 750’000 gehandelten Aktien, liegt das Volumen bereits deutlich über dem Tagesdurchschnitt der Monate Juli und August von gut 300’000. Der Gesamtmarkt (SMI) liegt derzeit mit 0,55% auf 7’233,42 Punkten im Plus.


MLP-Beteiligung überrascht
Während die Vollübernahme von AWD erwartet worden ist, habe die Beteiligung an MLP überrascht, schreibt Georg Marti von der ZKB. Dies obwohl die heutige Transaktion gerüchteweise bereits kolportiert wurde. Ob die Beteiligung an MLP strategisch Sinn macht wird von den meisten Analysten bezweifelt. Für Marc Effgen von Helvea kommt dieser Schritt zu früh. Er hätte es lieber gesehen, wenn Swiss Life zunächst die Partnerschaft mit AWD vorangetrieben hätte, anstatt schon zu diesem Zeitpunkt weitere strategisch wichtige Investitionen zu tätigen. Ausserdem würde eine MLP-Übernahme nicht der Swiss Life-Strategie entsprechen, die auf die Übernahme von kleineren unabhängigen Finanzberatern abziele. Ein Problem könnten auch die total verschiedenen Unternehmenskulturen von AWD und MLP werden, meint Effgen.


Klarheit fehlt
Da die Familie Lautenschläger, sie hält rund 32% an MLP, die Unabhängigkeit von MLP beibehalten möchte, sei überhaupt nicht klar, was Swiss Life mit der 27%-Beteiligung erreichen möchte, schreibt William Elderkin von Citigroup. Auch sei nicht ganz klar, welchen Nutzen die unter dem Swiss Life-Dach unabhängig gehaltene AWD bringen werde. Zumindest sei die Vollübernahme von AWD erwartet worden und im Swiss Life-Kurs enthalten, so Elderkin weiter. Gemäss Sal.Oppenheim-Analyst René Locher macht die AWD-Übernahme mittelfristig durchaus Sinn, auch wenn die Logik dieser Transaktion am Markt in Frage gestellt wird. Die Übernahme der MLP-Beteiligung dagegen, erachtet Locher als weniger sinnvoll. Ihm zufolge wird Swiss Life wohl auch bei MLP eine Vollübernahme in Betracht ziehen. Der Preis für MLP dürfte jedoch ziemlich hoch sein, so der Sal.Oppenheim-Analyst.


Finanzierung einer möglichen MLP-Vollübernahme ungeklärt
Laut Uwe Otten von der Bank Vontobel liegt der von Swiss Life für die 27%-Beteiligung bezahlte Preis unter dem gestrigen Schlusskurs und beinhaltet somit keinen Prämienaufschlag. Bei einem MLP-Aktienkurs von 11,72 EUR würde der Rest von MLP etwa 1,4 Mrd CHF kosten, rechnet William Elderkin vor. Durch den Abbruch des Aktienrückkaufprogramms habe Swiss Life zwar Kapital im Umfang von 800 Mio CHF befreit. Es sei aber noch völlig unklar, wie Swiss Life bei einer möglichen MLP-Vollübernahme die restlichen 600 Mio CHF aufbringen würde.


Rückstufungen
Dass die Beschränkung des Aktienrückkaufprogramms am Markt negativ aufgenommen wird, darin gehen sich die Analysten einig. Das Programm habe dem Aktienkurs in den letzten Monaten wesentlich Unterstützung geboten, so Georg Marti. Damit würden nun auch die massiven Verdichtungen von Gewinn und Buchwert je Aktie teilweise wegfallen. Nach der heutigen Meldung zu Swiss Life haben einige Analysten ihre Ratings zurückgenommen. So senkten beispielsweise Helvea und Sal.Oppenheim ihr Rating je auf NEUTRAL von zuvor BUY. Georg Marti von der ZKB senkt die Einstufung auf UNTERGEWICHTEN nach MARKTGEWICHTEN. (awp/mc/ps/20)

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