Alpiq, Axpo und BKW einigen sich bei Ersatz-AKWs

Die gemeinsame Planungsgesellschaft sei nach «intensiven Verhandlungen» zustande gekommen, teilten die drei Energiekonzerne am Donnerstag mit. Axpo, Alpiq und BKW beteiligen sich zu je einem Drittel an der Gesellschaft. Das Rennen um die lukrativen AKW-Aufträge ist damit aber noch nicht entschieden.


Bauentscheid spätestens Mitte 2012 erwartet
Alle drei Ersatz-Atomkraftwerke (AKW) würden nun parallel und gleichwertig weiterentwickelt, heisst es weiter. Der Entscheid, welche beiden Projekte verwirklicht werden, falle spätestens Mitte 2012 – vor dem Botschafts- und Entscheidentwurf des Bundesamts für Energie (BFE). Falls bis zu dieser Frist immer noch alle drei AKW-Projekte als gleichwertig beurteilt würden, werden die beiden Standorte gebaut, die zuerst ausser Betrieb genommen werden müssen.


Rahmenbewilligungsgesuche beim Bund hängig
An den Partnerwerken sind Axpo zu 59%, Alpiq zu 25,5% und BKW zu 15,5% beteiligt. Diese Aufteilung spiegle den heutigen Anteil der drei Partner am nuklearen Produktionspark, nicht aber die Marktanteile an der Versorgung der Schweiz wider, betonen die Stromkonzerne. Diese liegen für Axpo bei 35%, für Alpiq bei 24% und für BKW bei 14%. Für die erste Anlage werde das Beteiligungsverhältnis leicht verschoben (Alpiq -3%, BKW +3%). Beim Bund sind derzeit die Rahmenbewilligungsgesuche für drei neue Atomkraftwerke in Beznau AG, Gösgen SO und Mühleberg BE hängig. Ende Oktober 2009 hatten die Konzerne Alpiq, Axpo und BKW beim Bund die überarbeiteten Unterlagen für die geplanten AKW eingereicht.


Volk hat letztes Wort
Der Bundesrat wird voraussichtlich Mitte 2012 über die Gesuche entscheiden. Danach ist das Parlament am Zug. Das letzte Wort wird das Volk haben. Die Volksabstimmung wird voraussichtlich gegen Ende 2013 stattfinden. Stimmt das Volk zu, könnten die neuen AKW zwischen 2025 und 2027 ans Netz gehen. Damit sich die drei Energiekonzerne darauf einigen können, wer wann und wo baut, waren bereits verschiedene Schritte unternommen worden. Unter anderem stand ein Steuerabkommen der drei Standortkantone Aargau, Bern und Solothurn zur Diskussion. Die Idee wurde allerdings Anfang Jahr verworfen.


Gösgen wird zuletzt ausser Betrieb genommen
Was den Standortentscheid anbelangt, startet die Alpiq AG mit einem Handicap: Ihr AKW in Gösgen SO ist das jüngste. Falls die drei AKW-Projekte von Axpo, BKW und Alpiq von den Bundesbehörden als gleichwertig beurteilt werden, soll dieses nicht ersetzt werden. «Wir stehen trotzdem voll und ganz hinter der Einigung der drei Energiekonzerne», sagte Alpiq-Sprecher Martin Bahnmüller am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der Standort Gösgen sei ausgezeichnet. «Ein Entscheid gegen uns wäre überraschend.» Auch sei Gösgen im Kanton Solothurn politisch gut abgestützt.


Beteiligung entscheidend, nicht Standort
Fiele die Wahl dennoch auf Mühleberg BE und Beznau AG, könnte Alpiq gemäss Bahnmüller mit diesem Entscheid leben. «Entscheidend ist, dass wir an allen neuen Kernkraftwerken gleichermassen beteiligt sein werden, unabhängig vom Standort», sagte Bahnmüller. Die Einigung unter den Energiekonzernen sieht für das zweite Ersatz-AKW folgende Beteiligungen: 59% Axpo (48,6% Axpo AG und 10,4% Centralschweizerische Kraftwerke AG), 25,5% Alpiq, 15,5% BKW. Diese Aufteilung entspricht dem heutigen Anteil der drei Konzerne an der nuklearen Stromproduktion.


Gemeinsame Planungsgesellschaft existiert noch nicht
Die gemeinsame Planungsgesellschaft, in welche die drei Energiekonzerne ihre laufenden Projekte einbringen werden, existiere noch nicht, sagte Bahnmüller. Möglich sei, dass die Resun AG – die gemeinsame Planungsgesellschaft von Axpo und BKW – der neuen Gesellschaft als «rechtlicher Mantel» diene. Das AKW Gösgen ging 1978 ans Netz. Beznau I liefert seit 1969 nuklearen Strom, Beznau II seit 1972. Ebenfalls seit 1972 läuft das AKW in Mühleberg. Voraussichtlich werden Mühleberg sowie Beznau I und II im Jahre 2020 vom Netz gehen. Von der Diskussion um Ersatz ausgenommen ist das AKW Leibstadt. Dieses nahm seinen Betrieb im Jahr 1984 auf. (awp/mc/ss/05)

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