Artur P. Schmidt: Banken-Armageddon ? Der Niedergang der Citigroup

Von Artur P. Schmidt
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Die ehemals grösste Bank der Welt, die amerikanische Citigroup, ist Spezialist, wenn es um korrupte Geschäftspraktiken geht. Wir erinnern uns: Im Jahr 1999 hatte die Citigroup die vor ihr selbst festgelegten Kreditobergrenzen für Enron um das Vierfache überzogen und damit dem Unternehmen weitere Bilanzfälschungen ermöglicht. Damit wurde Enrons Kreditwürdigkeit zum Nachteil von Investoren wissentlich verfälscht.


Grössenwahnsinnige Vorgaben
Noch kurz vor dem Konkurs von Enron handelte die Citigroup emsig mit Aktien und Anleihen des Energiehändlers, um noch möglichst viel Papiere ins Trockene zu bringen. Wenn es darum ging, ein grosses Rad zu drehen, war die Citigroup fast durch niemanden zu überbieten. Grössenwahnsinnige Vorgaben wie Eigenkapitalrenditen von 50 Prozent, wie sie der ehemalige CEO Chuck Prince forderte, gehörten genauso zum allgemeinen Geschäftsgebaren wie ausufernde Spekulationen im Hypothekenmarkt. Als es im Frühjahr 2008 erste Gerüchte um einen möglichen Bankrott der Citigroup gab, schlug dies hohe Wellen im Finanzministerium und der Fed. Citigroup gehört zu den Banken, die eigentlich zu gross zum Scheitern sind. «Think big» war jahrelang das Erfolgsrezept der Citigroup, die sich mit der Fusion der Versicherungsgruppe Travelers eine weltweit dominante Marktstellung mit 330.000 Mitarbeitern und mehr als 8.000 Filialen in rund 100 Ländern aufgebaut hatte. Mit einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen Dollar und einem Gewinn von 21 Milliarden Dollar im Jahr 2006 setzte der damals grösste Finanzdienstleister der Welt neue Massstäbe.


Zu grosser Koloss
Abschreibungen von über 50 Milliarden US-Dollar brachten den Giganten dann derart in Bedrängnis, dass er sich von Staatsfonds, Investoren und Kapitalerhöhungen neue Liquidität besorgen musste. Doch frisches Geld allein scheint nicht auszureichen, um die Citicorp zu retten, da der Koloss zu gross, unbeweglich und angreifbar geworden ist, um in der aktuellen Struktur erfolgreich bestehen zu können. So fordern Geldgeber wie die Vermögensverwaltung SAM Advisors mittlerweile die Zerschlagung des Konzerns, ein Alptraum für den Allfinanzguru und ehemaligen CEO, Sanford Weill, der sein Lebenswerk in Gefahr sieht. Der neue CEO, Vikram Pandit, hat bisher nichts weiteres fertig gebracht, als eine Radikalsanierung zu verhindern und den Konzern weiter abzuwirtschaften. Ein Verkauf von Konzernteilen und damit eine Zerschlagung des Konzerns, scheint nun unvermeidbar. Einige Wochen vor dem Kollaps hatte die Bank trotz ihrer miserablen finanziellen Ausgangsposition die überschuldete Bank Wachovia übernommen und damit auch noch grosse Teile des riesigen Wachovia-Kreditbestandes von 312 Mrd. Dollar geschultert.


Schuldenwald übersehen
Vor lauter strategischen Vorteilen – Citigroup verfügte mit der Übernahme über nahezu 10 % aller Kontoguthaben in den USA – hatte der CEO den Schuldenwald komplett übersehen, der mittlerweile die Aktie der einst stolzen Bank auf Penny Stock-Niveau gedrückt hat. Die Kreditkrise hatte den einstigen Star der Bankenwelt in nur fünf Quartalen in den Untergang geführt. Mit dem Untergang der Citigroup dürfte nun auch dem letzten Optimisten in den USA klar werden, dass die USA ihre finanzielle Führungsrolle und der Dollar seine Funktion als Leitwährung verloren haben. Wenige Stunden vor Eröffnung der europäischen Börsen am 24. November 2008 sprang die US-Regierung der taumelnden Citigroup mit 20 Milliarden USD zur Seite und übernahm zusätzlich noch Risiken in Höhe von 306 Milliarden USD. Als Gegenleistung erhält das Finanzministerium Vorzugsaktien im Wert von 27 Mrd. USD. Als Begründung der Massnahmen wurde angegeben, dass die US-Regierung die Citigroup vor «aussergewöhnlich hohen Verlusten» schützen wollte. Doch dieser Schutz war angesichts eines Derivate-Portfolios von sage und schreibe 37,1 Billionen USD  (Stand Ende Juni 2008) nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Der Citigroup-Crash stellt den finalen Höhepunkt des Niedergangs des amerikanischen Bankensystems dar, weil er endgültig die kurzfristigen Zinsen auf Null drückte und die US-Wirtschaft in den Zustand des akuten Herzflimmerns versetzte. Am 05. März 2009 marktierte die Aktie Ihren vorläufigen Tiefstkurs als sie mit 0.97 USD auf unter 1 US-Dollar von ehemals 59 USD fiel.





Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag (www.ewk-verlag.de ) erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».


Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com , www.wallstreetcockpit.com , www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH (www.cockpit.li ). Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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