Artur P. Schmidt: Europas historische Chance

Von Artur P. Schmidt
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Es hat den Anschein, dass wir uns aktuell im Auge des Hurrikans befinden. Die Volatilitäten sind heruntergekommen, die Aktienkurse sind weltweit um über 40 % gestiegen und die Inflation, zumindest die, die nicht von Statistiken manipuliert werden kann, kehrte zurück. Doch diese trügerische Ruhe erkauft durch massives Gelddrucken und ansteigende Zinsen im langfristigen Bereich birgt in sich ein noch grösseres Crash-Potential als es der Oktober 2008 offenbarte: ein Crash des amerikanischen Bond-Marktes. Inflationäre Erholungsschübe werden in einer Depression von brutalen deflationären Wellen abgelöst, die den Grossteil der Bevölkerung durch das Phänomen der Massenarbeitslosigkeit enteignen.


Versagen der Notenbanken
Schuld an dieser unsäglichen Entwicklung sind ganz allein die nicht unabhängigen Notenbanken der Welt, weshalb es zwingend notwendig ist, diese kriminellen Vereinigungen, vor allem die Federal Reserve und die Bank of England, sofort zu schliessen. Je mehr die amerikanische Federal Reserve über Bailouts versucht das System zu stabilisieren und je mehr Geld sie dafür über angekaufte Anleihen in den Umlauf bringt, desto katastrophaler wird sich die Weltwirtschaft entwickeln, wenn der Hurrikan in Bälde mit voller Wucht auf das amerikanische Festland trifft. Wer sich gegen die kreative Zerstörung des alten Systems stellt, erzeugt zwangsläufig Depressionen und verhindert so die Entstehung des Neuen.


Superlative des perfekten Sturms
Mit seiner Gelddruckorgie wird Ben Bernanke nichts anderes erreichen, als den perfekten Sturm auszulösen, ein Sturm der so gewaltig werden wird, dass die USA auf einen neuen Krieg drängen werden, um der Depression zu entkommen und einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung herbeizuführen. Fast hat es den Anschein, dass das ganze planvoll von neokonservativen Kreisen organisiert ist, denn auf den Crash vom Oktober folgten nur noch Superlative des Systemversagens: Die grössten Firmenbankrotte der amerikanischen Geschichte, das grösste Bailout-Programm der amerikanischen Wirtschaft, das grösste Haushaltsdefizit der amerikanischen Finanzgeschichte, die grösste Verstaatlichungswelle seit der grossen Depression und die grösste Gelddruckorgie einer grossen Industrienation seit der Weimarer Republik.


Finanzielles Sein oder Nicht-Sein
Wer immer noch nicht begriffen hat, dass es um finanzielles Sein oder Nicht-Sein geht, der sollte nicht länger zögern sein Geld sofort von den Banken abzuheben und durch Anlagen in Sachwerte in Sicherheit bringen. Geld darf nur dann den Banken anvertraut werden, wenn Notenbanken für harte Währungen sorgen. Dies ist jedoch heute nirgends in der Welt der Fall. Nach der nächsten deflationären Bereinigung dürfte es in den USA zu einer Hyperinflation kommen, die in vielen anderen Ländern zu einer importierten Inflation führen dürfte. Die Weltgemeinschaft sollte sofort erwachen und Rohstoffe zukünftig nicht mehr in Dollar bewerten, weil sonst erhebliches inflationäres Ungemach für alle Länder droht.


Ein starker Euro wird Europa retten
Wenn Europa seine historische Chance jetzt nicht ergreift, und den Euro durch Stärke (Anhebung der langfristigen Zinsen) zur Weltwährung macht, ist den europäischen Politikern und in Folge auch den europäischen Nationen nicht mehr zu helfen. Es gibt eine ökonomische Wunderwaffe, die zur kreativen Erneuerung einer Wirtschaft führt, es ist die stärkste Währung der Welt zu besitzen. Wer über eine starke Währung verfügt, muss an den Weltmärkten über die besten Produkte verfügen, wenn er bestehen will. Die deutsche Bundesbank setzte mir ihrer Hartwährungspolitik jahrzehntelang die entscheidende Rahmenbedingung, dass Deutschland nach dem 2. Weltkrieg zur Exportnation Nr. 1 werden konnte. Hohe Preise lassen sich nur bei innovativen Produkten durchsetzen. Europa muss deshalb über eine starke Währung verhindern in den amerikanischen Abwärtsstrudel der Geldentwertung mit hineingezogen zu werden. Trichet muss sofort mit dem Unsinn des Quantitative Easing aufhören, wenn er den notwendigen Strukturwandel nicht verhindern will. Nicht die Politik führt diesen herbei, sondern die Unternehmen, die im Wettbewerb bestehen müssen und dies sind nun einmal die stärksten.


Kein Platz für Bailouts
Für Bailouts und Subventionen darf es in einer sozialen Marktwirtschaft keinen Platz geben, da diese sonst asozial wird. Die besten Unternehmen schaffen genügend zukunftsfähige Arbeitsplätze, die schlechten Unternehmen zerstören jedoch nur den sozialen Frieden. Wenn wir die kreative Zerstörung des Neuen durch massives Gelddrucken verhindern, wird am Ende ein neuer militärischer Konflikt stehen, auf den die USA durch die Depression zwangsläufig zusteuern. Noch ist es nicht zu spät, den Euro so stark zu machen wie einst die DM, zum Wohle unseres Volkes aber auch unserer europäischen Nachbarländer. Dieser Weg ist zwar nicht populär, aber der einzig gangbare Weg, wenn wir uns von der jahrzehntelangen Vorherrschaft der Federal Reserve befreien wollen. Auf China sollte man nicht allzu stark setzen, da das Land hochgradig korrupt ist, von einer Militär-Junta geführt wird und eine neue Kulturrevolution das Land sehr schnell an den Abgrund führen kann. Europa muss seinen Binnenmarkt neu entdecken und wieder lernen auf seine eigenen Stärke zu vertrauen. Dies ist das Gebot der Stunde!





Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag (www.ewk-verlag.de ) erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».

Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com , www.wallstreetcockpit.com , www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH (www.cockpit.li ). Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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