AWD: Finanzkrise und schwaches Grossbritannien-Geschäft belasten

In einem «ambitionierten Marktumfeld mit Auswirkungen einer weltweiten Finanzkrise» sei es AWD aber gelungen, seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozent auf 175,1 Millionen Euro zu steigern, teilte das im MDAX notierte Unternehmen am Mittwoch in Hannover mit. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten allerdings im Schnitt mit einem deutlich stärkeren Anstieg auf 181,0 Millionen Euro gerechnet. Im ersten Halbjahr hatte der Umsatz noch um 10,4 Prozent zugelegt.


EBIT und Vorsteuergewinn hinter den Erwartungen
Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte um 3,2 Prozent auf 19,2 Millionen Euro und blieb damit ebenfalls hinter den von Analysten erwarteten 19,9 Millionen Euro zurück. Auch Vorsteuergewinn und Überschuss lagen unter den Erwartungen. Der Vorsteuergewinn stieg um 3,6 Prozent auf 20,4 Millionen Euro (Prognose: 21,3 Mio Euro), der Überschuss erhöhte sich um 3,7 Prozent auf 13,9 Millionen Euro (Prognose: 14,5 Mio Euro). Die Beraterzahl lag Ende September fast unverändert bei 6.342 Beratern, einer weniger als Ende Juni. Die Kundengewinnung blieb mit 48.100 Neukunden 1,4 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Damit wurde auch das von AWD ausgegebene interne Ziel von 50.000 Neukunden pro Quartal verfehlt.

Rote Zahlen in Grossbritannien
Vor allem in Grossbritannien schnitt AWD deutlich schlechter als erwartet ab. Der Umsatz ging hier um fast 10 Prozent auf 33,6 Millionen Euro zurück, das operative Ergebnis rutschte mit einem Verlust von 1,8 Millionen Euro tief in die roten Zahlen, nach 1,5 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Die Analysten hatten hier nur mit einem leichten Umsatzrückgang und einem Ergebnis nahe Null gerechnet. Grund für den Gewinneinbruch waren den Angaben zufolge hohe Aufwendungen für die Umsetzung neuer gesetzlicher Standards, insbesondere für die Qualifizierung der Berater und den Ausbau der internen Dokumentation. Zudem habe der Fast-Zusammenbruch der Hypothekenbank Northern Rock eine deutliche Zurückhaltung bei den britischen Anlegern ausgelöst und so den Umsatz gedrückt.

Zuversichtlich fürs Schlussquartal
Für das Schlussquartal zeigte sich AWD-Chef Carsten Maschmeyer zuversichtlich. Das vierte Quartal, bei AWD traditionell das wichtigste des Jahres, sei gut angelaufen. Auch die Beraterzahl werde in Deutschland bis Jahresende wieder zulegen. Im dritten Quartal war sie in Deutschland wie auch in Grossbritannien dagegen gesunken. Die Rückgänge konnten aber durch den Ausbau des Vertriebs in Österreich, Osteuropa und der Schweiz annähernd ausglichen werden.

Wettbewerb um qualifizierte Berater
Als Grund für den Rückgang in Deutschland nannte AWD den zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Berater. Analysten hatten zuvor vor allem mit Abgängen an den neuen Wettbewerber FORMAXX gerechnet. Für Grossbritannien hatte AWD bereits im Sommer angekündigt, die Umstellung der Vergütung der Berater in dem Land könnte zu einer Fluktuation bei den Vertriebsleuten führen. Die Entwicklung der Beraterzahl gilt Branchenbeobachtern als Indikator für mögliches künftiges Wachstum bei Finanzdienstleistern.


Organisch weiter gewachsen
«Wir sind stolz auf unseren Vertrieb, der im Gegensatz zu grossen Teilen der Versicherungsindustrie und der Fondsbranche organisches Wachstum erzielt hat», sagte Vorstandschef Maschmeyer bei der Vorlage der Zahlen. Trotz des schwierigen Marktumfeldes sei es dem Unternehmen gelungen, organisch weiter zu wachsen. «AWD hat sich in einem schwierigen Marktumfeld, ausgelöst durch die internationale Finanzkrise und volatile Kapitalmärkte, als Wachstumsunternehmen gut behauptet.» Konkurrent MLP hatte im dritten Quartal einen Rückgang des operativen Gewinns verzeichnet und beim Umsatz im Wesentlichen nur dank Zukäufen zugelegt.

Wachstum in Deutschland
Anders als in Grossbritannien legte AWD auf dem deutschen Heimatmarkt im dritten Quartal bei Umsatz und Gewinn weiter zu. Der Umsatz stieg um 2,9 Prozent auf 89,9 Millionen Euro, der operative Gewinn um 6,3 Prozent auf 16,9 Millionen Euro. In Österreich und Osteuropa, seit langem Wachstumsregion des Unternehmens, kletterte der Umsatz um 9,3 Prozent auf 34,0 Millionen Euro, während das EBIT um 36,2 Prozent auf 6,4 Millionen Euro nach oben sprang. Damit verlangsamte sich das Wachstum gegenüber dem starken ersten Halbjahr aber deutlich. Von Januar bis Juli hatte AWD in der Region beim Umsatz noch um 37 Prozent und beim EBIT um 73 Prozent zugelegt. In der Schweiz ging der operative Gewinn im dritten Quartal dagegen um 3,8 Prozent auf 2,5 Millionen Euro zurück, während sich der Umsatz um 7,3 Prozent auf 17,6 Millionen Euro verbesserte.


Produkte für Altervorsorge und Vermögensaufbau
Wichtigste Umsatzbringer blieben bei AWD auch im dritten Quartal Produkte für Altervorsorge und Vermögensaufbau, auf die mehr als drei Viertel der Erlöse entfielen. In Deutschland vermittelte das Unternehmen von Juli bis September 23.100 Verträge für Riester- und Rürup-Renten, gut 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. AWD zeigte sich zuversichtlich, dass dieser Markt auch in Zukunft weiter wachsen werde. (awp/mc/ab)

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