BP erleidet neuen Rückschlag im Kampf gegen Ölpest

Die Arbeiten verzögerten sich und seien nun weniger erfolgsversprechend. In der Zwischenzeit strömen weiter tausende Tonnen Rohöl pro Tag unkontrolliert ins Meer. Das schwarze Gift bedroht die Küsten in vier US-Staaten, darunter kurz vor der Hauptsaison die Touristenhochburg Florida. Die US-Wetterbehörde NOAA vergrösserte die Verbotszone für die Fischerei auf.230 000 Quadratkilometer – eine Fläche, mehr als halb so gross wie Deutschland. Inzwischen sind auch Gewässer vor der Südwest-Küste Floridas Sperrgebiet.


BP für solche Unfälle zu schlecht vorbereitet
BP-Chef Tony Hayward gab mittlerweile zu, dass sein Konzern auf einen solchen Unfall zu schlecht vorbereitet war. Er entschuldigte sich am Donnerstag in den USA in Fernseh-Werbespots und Zeitungsanzeigen. BP bemüht sich seit Dienstag, das lecke Rohr in 1500 Metern Tiefe abzusägen, um einen Auffangtrichter anzuschliessen und das Öl auf ein Schiff abzuleiten. Eine robotergesteuerte Hightech-Säge sollte einen sauberen Schnitt in das rund 53 Zentimeter dicke Rohr machen, weil der Behälter möglichst lückenlos auf die Öffnung gestülpt werden sollte.


Diamantsägeblätter zu stumpf
Die Diamantsägeblätter erwiesen sich aber als zu stumpf. Der Konzern benutze jetzt eine Metallschere, die ein eher unebenes Loch schneide, sagte Allen. Dadurch würde auch nach einer gelungenen Operation weiter Öl und Gas am Auffangbehälter vorbei ins Meer strömen, sagte Allen. Zum Stillstand gebracht werden kann der Ölfluss laut BP erst im August, wenn zwei Bohrungen zum Grund der Quelle vier Kilometer unter dem Meeresboden abgeschlossen sind. Die grösste Ölkatastrophe in der US-Geschichte nimmt ihren Lauf, seit vor mehr als sechs Wochen die Bohrinsel «Deepwater Horizon» nach einer Explosion versank.


Urlaubsindustrie in Gefahr
Die Ölpest versetzt Floridas 60 Milliarden Dollar schwere Urlaubsindustrie in Angst. Ölflächen hätten sich den weissen Stränden des Badeortes Pensacola bedenklich genähert, hiess es aus Einsatzzentrum in Mobile (Alabama). Auch andere Urlaubsorte in dem Sonnenscheinstaat seien bedroht, weil Teile des Öls in eine Strömung gezogen worden seien, die das Wasser an breite Küstenteile spüle. In Alabama wurden bereits Ölklumpen an der Küste gefunden, auch der Bundesstaat Mississippi ist unmittelbar gefährdet. Die US- Küstenwache schickte tausende Helfer in die betroffene Region.


Louisiana: Über 220 Kilometer Küste verseucht
Bisher war die Öl-Katastrophe auf Louisiana beschränkt: Dort sind mehr 220 Kilometer Küste verseucht, sagte Gouverneur Bobby Jindal. Die US-Regierung habe dem Staat jetzt erlaubt, insgesamt 70 Kilometer breite Sandbänke im Wasser aufzuschütten, um den Ölteppich vom Land fernzuhalten. Das Weisse Haus habe BP aufgefordert, die Kosten für diese Massnahme zu tragen, die von Umweltschützern wegen der unbekannten Langzeitfolgen skeptisch gesehen wird. Der Ölkonzern erklärte sich am Mittwoch bereit, die 360 Millionen Dollar Kosten (293 Millionen Euro) für die Aufschüttung zu begleichen.


Obama: Höchste Zeit für alternative Energien
US-Präsident Barack Obama nimmt die Ölpest unterdessen zum Anlass, seinem geplanten Klimagesetz neuen Schwung zu verleihen. Er wolle es in den nächsten Monaten mit «aggressivem» Druck durch den Kongress bringen, sagte Obama am Mittwoch in einer Rede vor Geschäftsleuten in Pittsburgh. Die Katastrophe zeige, dass es höchste Zeit sei, in den USA auf alternative Energien zu setzen. «Wenn wir nicht die vollen Kosten unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen berechnen, dann verpassen wir unsere Chance auf eine Zukunft mit sauberer Energie», sagte Obama. Die Kosten von Ölbohrungen seien zu gross, wenn man Sicherheits- und Umweltrisiken einrechne. Wenige Wochen vor Beginn der Krise hatte der Präsident Tiefseebohrungen noch als sicher und umweltverträglich bezeichnet. Obama bekräftige, dass er millionenschwere Steuererleichterungen für die Ölindustrie streichen will, die unter der Regierung seines Vorgängers George W. Bush eingeführt wurden.


Gesucht: Technische Lösungen für Unterwasser-Unfälle 
BP gestand unterdessen, ihm fehlten die technischen Mittel, um ein solches Unglück wie im Golf von Mexiko in den Griff zu bekommen. So wie die Ölindustrie nach dem Unglück des Tankers «Exxon Valdez» 1989 in Systeme zum Einsammeln von Öl auf der Oberfläche investiert habe, müssten nun auch technische Lösungen für Unterwasser-Unfälle geschaffen werden, sagte Hayward der «Financial Times» (Donnerstag). Das Risiko eines solchen Unfalls sei «eins zu einer Million» gewesen. Es müsse aber auf «eins zu einer Milliarde oder eins zu einer Billion» gesenkt werden.


US-Justiz nimmt Ermittlungen auf
BP steht unter heftiger Kritik und ist auch Ermittlungen der amerikanischen Justiz ausgesetzt. Hayward zeigte laut dem Fernsehsender CNN auch Reue für einen rhetorischen Fehltritt, den er am vergangenen Sonntag gemacht hatte. Er sagte angesichts des wochenlangen Einsatzes gegen die Ölpest vor laufenden Kameras: «Ich will mein Leben zurück haben». Der BP-Chef entschuldigte sich für diesen Satz vor allem bei den Familien der elf Männer, die bei dem Unfall am 20. April ihr Leben gelassen hatten. BP hat die Bohrplattform von der Transocean Ltd. geleast. (awp/mc/pg/05)

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