Britische Regierung streicht eine halbe Million Jobs

Die Labour-Opposition warf der konservativ-liberalen Regierung eine Haushaltspolitik vor, die von Ideologie gefärbt sei. Die Pläne bedeuteten «ein rücksichtsloses Spiel mit der Existenz vieler Menschen», sagte der finanzpolitische Sprecher von Labour, Alan Johnson. Insgesamt schrumpft der Haushalt in den nächsten vier Jahren um fast ein Fünftel. Mit dem Massnahmenkatalog soll das Haushaltsdefizit von derzeit mehr als zehn Prozent bis 2015 zurückgefahren sein. Die Kürzungen fielen geringer aus, als sie die Vorgänger-Regierung mit 20 Prozent prognostiziert hatte, argumentierte Osborne.


«Weg vom Abgrund»
Das Land müsse «weg vom Abgrund», sagte der Schatzkanzler. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens müssten sparen. Milliarden-Einsparungen wird es etwa beim Kindergeld und bei Sozialleistungen wie Wohngeld geben. Aber auch Königin Elizabeth II. habe zugesagt, auf Zuwendungen zu verzichten und die Ausgaben des Königlichen Haushalts in den Jahren 2012 und 2013 um bis zu 14 Prozent zurückzuschrauben. Die Mehrwertsteuer steigt nächstes Jahr von derzeit 17,5 auf 20 Prozent. Medien, Kultur und Sport gehören zu den grossen Verlierern. Hier werden die administrativen Kosten um 41 Prozent zurückgefahren. Die BBC muss künftig ihren in 33 Sprachen ausgestrahlten World Service ohne staatliche Hilfe selbst tragen. Das staatliche Gesundheitssystem NHS, die Schulbildung und die Entwicklungshilfe blieben dagegen unangetastet.


Rentenalter um ein Jahr erhöht
Der Verteidigungsetat kam vergleichsweise glimpflich davon und muss nur acht Prozent in vier Jahren einsparen. Allerdings ziehen die britischen Truppen 15 Jahre früher komplett aus Deutschland ab. Allein die Armee büsst bei Zivilbediensteten und Soldaten rund 42.000 Stellen ein. Der Grossteil der Stellenstreichungen solle über natürliche Fluktuation geregelt werden, sagte Osborne zu. Es werde aber auch Entlassungen geben müssen. «Wir werden alles tun, um alternative Arbeit für die Betroffenen zu finden.» Andererseits wird das Rentenalter heraufgesetzt. Ab 2020 dürfen Männer und Frauen gleichermassen erst mit 66 Jahren in den Ruhestand, statt bisher mit 65. (awp/mc/ps/19)

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