Britischer Notenbankchef fordert mehr Macht für Zentralbanken

Er kritisierte mit deutlichen Worten seinen Vorredner, Finanzminister Alistair Darling, der lediglich einen «Kulturwandel» bei den Bonuszahlungen forderte.


Keine Handhabe zur Risikoverringerung
Die Finanzkrise habe gezeigt, dass die Aufsichten keine Handhabe hätten, um überzogene Risiken der Banker zu vermeiden. «Warnungen sind wohl kaum effektiv, wenn Leute gebeten werden, ihr Verhalten zu ändern, das ihnen am profitabelsten erscheint», sagte King weiter. «Es ist nicht eindeutig klar, wie die Zentralbank in der Lage sein soll, ihre neue gesetzlich festgelegte Aufsichtspflicht zu erfüllen, wenn wir nicht mehr tun können als Predigten zu halten und Beerdigungen zu organisieren.»


Die derzeitigen Aufsichten hätten keine Möglichkeiten, mit effektiven Massnahmen die zu hohe Risiken zu vermeiden. «Einzelnen die Schuld zuzuschreiben ist kein Ersatz dafür, das Scheitern des Systems einzuräumen», sagte der Zentralbankpräsident.


Darling fordert lediglich Änderungen bei Bonuszahlungen
Finanzminister Darling drohte dagegen vor Kings Rede damit, erst dann weitere Regulierungen in der Branche einzuführen, falls die Banker die Fehler der Finanzkrise vergessen sollten. «Ihr Fokus muss langfristige Vermögensbildung sein, nicht kurzfristiger Profit», sagte der Schatzkanzler. Dementsprechend müssten die Bonuszahlungen geändert werden. «Bankvorstände müssen die richtigen Leute mit richtigen Fähigkeiten und richtigen Erfahrungen haben, um sich selbst effektiver zu verwalten.» Dazu solle die derzeitige «entscheidende Verbindung zwischen heimischen Regulatoren und nationalen Regierungen beibehalten» werden – statt einer EU-Finanzaufsicht.


Die Fehler der Vergangenheit sollen in Zukunft vermieden werden, indem «jede regulierte Bank verpflichtet würde, ihre Aktivitäten in einem vorgelegten Plan geordnet herunterzukurbeln», sagte King. Kleinere Institute seien dafür geeigneter. Es sei nicht sinnvoll, grossen Banken für ihre zu hohen Risiken vorbehaltlos Staatsgarantien zu gewähren. «Wir stehen vor unbequemen Entscheidungen über die Struktur und Regulierung unseres Bankensektors.»


Obama mit umfassendem Programm
US-Präsident Obama will mit der umfassendsten Finanzreform in den USA seit der Weltwirtschaftskrise vor 70 Jahren «Innovation fördern und Missbrauch eindämmen». US-Notenbank und Regierung sollen mehr Macht und Kontrolle erhalten, Finanzprodukte deutlich stärker reguliert und Verbraucher besser vor Risiken geschützt werden, sagte Obama bei der Vorstellung seiner Pläne am Mittwoch in Washington. ( awp/mc/pg/07)

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