Bundesrat wählt Philipp Hildebrand zum neuen Nationalbankpräsidenten

Der 46-jährige Hildebrand galt als designierter Nachfolger von Jean-Pierre Roth, der nach neun Jahren als Präsident in Pension geht. Hildebrand tritt die Nachfolge am 1. Januar 2010 an. Im dreiköpfigen Direktorium der SNB sitzt er seit 2003.


International vernetzt
Mit Hildebrand wählte der Bundesrat einen international erfahrenen, gut vernetzten Bankfachmann an die SNB-Spitze. Der neue Präsident hat enge Bindungen zur amerikanischen Notenbank Fed. 2006/2007 war er Vorsitzender der Stellvertreter der Zehnergruppe (G-10). Hildebrand nimmt ferner Ämter in internationalen Organisationen wie der OECD wahr. Zudem ist er Präsident des International Center for Monetary and Banking Studies (ICMB) in Genf und Mitglied der Group of Thirty. Bevor er zur SNB stiess, machte der promovierte Politologe beruflich Station beim World Economic Forum (WEF), dem amerikanische Vermögensverwalter Moore Capital Management (MCM), der Zürcher Privatbank Vontobel und der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP).


Wissenschaftler im Direktorium
Zum Vizepräsidenten der SNB ernannte der Bundesrat Thomas Jordan. Neues Mitglied im Direktorium wird der 59-jährige Jean-Pierre Danthine. Danthine ist Professor für Makroökonomie und Finanztheorie an der Universität Lausanne und Managing Director des Swiss Finance Institute.


Mehrheitlich positive Reaktionen
Die Reaktionen auf die Rochaden an der Nationalbankspitze fielen mehrheitlich positiv aus: Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) attestiert dem neuen Nationalbankdirektorium grosse Erfahrung. Die SNB sollte in dieser schwierigen Zeit ihren bisherigen Kurs in der Geldpolitik beibehalten, um die Krise zu bewältigen, sagte SBVg-Kommunikationschef Jean-Marc Felix auf Anfrage. Die neue Nationalbankspitze sei zudem ein Garant dafür, dass die Schweiz weiterhin international gut vertreten und vernetzt sei. Auch der Wirtschaftsdachverband economiesuisse strich die Erfahrung des Führungstrios hervor und empfahl, den Kurs der letzten Jahre weiterzuführen.


FDP, CVP und SP zufrieden
Die Bundesratsparteien FDP, CVP und SP werteten die Wahl der Nationalbankspitze als Zeichen für Kontinuität und Stabilität. In Krisenzeiten sei es enorm wichtig, dass die Nationalbank darauf setzen könne, sagte etwa Alexandra Perina, politische Sekretärin der CVP-Fraktion. Für SP-Präsident Christian Levrat ist die Wahl Hildebrands ein logischer Schritt. Er hoffe, dass dieser «die mutige Politik» des scheidenden Präsidenten fortsetzen werde, sagte Levrat. Der aktuelle Kurs der Währungshüter entspreche eher einer SP-Linie als bürgerlicher Politik, sagte Levrat. Anders tönt es bei den Grünen: Mit Hildebrand sei ein Vertreter des alten UBS-Klüngels an die Nationalbankspitze berufen worden, sagte Parteipräsident Ueli Leuenberger. Die SVP nahm zur Wahl nicht Stellung. (awp/mc/pg/14)





Kurzporträts

Philipp Hildebrand (1963) trat nach einer internationalen Hochschulausbildung und einer beruflichen Laufbahn in der Finanzbranche und Vermögensverwaltung im Juli 2003 als Mitglied des Direktoriums in die Schweizerische Nationalbank ein. Auf Anfang Mai 2007 ernannte ihn der Bundesrat zum Vizepräsidenten des Direktoriums. Hildebrand war bis 2007 Vorsitzender der Stellvertreter der Zehnergruppe (G-10). Er ist ein Mitglied der Working Group on Enhancing Market and Institutional Resilience des Financial Stability Forum (FSF) und seit Frühjahr 2009 Vorsitzender der Working Party No. 3 der OECD. Zudem ist er Präsident des International Center for Monetary and Banking Studies (ICMB) in Genf und Mitglied der Group of Thirty.

Thomas Jordan (1963) trat 1997 in die Schweizerische Nationalbank ein. Auf Mitte 2004 ernannte ihn der Bundesrat zum Stellvertretenden Mitglied des Direktoriums und auf Anfang Mai 2007 zum Mitglied des Direktoriums. Er ist Honorarprofessor an der Universität Bern, wo er Geldtheorie und Geldpolitik lehrt. Jordan ist seit November 2008 auch Verwaltungsratsvorsitzender des SNB Stabilisierungsfonds für die Verwertung illiquider UBS-Aktiven.

Jean-Pierre Danthine (1950) verfügt über breite Erfahrung im akademischen Bereich und hat eine Vielzahl von Forschungs- und Lehraufträgen an internationalen Universitäten erfüllt. Er unterrichtete an der Columbia University New York und hatte unter anderem Gastprofessuren am Graduate Center der City University of New York, an der University of Southern California, Los Angeles und an der Universität Laval, Québec inne. Er ist seit dessen Gründung im Jahre 2005 Managing Director des Swiss Finance Institute, das mit dem Ziel der wettbewerbsorientierten Spitzenforschung und Spitzenausbildung im Bereich Banking und Finance eine enge Zusammenarbeit mit den führenden Schweizer Hochschulen pflegt.

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