CH-Schluss: Über Tagestief markant schwächer – Rezessionsängste

In der Schweiz ist der Auftragseingang der Swissmem-Unternehmen aus der Industrie im dritten Quartal um rund einen Fünftel zurück gegangen, Tendenz weiter abnehmend; in Deutschland sank der ZEW-Indikator der Konjunkturerwartungen im November ebenfalls markant und unterbot die Prognosen deutlich. Aus den USA standen für einmal keine Makrodaten an, doch drückten weitere Abgaben zusätzlich auf die Kurse.


Insgesamt sei das Geschehen allerdings weitgehend relativ ruhig gewesen. Es hätte schlicht an Käufern gefehlt, so dass die Kurse weiter abgebröckelt seien, hiess es in Marktkreisen. Ratlosigkeit, Lustlosigkeit und Orientierungslosigkeit würden derzeit den Aktienmarkt prägen. Wie lange die schwache Stimmung noch anhalten werde, sei derzeit schwierig zu beurteilen – aber eher länger als kürzer, meinen viele Marktteilnehmer. «Die langfristigen Aussichten bleiben schlecht», sagte ein Händler. Kurzfristig seien die Augen derzeit vor allem auf das G20-Treffen am Wochenende gerichtet, von dem Vereinbarungen für eine neue Weltfinanzordnung erwartet würden.


Das Blue Chips Barometer SMI gab um 209,83 Punkte bzw. 3,45% auf 5’880,79 Punkte nach (Tagestief 5’830,96). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor 4,30% auf 821,07 Zähler, der breite Markt SPI 3,37% auf 4’844,80.


Stark unter Druck waren angesichts der Rezessionsängste die Titel der Luxusgüter-Hersteller, die die Finanzwerte zum Schluss am Tabellenende im SMI/SLI ablösten: Swatch -11,1% auf 148,40 CHF und Richemont -9,7% auf 21,14 CHF.


Es folgten konjunktursensitive Valoren wie Petroplus (-9,7% auf 27,80 CHF), OC Oerlikon (-8,9% auf 102,00 CHF), SGS (-8,8% auf 1’050 CHF) oder ABB (-8,5%) auf 13,48 CHF. ABB und Holcim (-6,7% auf 57,45 CHF) hatten am Vortag im Zuge des chinesischen Konjunkturförderungsprogrammes noch massiv zulegen können. Der Zementkonzern wird zudem am (morgigen) Mittwoch über sein drittes Quartal berichten.


In den Finanzwerten drückten zudem die anhaltenden Unsicherheiten um den Versicherer AIG und den Hypothekenfinanzierer FannieMae in den USA auf die Notierungen. UBS büssten 8,4% ein auf 16,00 CHF, CS 7,9% auf 35,10 CHF und Julius Bär 4,9% auf 41,84 CHF. In Julius Bär dürfte neben der allgemein schwachen Stimmung das heute veröffentlichte Interim Statement etwas belasten haben. Im Gefolge gaben auch EFG (-11,6) nach. Bei der UBS fragt man sich, was für ein Zeichen der neue Verwaltungsrat Rainer-Marc Frey mit seinem Verkauf von einer Mio UBS-Aktien geben will.


Unter den Versicherungsvaloren fielen Swiss Life mit einem Minus von 8,2% auf 109 CHF auf. Der grösste Schweizer Lebensversicherer wird am (morgigen) Mittwoch via Interim Statement – zumindest verbal – über die Entwicklung in den letzten Monaten berichten. Die anderen Versicherer büssten ebenfalls stark an Wert ein, so etwa Bâloise (-7,0% auf 56,90 CHF), Swiss Re (-5,4% auf 47,38 CHF) oder ZFS (-4,3% auf 229 CHF).


Besser kamen defensive Werte weg, die trotz Verlusten eine kleine Stütze für den Gesamtmarkt sind: Novartis (-0,9% auf 58,05 CHF), Roche (-1,4% auf 167,70 CHF) und Nestlé (-2,3% auf 46,00 CHF). Novartis hat nachbörslich über weitere gute Studienergebnisse für den Blutdrucksenker Rasilez/Tekturna berichtet.


Swisscom verloren 5,7% auf 332,00 CHF. Der grösste Schweizer Telekomkonzern hat entschieden, die von der ComCom festgelegten Preise für die Entbündelung der letzten Meile nicht an die nächste Instanz weiterzuziehen. Bei einer Anfechtung wäre unsicher gewesen, welches Resultat dabei herausgekommen wäre, und es hätten sich Probleme für die Preisfestsetzung für 2009 ergeben, sagte CEO Carsten Schloter in einem Interview in der «Berner Zeitung».


Neben den grossen Werten dominierten heute eine Vielzahl von SPI-Titeln die Nachrichtenlandschaft: So legten Sonova (+4,5%), Kuoni (-1,7%), Tornos (-0,8%), Burckhardt (+7,0%), Huber+Suhner (-7,9%), SHL Telemedicine (-3,0%) oder die Banque Cantonale Vaudoise (+5,7%) Zahlen vor. Grössere Verluste ohne News gab es bei Vaudoise Assurance (-16,5%), 4M (-15,4%) oder Bobst (-11,2%).


Gewinner waren unter anderen Tec-Sem (+13,2), BC Jura (+10,5%) oder Golay Buchel (+6,6%). (awp/mc/pg/33)

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