CH-Verlauf: Weiter klar im Plus – Warten aus US-Zahlen

«Nach dem Abschlag von rund 500 Punkten an den vergangenen beiden Handeltagen war der Markt reif für eine Erholung», so ein Händler. Der jüngste Kursrückgang sei überzogen gewesen, denn die Cash-Quoten der Anleger seien hoch und die Geldmärkte entspannten sich. Es dürfte sich vor allem um Short-Eindeckungen vor dem Wochenende handeln, hiess es im Handel zudem, vor allem viele Hedge-Funds seien in jüngster Zeit als Verkäufer aufgetreten und müssten nun zum Teil Positionen decken.


Ob der heutige Höhenflug über den ganzen Tag anhalten wird, muss sich noch weisen. Um 14.30 Uhr steht jedenfalls der viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht auf der Agenda. Er wird mit Bestimmtheit ein trübes Bild der US-Wirtschaft zeigen; sollte allerdings eine extreme Verschlechterung eingetreten sein, könnten die Märkte durchaus wieder von ihren Höchstständen zurückkommen, meinen Marktbeobachter.


Das Blue Chips Barometer SMI gewinnt bis kurz vor 12 Uhr 136,46 Punkte bzw. 2,30% auf den Stand von 6’061,36 Punkten und notiert damit nahe dem bisherigen Tageshoch von 6’068. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) avanciert derweil 1,89% auf 851,74 Punkte, der breite Markt (SPI) um 2,22% auf 4’989,64 Zähler.


Kursbewegende fundamentale News gibt es heute nur wenige. Nach wie vor zu den grössten Gewinnern gehören um die Mittagszeit die Versicherer Swiss Life (+7,3% auf 121,50 CHF) und Swiss Re (+3,4% auf 48,50 CHF), die gestern bös unter die Räder gekommen waren und beide über 10% verloren hatten. Der Swiss-Re-Konkurrent Münchner Rück hat zwar nach einer erneuten Milliardenabschreibung auf Aktien im dritten Quartal sein Gewinnziel für das laufende Jahr gekippt, was sich aber auf die Rückversicherer heute nicht negativ auswirkt.


Für einen Grossteil der Index-Gewinne sind die schwergewichtigen, defensiven Pharmatitel verantwortlich. Novartis legen zur Mittagszeit 4,6% auf 58,65 CHF, Roche GS 3,3% auf 170,70 CHF zu. Fundamentale News für Novartis gibt es nicht, Rochen könnte von heute veröffentlichten positiven Studiendaten für das Medikament Tarceva etwas profitieren. Die ebenfalls defensiven Nestlé avancieren mit +2,4% auf 46,94 CHF dagegen nur durchschnittlich.


Ansonsten sind unter den SMI/SLI-Titel vor allem OC Oerlikon (+6,6% auf 109,70 CHF) an der Spitze zu finden. Firmennews gibts dazu ebenfalls keine. Der Titel werde aber jeweils stark von derivativer Seite getrieben, so dass die Ausschläge auf beide Seiten oft sehr gross seien. SGS (+4,6% auf 1’134 CHF) dürfte von einer positiven Firmeneinschätzung der ZKB unterstützt werden. «Das Geschäftsmodell beweist Qualität» ist die Konklusion der Studie.


Holcim sind nach anfänglichen Gewinnen an den Schluss der Tabelle zurückgefallen und verlieren 2,8% auf 56,75 CHF. Die am Morgen vorgelegten Zahlen des Konkurrenten Lafarge wurden im Handel als einigermassen gut eingestuft, gewisse Analysten hoben gar das Rating an. Allerdings fiel Lafarge ebenfalls nach Anfangsgewinnen zurück und dürfte Holcim mitgerissen haben. Eine Kurszielsenkung von Morgan Stanley für Holcim auf 88 (von 99) CHF dürfte dagegen kaum Einfluss haben, da auch das neue Ziel noch weit entfernt von den heutigen Kursen liegt.


Am Schluss der Tabelle stehen neben Holcim die Banken UBS (-1,7% auf 17,70 CHF), Julius Bär (-0,3% auf 42,88 CHF) und Credit Suisse (-0,3% auf 37,60 CHF). Nobel Biocare lagen zu Beginn am Schluss, haben sich nun aber etwas erholt und legen 1,4% auf 20,78 CHF zu. Der Titel sei immer wieder von Gerüchten getrieben und daher oft sehr volatil, heisst es dazu in Börsenkreisen.


Im breiten Markt stehen Interroll und u-blox mit grossen Avancen von 21,8% bzw. 11,1% an der Spitze, ohne dazugehörende News allerdings. Drittbester Wert ist Santhera mit +10,4%. Grund hier dürften der gestrige bekannt gewordene Einstieg der Familie Bertarelli und vielversprechende Produktenews im Bereich Muskelschwund bei Krebspatienten sein. Barry Callebaut gewinnen heute schon wieder 8,2%, der Schokoladeprodzuent hatte gestern Zahlen vorgelegt und danach bereits knapp 7% an Unternehmenswert dazu gewonnen. Grössere Verluste gibt es u.a. für USI (-22,0%), COS (-14,5%) oder Spirt Avert (-12,5%). (awp/mc/gh/24)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.