Christian Hunziker, Geschäftsführer swissICT, im Video-Interview

Christian Hunziker, Geschäftsführer swissICT, im Video-Interview
Christian Hunziker, Geschäftsführer swissICT (Bild: Moneycab)

Von Helmuth Fuchs

Im Interview nimmt Christian Hunziker, Geschäftsführer swissICT, zu folgenden Fragen Stellung:

  • Dieses Jahr wird der Digital Economy Award nach einem Jahr Pause wieder durchgeführt. Weshalb sind Sie überzeugt, dass es den Award braucht? (Im Video bei 00:13)

„swissICT ist ein Fachverband. Das heisst, wir verbinden Arbeitgeber mit Arbeitnehmern und Branchenvertreter – also Anbieter – mit Anwendern aus anderen Branchen. Unsere Aufgabe ist es, diese Vernetzung hinzukriegen und damit die Schweizer Wirtschaft weiter zu stärken. Beim Award können wir das genau ausführen. Und deshalb sagen wir fünf Mal Ja zum Digital Economy Award.“

  • Was meinen Sie mit “fünf Mal Ja”? (Im Video bei 00:44)

„Erster Punkt: Wenn es um überlebenswichtige Kompetenzen geht, wie digitale Kompetenzen, ist es wichtig, dass wir Leuchttürme hervorheben, seien es Firmen, Persönlichkeiten oder neue Produkte.“

„Zweiter Punkt: Es ist eine Standortbestimmung für die Firmen, die eine Kandidatur eingeben.“

„Als dritten Punkt haben wir die Visibilität von Finalisten und Siegern, die auch langfristig wirkt.“

„Vierter Punkt: Die Radarfunktion, mit der wir Trends identifizieren.“

„Letzter und fast wichtigster Punkt: Das Networking am Abend. Wir hatten letztes Mal über 900 Teilnehmer von über 300 Firmen. Leute haben sich ausgetauscht und nachher sogar gemeinsame Firmen gegründet. Leute, die sich sonst nie getroffen hätten.“

  • Nach der Einreichefrist für 2023, wie sieht es aus für 2024? (Im Video bei 03:47)

„Ja, die Einreichefrist ist abgelaufen, aber die grossen Momente kommen eigentlich erst jetzt: Die Jurytage am 7. und 8. September mit Live-Streaming, wir werden die Finalisten am 15. September kommunizieren im Rahmen des Digital Festivals und dann die ganz grosse Veranstaltung am 16. November im Zürcher Hallenstadion.“

„Und Ja, 2024 ist ebenfalls wieder in Planung. Unsere drei Hauptpartner, der Kanton Zürich, Primeo Energie und Zoom Video Communications haben uns langfristige Partnerschaften zugesagt. Auch weitere Partner haben bereits schon ein mehrjähriges Interesse gezeigt.“

„Sie alle haben verstanden: Wir werden auch 2024 und noch einige Jahre den Fachkräftemangel haben und das Thema der digitalen Kompetenzen wird für Firmen noch für viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, eine zentrale Kompetenz sein.“

  • Die Schweiz, die sich sonst immer gerne an der Spitze der Entwicklung sieht, scheint sich bei der Digitalisierung schwer zu tun. Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand, wo bietet swissICT Unterstützung? (Im Video bei 05:35)

„Eigentlich steht die Schweiz gar nicht so schlecht da. Wenn man das IMD Competitive Ranking anschaut, steht die Schweiz an fünfter Stelle und darauf können wir auch ein bisschen Stolz sein. Wir dürfen uns aber auch nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Es braucht die kompetenten Fachkräfte, es braucht die digitalen Kompetenzen bei den Firmen generell und in der Verwaltung, um voranzukommen.“

„Der Digital Economy Award hilft genau in diesem Kontext. Genau deshalb haben wir beim Award sechs verschiedene Kategorien. Die ersten drei drehen sich um das Thema Stärkung der digitalen Kompetenz von Firmen. Zum Aspekt der Fachkräfte, dem zweiten wichtigen Thema, haben wir ebenfalls drei Awards.“

  • Mit der swissICT Salärstudie haben sie für die IT-Szene einen aussagekräftigen Rahmen für Lohnverhandlungen geschaffen. Wie relevant ist ein solcher Rahmen in einer Hochlohnsparte wie der IT? (Im Video bei 07:55)

„Was wir mit der Salärstudie bewirken können ist, dass wir eine Vergleichbarkeit schaffen und auch interessante Marktentwicklungen identifizieren. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass in den letzten Jahren der Fachkräftemangel gar keine Auswirkung hatte in dem Sinne, dass der Median sich nicht verändert hat. Wir haben aber sowohl festgestellt, dass Personen, die qualifiziert waren, eine Lohnsteigerung bekommen. Aber es gab auch viele zusätzliche Nennungen im tieferen Lohnsegment in den entsprechenden Berufen, welche auf Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen mit entsprechenden Ausbildungsvereinbarungen hinweisen.“

  • Gerade KMU tun sich schwer, im Wettbewerb um die besten Talente gegen die Saläre der Tech-Giganten oder das Image von Startups ICT-Fachkräfte an sich zu binden. Wie können KMU die für die Zukunft nötigen Kompetenzen erlangen und behalten? (Im Video bei 09:10)

„Es kommt eine neue Generation in die Arbeitswelt hinein – die Generation Z – und da hört man ja häufig, dass für diese Leute der Lohn nicht so relevant ist wie die Bedeutung der Arbeit und die Anstellungsbedingungen. Wir haben das aufgenommen und haben ganz bewusst die Salärstudie mit einem weiteren Frageset ausgeweitet.“

„Das ist genau da, wo sich KMU unterscheiden können. Es geht nicht immer nur um den Lohn. Es geht auch darum «was für ein Arbeitsumfeld finde ich vor».“

„Wir brauchen die Lernenden der Zukunft und zwei Drittel der IT-Lehrstellen sind bei KMU, also müssen wir die KMU unterstützen. Zum Beispiel auch mit einer spezifische Kategorie beim Digital Economy Award“

  • Im Themenkreis Klima-, Umwelt- und Energie gibt es zwar inzwischen zahlreiche Startups, die traditionellen ICT-Unternehmen nimmt man in der Debatte kaum wahr, obschon sie sowohl betroffen sowie als Plattformanbieter auch entscheidend für den Erfolg in zahlreichen Bereichen sind. Wie geht swissICT diese Themen an? (Im Video bei 11:53)

„Ich habe Gespräche geführt mit verschiedenen Firmen, gerade mit klassischen Infrastruktur-Anbietern. Die haben verschiedene Programme gemacht, um die Abwärme zu nutzen, um den digitalen Footprint zu verkleinern. Und es gibt auch Firmen, die Angebote haben in diesem Umfeld, um das zu optimieren.“

„Das Thema ist uns so wichtig, dass wir die digitale Nachhaltigkeit bei uns auch in die Award-Kategorien integriert haben.“

  • Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen die aus? (Im Video bei 01:13)

„Der erste Wunsch ist, dass wir genügend IT-Fachkräfte haben in der Schweiz. Das fängt damit an, dass wir Eltern und Lehrkräfte davon überzeugen, dass der IT-Beruf nicht etwas nur für Nerds ist.“

„Als nächsten Schritt brauchen wir genügend Lehrstellen für Lernende. Wir haben mehr Interessierte, als wir momentan Lehrstellen haben.“

„Schliesslich brauchen wir noch die Unterstützung der Politiker und Politikerinnen. Die ICT-Berufsbildung hat heute ein Problem, dass sie immer noch als eine Branchenausbildung angesehen wird. Aber zwei Drittel der IT-Fachkräfte sind gar nicht in der IT-Branche, sondern in allen anderen Branchen. Momentan gibt es kein Regulatorium, um hier eine Förderung vom Staat zu bekommen. Das müssen wir irgendwie in den Griff bekommen.“

„Kurzfristig müssen wir schauen, dass wir die Kompetenzen, die teilweise aus dem Ausland kommen, schneller zugreifbar haben. Vor allem müsste man Leuten, die auf der Flucht sind und die IT-Kompetenzen haben, die Möglichkeit geben, möglichst schnell in der Schweiz auch in das Berufsleben einzutreten.“

Wenn mein erster Wunsch in Erfüllung geht, habe ich keinen zweiten Wunsch mehr. Denn dann haben wir die Fachkräfte, um die digitale Kompetenz der Schweiz hochzuhalten, damit die Schweizer Wirtschaft internationale Massstäbe setzen kann. Das ist das Ziel von swissICT.


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