Christophe Touton, General Manager Xerox Switzerland

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Touton, Xerox musste weltweit im vierten Quartal einen Gewinneinbruch auf 1 Million USD und einen Umsatzrückgang von 4.88 auf 4.37 Milliarden USD hinnehmen. Wie hat sich die Situation für Xerox in der Schweiz präsentiert?


Christophe Touton: Über das ganze Jahr gesehen konnte Xerox 2008 unsatzmässig um drei Prozent zulegen. Xerox weist keine länderspezifischen Zahlen aus, aber im Vergleich haben wir gut abgeschnitten. 2008 war für Xerox Schweiz ? gerade auch im Vergleich mit anderen Märkten ? ein gutes Jahr. Wir konnten einige erfreuliche Erfolge verbuchen.



«Die Schweiz ist ein Early Adopter-Markt, der Innovationen früh aufnimmt. Ausserdem ist die Schweiz das Paradebeispiel für ein klassisches KMU-Land.» Christophe Touton, General Manager Xerox Switzerland


Sie sind seit 2001 als General Manager und Verwaltungsratspräsident für das Schweizer Geschäft verantwortlich und mussten gleich zu Beginn einen Turnaround bewerkstelligen. Wie weit lässt sich die heutige Situation mit derjenigen von 2001 vergleichen und was unternehmen Sie, um die Position von Xerox im Markt zu halten oder zu stärken?


Xerox ist heute ? auch dank dem Wissen, das wir damals sammeln konnten – global sowohl strukturell als auch finanziell sehr gut aufgestellt und in der Lage, aus einer Position der Stärke agieren zu können. Im Jahr 2001 hingegen ging es in erster Linie darum, die Mitarbeiter zu halten, den Partnern Sicherheit zu geben und auf allen Ebenen wieder Vertrauen zu schaffen. Heute haben wir, vor allem auch dank der kontinuierlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung, ein im Markt herausragendes Dienstleistungs- und Lösungsangebot, das unseren Kunden gerade in der momentan schwierigen Wirtschaftslage hilft, Prozesse effizienter zu machen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und Kosten einzusparen.


Daneben hat sich natürlich das Unternehmen selbst seither gewaltig verändert; Xerox hat sich vom Gerätehersteller zum Berater und Business Partner mit einem umfassenden Servicegeschäft entwickelt.


Sie haben Ihre Karriere bei Xerox in Genf begonnen und waren in Zentral- und Osteuropa unter anderem für das Printing-Geschäft zuständig und als General Manager tätig. Was sind die Eigenheiten des Schweizer Marktes, wo gibt es noch Entwicklungspotenzial?


Die Schweiz ist ein Early Adopter-Markt, der Innovationen früh aufnimmt. Ausserdem ist die Schweiz das Paradebeispiel für ein klassisches KMU-Land. Darum sind Themen wie besseres Flottenmanagement, weniger und umweltschonendere Verbrauchsmaterialien oder ausgelagertes Dokumentenmanagement besonders in der aktuellen Krise für viele Kunden ein sehr interessanter Ansatz. Als Herausforderung für Xerox im Schweizer Markt sehe ich in erster Linie die Aufgabe, unsere gute Performance weiter auszubauen. Dabei kann Xerox auf die hohe Qualität seiner Mitarbeiter setzen, die in den vergangenen Jahren entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Schweiz für Xerox zu einem Pioniermarkt geworden ist.



«Eine anstehende Revolution bei der Tonertechnologie ist die «Cured Gel Ink». Diese Tinte ist wie Wachs. Dadurch lässt sie sich auf besonders vielen Materialien drucken, ohne dass die Tinte verwischt. Nach Abschluss des Drucks wird sie unter ultraviolettem Licht ausgehärtet. Die Qualität, die wir jetzt schon beim Prototypen sehen, ist erstaunlich. Der Digitaldruck rückt von der Qualität her immer näher an den Offsetdruck heran.»


Bei den Vertriebskanälen haben Sie eigene Account Manager für die Grosskunden, eigene Verkäufer im Office-, Printing- und Servicebereich und ein Partnernetzwerk, das im Officebereich für rund 80 Prozent des Geschäftes verantwortlich ist. Wie ist der Vertriebsmix in den verschiedenen Bereichen im laufenden Jahr gestaltet und wie verhindern Sie Reibereien und Doppel-Kommissionierungen in diesem Modell?


Wir haben auch in diesem Jahr ein Team von Account Managern, die für die Betreuung unserer Grosskunden zuständig sind. Hinzu kommen 50 Direktverkäufer für Office, Printing, Colour und Services sowie ein grosses Partnernetzwerk. Mit dieser Aufteilung sind wir stets gut gefahren, und die ersten beiden Monate im Jahr 2009 haben gezeigt, dass wir damit weiterhin auf dem richtigen Weg sind. Wir werden mit Sicherheit ein gutes erstes Quartal 2009 haben, und auch das zweite Quartal sieht viel versprechend aus.


Xerox hat mit seiner Technologie (Kopierer, Drucker, zuerst als The Haloid Company, ab 1961 als Xerox) vor allem die Geschäftswelt nachhaltig revolutioniert und geprägt. So erfand Chester Carlson 1938 die Xerografie. Wo sind heute die wichtigsten Entwicklungen, welche Xerox massgeblich mitgestaltet oder neu definiert?


Xerox hat auch heute massgeblich darauf Einfluss, wie die Arbeitswelt gestaltet wird und wie sie in Zukunft aussieht. Ein gerade sehr aktuelles Beispiel ist die an der drupa vorgestellte anstehende Revolution bei der Tonertechnologie, die «Cured Gel Ink». Diese Tinte ist wie Wachs. Dadurch lässt sie sich auf besonders vielen Materialien drucken, ohne dass die Tinte verwischt. Nach Abschluss des Drucks wird sie unter ultraviolettem Licht ausgehärtet. Die Qualität, die wir jetzt schon beim Prototypen sehen, ist erstaunlich. Der Digitaldruck rückt von der Qualität her immer näher an den Offsetdruck heran; beides zusammen ergänzt sich zusehends besser.



«In den vergangenen drei Jahren hat Xerox über 100 neue Produkte lanciert. Allein in den zurückliegenden fünf Jahren haben wir jährlich ca. 800 Patente registriert; seit unserer Gründung sind es 50’000.»


Ein anderes wichtiges Thema ist der Bereich Information Overflow, unter dem heutige Information Worker leiden. Xerox hat sich vergangenes Jahr mit anderen Herstellern wie etwa IBM, Microsoft oder Intel zur «Information Overload Research Group» (IORG) zusammengeschlossen, in der wir mithelfen, Lösungen zur Eindämmung der Informationsflut zu finden. Hier werden wir schon bald innovative Ansätze zeigen können.


In finanziell schwierigen Zeiten geraten die Budgets aller Bereiche unter Druck. Wie viel wird Xerox im laufenden Jahr in die Forschung und Entwicklung investieren und wie wird der Erfolg dieser Abteilung gemessen?


R&D könnte nicht wichtiger sein: Selbst als es um Xerox 2000/2001 finanziell nicht gut bestellt war, haben wir immer in R&D investiert, was uns wahrscheinlich das Überleben gesichert hat ? darauf bauen wir auch heute noch auf. Wir wissen also um die Relevanz von Forschung und Entwicklung und investieren weiter; unser Forschungszentrum in Grenoble zum Beispiel ist und bleibt sehr aktiv. In den vergangenen drei Jahren hat Xerox über 100 neue Produkte lanciert. Allein in den zurückliegenden fünf Jahren haben wir jährlich ca. 800 Patente registriert; seit unserer Gründung sind es 50’000. Der Erfolg der Abteilung wird immer am unmittelbaren Kundennutzen gemessen.


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Im Technologiebereich überlegen sich Firmen bei Kostendruck vermehrt Outsourcing-Modelle. Wie sieht die Entwicklung hier in der Schweiz im Bereich Outsourcing des Printings und Dokumenten-Managements aus und welche Position nimmt hier Xerox ein?


Gerade im Dokumentenbereich liegen noch erhebliche Kostenoptimierungspotenziale, die wir für unsere Kunden heben können. Laut dem unabhängigen Marktforschungsunternehmen IDC entsprechen die Dokumentenkosten 5-15% des Umsatzes eines Unternehmens. Durch die Auslagerung von dokumenten-basierten Prozessen erzielen wir für unsere Kunden eine höhere Kosteneffizienz in den Prozessen, verkürzte Reaktionszeiten in der Kundenkommunikation und Produktentwicklungszyklen sowie Mehrwert durch Qualität, Technologie und hochqualitative Mitarbeiter.


Daher ist unser Outsourcing-Angebot gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation für unsere Kunden extrem interessant. Unsere Kunden lagern die gesamte Druckinfrastruktur an uns aus oder übergeben uns ganze Geschäftsprozesse. Hier decken wir den gesamten Document Life Cycle und alle Medien ab: vom Drucken, Scannen, Archivieren über Rechnungs- und Transaktionsdruck bis hin zu Kundenprozessen oder dem gesamten Dokumentenmanagement im Marketing. Insgesamt haben wir bei Xerox Schweiz rund 150 Mitarbeiter, die im Outsourcing-Bereich tätig sind.



«Solid Ink ist die führende Technologie im high quality color Desktop-Printer-Markt. In unseren Märkten hat sich diese Technologie längst durchgesetzt und künftig werden wir diese Technologie in unserem Officeportfolio vermehrt einsetzen.»


Im Zuge des steigenden Umweltbewusstseins wird vermehrt versucht, das Drucken auf Papier zu reduzieren. Zudem nimmt die elektronische Kommunikation zu. Wie wirken sich diese Trends auf das Geschäft von Xerox aus, welche Alternativen erschliessen sich zum herkömmlichen Printing?


Einerseits sind wir in unserem Kernmarkt, dem Produktionsdruck, in der Schweiz unangefochtener Marktführer mit einer absolut stabilen finanziellen Basis. Andererseits ist Xerox einer der Pioniere der Digitalisierung von Informationen und Dokumenten.


Wir werden uns vor allem darauf konzentrieren, ein echter Businesspartner für unsere Kunden zu sein, der ihnen helfen kann, die Kosten zu senken, die Effizienz zu steigern und die Produktivität zu verbessern. Dieses Beratungsgeschäft wird für uns immer wichtiger, und wir achten auch bei der Rekrutierung der «Salesforce» sehr darauf, Berater einzustellen, die sowohl etwas von IT und Marketing als auch vom Druckgeschäft verstehen. Xerox ist nicht nur ein Printing-Unternehmen. Wir sind Business Consultants. Unser Ziel sind langfristige Partnerschaften ? nicht Umsatz um jeden Preis. Ausserdem sind wir bei Xerox seit über 30 Jahren an vorderster Front dabei, wenn es um nachhaltige Lösungen und Produkte geht, zum Beispiel wiederbeschreibbares Papier.


Schon 1991 hat Xerox die Festtinte als Alternative zu den herkömmlichen Tonern eingeführt. Die Festtinten-Sticks auf Granulatbasis sind gemäss Angaben von Xerox günstiger, umweltfreundlicher und einfacher zu handhaben. Weshalb hat sich diese Technologie noch nicht breiter am Markt durchgesetzt?


Solid Ink ist die führende Technologie im high quality color Desktop-Printer-Markt. In unseren Märkten hat sich diese Technologie längst durchgesetzt und künftig werden wir diese Technologie in unserem Officeportfolio vermehrt einsetzen.


Welche Zielsetzungen haben Sie für das laufende Jahr und wie ist der Start verlaufen?


Wie bereits erwähnt, werden wir mit Sicherheit ein gutes erstes Quartal 2009 haben, und auch das zweite Quartal sieht viel versprechend aus. Es scheint tatsächlich so, dass die Schweiz ? zumindest aus unserer Warte ? von der Krise etwas weniger stark betroffen ist als andere Länder. Gesamtwirtschaftlich betrachtet wird 2009 hingegen bestimmt ein Jahr sein, das von Vorsicht und Zurückhaltung auf Kundenseite geprägt sein wird.


Zu unseren vorrangigen Business-Zielen zählen die Erweiterung des Channel-Netzwerks, der Ausbau unserer führenden Position im Bereich Color, die Erweiterung unseres Serviceportfolios sowie die erfolgreiche Einführung neuer Produkte, wobei wir dabei besonderen Wert auf Qualität, Kundenzufriedenheit und Umweltverträglichkeit legen.


Zum Schluss des Interviews haben Sie noch zwei Wünsche frei, wie sehen diese aus?


Grundsätzlich ist es mir ein grosses Anliegen, dass die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik trotz des derzeit etwas schwierigen Umfelds nach wie vor den Mut haben, auf sozial- und umweltverträgliche Entwicklungen zu setzen und diese gezielt zu fördern. Ausserdem wünsche ich mir privat als Familienmensch, dass sich meine fünf Kinder in Freiheit und mit den guten Werten entwickeln, die meine Frau und ich ihnen zu vermitteln versuchen.





Der Gesprächspartner:
Christophe Touton, 1961 geboren in Bordeaux, Doppelbürger von Frankreich und der Schweiz, ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und fünf Kindern im Kanton Zürich. Der studierte Wirtschaftsjurist (Masters in Law) mit MBA in Unternehmensführung der Universität Bordeaux trat 1987 in die damalige Rank Xerox Schweiz ein und war für die deutsche und die französische Schweiz im Verkauf, Marketing und im Management tätig. 1997 wurde er General Manager Central & Eastern Europe und ist seit 2001 General Manager von Xerox AG Schweiz und deren Verwaltungsratspräsident.


Das Unternehmen:
Xerox hat jahrzehntelange Erfahrung mit Druckprozessen. Seit Erfindung der Xerografie im Jahre 1938 spielt der Druckpionier eine führende Rolle, insbesondere auf dem Gebiet der Reprotechnik. Kein anderes Unternehmen der Branche weist vom kompaktesten Bürodrucker zum grössten Farbproduktionssystem ein breiteres Produktspektrum auf. Mit digitaler Technologie in Druckern, Kopierern und Multifunktionsgeräten in Farbe und Schwarzweiss, und digitalen Drucksystemen berücksichtigt Xerox alle Bedarfsgruppen.


Die Xerox Corporation unterhält Forschungs- und Technologiezentren in den Vereinigten Staaten, Kanada und Frankreich. Diese Zentren forschen in den Bereichen Farbwissenschaft, Computer, Systeme, neue Werkstoffe sowie in anderen Disziplinen, die mit der Erfahrung von Xerox im Druck und Dokumentmanagement in Verbindung stehen. In der Xerox Innovationsgruppe forschen und entwickeln über 1?000 Personen in den Bereichen Kennzeichnungssysteme, Materialien, Digital Imaging und Lösungen und Dienste.
 

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