Chrysler muss in die Insolvenz – Allianz mit Fiat

Das Insolvenzverfahren solle zwischen 30 und 60 Tagen dauern, sagte ein Regierungsbeamter. Obama griff scharf die Hedgefonds und «eine kleine Gruppe von Investoren» an, die eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert hätten. Sie hatten einen weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt. In dem Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts solle Chrysler nun Ballast abwerfen. Gläubiger oder auch Händler könnten dem Weissen Haus allerdings noch einen Strich durch die Rechnung ziehen und ein schnelles Insolvenzverfahren mit ihren Ansprüchen blockieren.


Beispiellose Zäsur
Eine Insolvenz des Kleinsten unter den «Grossen Drei» der US- Autobranche ist eine beispiellose Zäsur. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Der Schritt sei «kein Zeichen von Schwäche». Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge sei von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer GMAC werde Kredite für Chrysler-Käufer geben. Man plane weitere Massnahmen wie eine Art Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von US-Fahrzeugen für Behördenflotten. Die Chrysler-Insolvenz war bereits seit Tagen erwartet worden. Bei einem Verfahren nach Kapitel elf, bei dem das Unternehmen sich unter dem sogenannten Gläubigerschutz sanieren kann, müssen die Geldgeber vorerst ihre Forderungen auf Eis legen.


Ultimatum des Weissen Hauses
Chrysler hatte bereits die vergangenen Monate nur dank Milliardenkrediten aus Washington überlebt und wollte weitere Hilfen haben. Das Weisse Haus stellte jedoch als Bedingung für weitere sechs Milliarden Dollar ein Ultimatum: Bis Ende April musste ein Partner gefunden werden und die Gläubiger zu einem Teilverzicht auf ihre Forderungen bewegt. Chrysler schuldet mehr als 40 Banken und Hedgefonds rund 6,9 Milliarden Dollar. Die Regierung wollte die Verbindlichkeiten laut US-Medien zuletzt auf maximal 2,25 Milliarden Dollar drücken. Berichten zufolge scheiterten die Gespräche an der harten Haltung der Hedgefonds unter den Gläubigern, die 2,5 Milliarden Dollar gefordert hätten.


Konzerne fürchten Käufer-Zurückhaltung
Neben der Gefahr, dass beteiligte Parteien das Insolvenzverfahren in die Länge ziehen, hatte sich die US-Autobranche auch aus einem anderen Grund stets dagegen gesträubt. Die Konzerne befürchten, dass die Menschen bei insolventen Autoherstellern angesichts der unsicheren Zukunft keine Autos kaufen. Eine Insolvenz bedeute gleich das Ende, hatte zum Beispiel der frühere Chef des grossen Chrysler- Konkurrenten General Motors (GM) , Rick Wagoner, mehrfach gewarnt. Mit solchen Alarmtönen hatten GM und Chrysler seit vergangenem Herbst bereits Milliardenhilfen aus Washington herausgepresst.


Chrysler-Chef optimistisch für Insolvenzverfahren
Der Chef des notleidenden US-Autobauers Chrysler, Robert Nardelli, sieht gute Chancen für eine schnelle Rettung des Unternehmens durch das beantragte Insolvenzverfahren. «Ich bin sehr optimistisch, dass wir da rasch und effizient durchkommen», sagte Nardelli am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. «Wir haben einen klaren Weg vor uns.» Chrysler will das Verfahren zusammen mit der US-Regierung ungewöhnlich schnell in 30 bis 60 Tagen über die Bühne bringen. Nardelli liess offen, ob es später für das neue Unternehmen auch einen anderen Namen geben soll. Vorerst bleibe es bei Chrysler, sagte er.


Chrysler-Führungsduo tritt ab
Nardelli hatte zuvor seinen Rücktritt nach dem Ende des Insolvenzverfahrens angekündigt. «Ich bin enttäuscht, dass wir Insolvenz anmelden mussten», räumte der 60-Jährige ein. «Aber es ist für Chrysler der einzige Weg, um zu überleben.» Nardelli will nach dem Abschluss der Insolvenz von Bord gehen – nach eigenen Angaben ohne Abfindung. Nach Unternehmenschef Robert Nardelli kündigte am Donnerstag auch Vize Tom LaSorda seinen Rücktritt an. Der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, sagte er in einer Telefonkonferenz.


Chrysler stoppt Produktion in Insolvenz weitgehend
Während seines beantragten Insolvenzverfahrens wird Chrysler die Produktion weitgehend einstellen. Bereits von diesem Montag an sollen in den meisten Werken die Bänder stillstehen, kündigte das Unternehmen an. Die Fertigung solle erst dann wieder normal anlaufen, wenn die Insolvenz zur Rettung abgeschlossen sei. (awp/mc/pg/30)

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