Deutsche Telekom plant Joint Venture mit Orange in Grossbritannien

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen wollen die beiden einen neuen britischen Mobilfunk-Marktführer mit 28,4 Millionen Kunden und 37 Prozent Marktanteil (Stand Ende 2008) schaffen. Der Vertrag soll Ende Oktober abgeschlossen werden. Deutsche Telekom und France Telekom wollen jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture halten. Vorbörslich reagierte die Aktie der Deutschen Telekom leicht positiv und lag gegenüber dem Schlusskurs vom Vorabend 0,53 Prozent im Plus bei 9,5 Euro.


Ende monatelanger Spekulationen
«Wir haben mit diesem Gemeinschaftsunternehmen die beste unternehmerische Entscheidung für die Deutsche Telekom und ihre Aktionäre getroffen», sagte Telekom-Finanzchef Tim Höttges. Monatelang war über einen Verkauf der angeschlagenen britischen Telekomtochter spekuliert worden, auf die die Bonner im ersten Quartal 1,8 Milliarden Euro abschreiben mussten.


Grosses Synergie-Potenzial
Aus der Integration beider Unternehmen würden Synergien von mehr als 4,0 Milliarden Euro (3,5 Milliarden Pfund) erwartet, hiess es weiter. Die operativen Kosten beider Mobilfunker sollen ab 2014 um jährlich mehr als 445 Millionen Pfund (508 Mio Euro ) gesenkt werden. Die Telekom hofft, vor allem durch die gemeinsame Nutzung ihres Netzwerks sowie im Vertrieb und Marketing zu sparen. Auch bei den Investitionen in die Mobilfunknetze soll sich der Zusammenschluss mit 620 Millionen Pfund in den Jahre 2010 bis 2014 auszahlen, später sollen es 100 Millionen Pfund jährlich sein. Dem stehen erwartete Integrationskosten von 600 bis 800 Millionen Pfund (bis zu 914 Mio Euro) in den Jahren 2010 bis 2014 entgegen.


Darlehen von jeweils 625 Mio. Pfund
In das neue Joint Venture will die Deutsche Telekom die gesamten Aktivitäten von T-Mobile UK ohne Barmittel und Schulden einbringen. Dazu gehört auch die 50-prozentige Beteiligung am 3G-Joint-Venture mit dem Hutchinson und einschliesslich steuerlicher Verlustvorträge von brutto mindestens 1,5 Milliarden Pfund. France Telecom würde 1,25 Milliarden Pfund Schulden mitbringen. Beide Unternehmen wollen aber Darlehen von jeweils 625 Millionen Pfund gewähren, so dass das Joint Venture im Ergebnis mit Schulden von 1,25 Milliarden Pfund starten würde. Die beiden Anteilseigner gehen fest davon aus, dass die Transaktion Wert schaffen wird und sich ab 2010 positiv auf den Free Cash Flow je Aktie und ab 2011 auf den Gewinn je Aktie auswirken werde.


Für die britischen Kunden versprechen Telekom und France Telecom eine bessere Netzabdeckung sowie eine verbesserte Netzqualität sowohl für Sprach- als auch für Datendienste. Durch die Integration der Aktivitäten der Breitbandsparte von Orange könnten T-Mobile-UK-Kunden künftig auch integrierte Festnetz- und Mobilfunklösungen in Anspruch nehmen. Die Marken T-Mobile UK und Orange UK sollen nach anderthalb Jahren verschwinden.


Milliarden-Investitionen in US-Mobilfunktochter
Gleichzeitig plant d ie Telekom einem Pressebericht zufolge grössere Investitionen in den USA. Der Bonner Konzern wolle in den kommenden Jahren mehrere Milliarden Euro in die Aufrüstung des Netzes seiner Mobilfunktochter T-Mobile USA investieren, schreibt das «Handelsblatt» unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Zuvor hatten immer wieder Gerüchte kursiert, wonach die Telekom ihre US-Tochter verkaufen wolle, weil diese im Kampf gegen AT&T und Verizon Communications einen schweren Stand hat. Nun will Telekom-Chef Rene Obermann dem Blatt zufolge in den USA das Mobilfunknetz weiter für Datendienste im mobilen Internet aufrüsten, um höhere Umsätze pro Kunde zu generieren. Dies führe allerdings dazu, dass die Telekom vorerst keine Zukäufe in neuen Märkten tätigen dürfte, heisst es weiter. (awp/mc/pg/07)

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