Deutsche Wirtschaft erholt sich im 3. Quartal weiter – ifo-Geschäftsklima positiv

Nach dem starken Einbruch im Winterhalbjahr scheine sich der leichte Aufwärtstrend der Wirtschaft fortzusetzen, hiess es. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft mit einem Plus von revidiert 0,4 (ursprünglich 0,3) Prozent überraschend schnell auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.


Impulse vom Export – Konsum gebremst
Positive Impulse kamen laut der Behörde insbesondere von den Exporten und den Investitionen in Ausrüstungen und Bauten. Allerdings seien auch die Importe im Vergleich zum Vorquartal kräftig angestiegen, weswegen der Aussenbeitrag als Differenz zwischen Exporten und Importen das Wachstum gebremst habe. Der Aufbau von Lagerbeständen habe dies aber mehr als kompensiert. Der inländische Konsum habe das Wachstum indes gebremst.


BIP im 3. Quartal um 4,7 % geschrumpft
Weiterhin stark bemerkbar machte sich die Krise auf Jahressicht. Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte das BIP im dritten Quartal um 4,7 Prozent. Im zweiten Quartal war der Rückgang mit 7,0 Prozent aber noch deutlich schärfer ausgefallen. Kalenderbereinigt schrumpfte das BIP im Jahresvergleich um 4,8 Prozent, nach einem Rückgang um 5,8 Prozent im Vorquartal.


Jahresvergleich
Auf Jahressicht belasteten vor allem die Ausrüstungsinvestitionen. Diese lagen bereits das dritte Quartal in Folge um etwa ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau. So wurden im dritten Quartal in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge 20,8 Prozent weniger investiert. Die Konsumausgaben insgesamt wuchsen hingegen um 0,7 Prozent. Während der Staat 2,4 Prozent mehr für seinen Konsum im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr ausgab, lag das Plus bei den privaten Konsumausgaben nur bei 0,2 Prozent. Auch bei den Exporten gab es trotz positiver Impulse im Quartalsvergleich einen Einbruch um 15,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Rückgang war aber schwächer als noch im ersten (-17,2%) und zweiten (-20,2%) Quartal.


ifo-Index weckt Hoffnungen auf länger anhaltendes Wachstum
Die kräftig verbesserte Unternehmensstimmung in Deutschland hat Hoffnungen auf ein länger anhaltendes Wachstum in Deutschland geweckt. Die für das kommende Jahr erwartete Wachstumsverlangsamung könnte sich verzögern, kommentierte die Commerzbank den abermaligen Anstieg des ifo-Geschäftsklimas im November. Die deutsche Wirtschaft könnte auch in den ersten drei Monaten 2010 noch einmal deutlich wachsen. Bislang hatten viele Ökonomen mit einer spürbaren Wachstumsverlangsamung bereits zur Jahreswende gerechnet.


Nach Zahlen des Münchner ifo Instituts vom Dienstag hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im November deutlich aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 92,0 Punkten im Vormonat auf 93,9 Punkte. Markterwartungen wurden deutlich übertroffen: Von dpa-AFX befragte Volkswirte hatten mit einem Plus auf nur 92,7 Punkte gerechnet. Sowohl die Erwartungshaltung als auch die Lagebeurteilung hellten sich stärker als erwartet auf. Der Gesamtindex legte damit bereits den achten Monat in Folge zu und stieg auf den höchsten Stand seit Sommer 2008.


‹Deutsche Wirtschaft arbeitet sich aus der Krise›
«Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise», kommentierte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn den erneuten Anstieg des wichtigsten Konjunkturbarometers für die deutsche Wirtschaft. Im Verarbeitenden Gewerbe und Grosshandel hellte sich die Stimmung auf, im Bausektor und bei den Dienstleistern trübte es sich indes ein. Das ifo-Geschäftsklima basiert auf einer Umfrage bei rund 7.000 Unternehmen.


«Die deutsche Wirtschaft erlebt zurzeit einen Rückprall nach dem Kollaps im ersten Halbjahr 2009», umschrieb DekaBank-Experte Andreas Scheuerle die aktuelle Entwicklung. Wie auch neue Detaildaten zum deutschen Wachstum im dritten Quartal zeigten, wirke derzeit nicht zuletzt der wieder einsetzende Lageraufbau der Unternehmen stützend. «Dies ändert aber nichts daran, dass sich das Wachstum im kommenden Jahr abschwächen wird.» Auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sprach von einer anhaltenden Konjunkturerholung und einem voraussichtlich starken Schlussquartal.  (awp/mc/pg/08)

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