Deutscher Aussenhandel nimmt im Juni stark zu

Volkswirte hatten mit einem Überschuss von 13,6 Milliarden Euro gerechet. Im Vergleich zum Vormate stiegen die Ausfuhren im Juni kalender- und saisonbereinigt um 3,8 Prozent und die Einfuhren um 1,9%. Der Aussenhandelsbilanzüberschuss lag kalender- und saisonbereinigt bei 12,3 Milliarden Euro. Die Leistungsbilanz schloss nach vorläufigen Berechnungen mit einem Überschuss von 12,9 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr hatte das Plus bei 12,8 Milliarden Euro gelegen.


DIHK: Exporte legen auch 2011 kräftig zu
Der Export wird nach Einschätzung der Wirtschaft auch im nächsten Jahr das deutsche Wachstum antreiben. Die Ausfuhren würden 2011 um rund 8% zulegen, geht aus einer Umfrage bei den Experten der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) in 80 Ländern hervor. Der Rekordwert aus dem Jahr 2008, als die Exporte sich auf 984 Milliarden Euro beliefen, werde in greifbare Nähe rücken. Die Handelsbeziehungen mit China würden immer wichtiger. „Wir beziehen aus keinem anderen Land mehr Waren als aus der Volksrepublik“, sagte DIHK-Aussenwirtschaftschef Axel Nitschke. China werde den 2009 von Deutschland eroberten Titel als Exportweltmeister auch 2010 und 2011 verteidigen können.


Industrie-Umsätze leicht rückläufig
In Deutschland sind die Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Juni leicht gesunken. Im Vergleich zum Vormonat seien die Umsätze saison- und arbeitstäglich bereinigt um 0,3% gefallen, teilte das Statistische Bundesamt weiter mit. Im Vormonat hatte der Anstieg bei revidiert 3,2% (zunächst 3,7%) gelegen. Der Inlandsumsatz wuchs im Juni 2010 um 1,1% gegenüber dem Vormonat. Die Erlöse im Geschäft mit ausländischen Abnehmern nahmen hingegen um 2,0% ab. Der Absatz in die Eurozone sank dabei um 1,9% und der Umsatz mit dem restlichen Ausland um 2,1%. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat stieg der preis- und arbeitstäglich bereinigte Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes im Juni 2010 um 10,7% nach revidiert +13,0% (zunächst 13,1%) im Vormonat.


Elektroindustrie mit starkem Auftragsplus
Die Auftragseingänge in der deutschen Elektroindustrie sind im Juni stark gestiegen. Zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Order um 42%, wie Andreas Gontermann, Volkswirt beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) mitteilte. Aus Deutschland kamen 35% mehr Bestellungen als vor einem Jahr, aus dem Ausland 48%. „Damit hat sich die Ordertätigkeit weiter kräftig belebt. Der Juni-Anstieg war der mit Abstand stärkste im bisherigen Jahresverlauf“, sagte Gontermann. Über das gesamte erste Halbjahr 2010 haben die Auftragseingänge das Vorjahreslevel um 26% übertroffen. Von Januar bis Juni 2010 erhöhte sich der Umsatz um 14% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Der inländische Umsatz nahm um 11% zu, der ausländische um 18% . Die Produktion übertraf ihr Vorjahresniveau im gleichen Zeitraum um 11%. „Damit hat die Elektroindustrie bei Umsatz und Produktion inzwischen mehr als ein Drittel ihres 2009-er Verlustes aufgeholt“, sagte Gontermann.


Ifo-Institut erwartet Abschwächung der Konjunktur
Nach den zuletzt guten Wirtschaftsdaten erwartet das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) ab dem dritten Quartal eine Abkühlung der Konjunktur in Deutschland. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen „Handelsblatt Online“. „Bei realistischer Betrachtung ist eine Abschwächung der hohen Dynamik spätestens im Winterhalbjahr zu erwarten.“ Für den Moment laufe es aber noch – trotz des leichten Rückschlags bei der Produktion – für Deutschland „sehr gut“, betonte Carstensen.


Auslastung wieder auf langjährigem Durchschnitt
Mittlerweile sei auch die Auslastung in der Industrie wieder beim langjährigen Durchschnitt. „Die Auslandsnachfrage wird die Exporte wohl weiter antreiben, und die niedrigen Zinsen dürften die Binnenwirtschaft stimulieren“, sagte der Ökonom. In der deutschen Industrie standen die Zeichen zuletzt auf Wachstum. Trotz eines leichten Dämpfers im Juni fuhren die Firmen ihre Produktion im Frühjahr so stark nach oben wie noch nie seit der Wiedervereinigung und erreichten fast wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise. Und auch Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Index oder die Einkaufsmanagerindizes signalisierten ein starkes Wachstum. (awp/mc/ps/05)

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