Deutschland: Konsumklima sinkt erneut

Im Vormonat war das Konsumklima erstmals seit September 2008 gesunken. Trotz des neuerlichen Rückgangs des Konsumklimas bleibe der private Konsum im laufenden Jahr die wesentliche Stütze der Konjunktur in Deutschland.


Zunehmende Angst vor steigender Arbeitslosigkeit
Gründe für die leichte Abkühlung des Konsumklimas seien moderate Rückgänge der Konjunktur- und Einkommenserwartung. Die zunehmende Angst der Bevölkerung vor steigender Arbeitslosigkeit habe die Konjunkturerwartungen der Verbraucher nach einem siebenmonatigen Anstieg erstmals wieder sinken lassen. In deren Sog seien auch die Einkommensaussichten gesunken, zumal die kaufkraftstärkende Wirkung niedriger Energiepreise zunehmend schwinde. Dagegen habe sich die Konsumneigung auch ohne die Abwrackprämie weiter auf ihrem guten Niveau behauptet. Dafür dürfte das insgesamt ruhige Preisklima mit verantwortlich sein. Die GfK befragt monatlich im Auftrag der EU-Kommission rund 2.000 Verbraucher.


2010 kein Konsumeinbruch zu erwarten
Trotz des zu erwartenden Anstiegs der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten ist nach Einschätzung der GfK kein Einbruch des Konsums in Deutschland zu erwarten. 2010 sei von einer Stagnation des Konsums auszugehen, sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl zu dpa-AFX. Für das laufende Jahr rechnet der Experte weiter mit einem Konsum-Plus von bis zu 0,5 Prozent. Gründe für den vergleichsweise robusten Konsum seien das günstige Preisklima sowie das Ausbleiben dramatischer Einbrüche auf dem Arbeitsmarkt. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit würde die Konsumstimmung aber in den kommenden Monaten belasten.


Vier Millionen Arbeitslose erwartet
«Der Anstieg der Arbeitslosigkeit dürfte dank Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten und der wieder anziehenden Konjunktur aber weitaus weniger dramatisch ausfallen als noch im Frühjahr befürchtet», sagte Bürkl. Trotz des allgemein erwarteten Anstiegs werde die Zahl der Arbeitslosen 2010 zwar die Schwelle von vier Millionen überschreiten, gleichzeitig aber deutlich unter der «Horrorzahl» von fünf Millionen bleiben. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte eine solche Zahl für Ende 2010 die Runde gemacht. «Die künftige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird für den Konsum entscheidend sein», sagte Bürkl. Mehr Arbeitslose senken die Einkommen der Konsumenten direkt und schüren auch bei nicht direkt Betroffenen die Angst vor Arbeitslosigkeit. Diese habe sich in der Vergangenheit oftmals als entscheidende Konsum-Bremse erwiesen.


Weihnachtsgeschäft von Krise noch nicht betroffen
Im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft dürfte davon allerdings vergleichsweise wenig zu spüren sein, erwartet Bürkl. Er verweist auf die nach wie vor «relativ gute Konsumneigung» der Verbraucher. Auch das Sparen erscheine den Verbrauchern wegen des niedrigen Zinsniveaus derzeit «wenig attraktiv». Zudem zeichneten sich trotz Krise keine grösseren Kürzungen beim Weihnachtsgeld ab und der Handel locke Kunden mit kräftigen Preisnachlässen. Bei Möbeln, Autos und Computern tobten regelrechte Preisschlachten. Kräftige Rabatte seien inzwischen in relativ vielen Bereichen des Handels anzutreffen. «Der Lebensmittelhandel ist kein Einzelfall.» Hier tobt der Preiskampf bereits seit längerem. Die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft seien insbesondere für Unterhaltungselektronik und Elektrohaushaltsgeräte günstig. Darüber hinaus dürften auch Klassiker wie Bücher und Spielwaren für Kinder gefragt bleiben. «Hier zeigt sich, dass mehr Zeit zu Hause verbracht wird.»


Zu früh für Entwarnung
Grundsätzliche Entwarnung für Konjunktur und Arbeitsmarkt gibt es aus Sicht des Experten gleichwohl noch nicht. «Ein konjunktureller Rücksetzer ist trotz der zuletzt positiven Signale nicht ganz auszuschliessen», mahnte Bürkl. So gebe es an den Finanzmärkten inzwischen wieder Warnungen vor einer Blasenbildung. Deutschland arbeite sich derzeit langsam aus der tiefsten Krise der Nachkriegszeit. «Es geht aufwärts, aber langsam», sagte Bürkl. Angesichts der geringen Auslastung in der Industrie seien unmittelbar auch keine Inflationsgefahren auszumachen. Ein günstiges Preisklima dürfte deshalb auch 2010 den Konsum stabilisieren. (awp/mc/ps/10)

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