Düstere Aussichten auf weltgrösster Flugzeugmesse

Doch die Einbrüche am Markt, die Milliardenverluste vieler Kunden und der weiter ungeklärte Absturz des Air-France-Fliegers vom Typ Airbus A330-200 verderben die Festlaune. Die beiden dominierenden Flugzeugbauer der Welt, die EADS-Tochter Airbus und Boeing , erwarten keine Auftragsflut wie noch in den Vorjahren. Sie planen stattdessen deutliche Kürzungen ihrer Produktion.


Knapp 2’000 Aussteller
Bis zum kommenden Sonntag, 21. Juni dauert die Messe, auf der knapp 2.000 Aussteller ihre Produkte präsentieren. Zunächst bleiben Aussteller und Kunden aber unter sich. Erst an den letzten drei Tagen öffnet die Messe der Öffentlichkeit ihre Pforten, dann werden mehr als 200.000 Luftfahrtfans erwartet. Zu sehen sein werden in der Luftfahrt zahlreiche Passagiermaschinen, Kampfflugzeuge und Hubschrauber, darunter der neue russische Regionalflieger Suchoj Superjet 100 oder das weltgrösste Passagierflugzeug, die A380-800 von Airbus. Die technisch revolutionären Neuheiten von Boeing und Airbus – das Langstreckenflugzeug 787 des US-Herstellers und der Militärtransporter Airbus A400M – wurden dagegen nicht rechtzeitig fertig.


Boeing sieht Ende der Krise Mitte 2010
Der Flugzeugbauer Boeing erwartet den Beginn einer Erholung des weltweiten Luftfahrtmarktes etwa zur Mitte nächsten Jahres. «Wir könnten beim weltweitem Verkehr die Talsohle erreicht haben», sagte der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, Scott Carson, am Montag auf der weltgrössten Luftfahrtmesse in Paris-Le Bourget. Eine Tendenz zur Normalisierung auf den Finanzmärkten könne sich «wahrscheinlich in der zweiten Hälfte» 2010 durchsetzen. Unklar sei, wie steil der Aufschwung sein werde, sagte Carson. Damit ist er optimistischer als Airbus-Chef Thomas Enders, der für 2010 und 2011 schwierigere Zeiten erwartet.


Langfristige Nachfrage «robust»
«Langfristig ist die Nachfrage robust», sagte Carson. «Wenn die Wirtschaft sich erholt, werden sich auch der Passagier- und Frachtverkehr erholen.» In den nächsten 20 Jahren würden 29.000 Flugzeuge für 3,2 Billionen US-Dollar benötigt. Die Folgen der Krise für die Kunden seien schwerwiegend, sagte Carson. «40 bis 50 Prozent Einbruch ist für viele Frachtflieger normal. Doch das scheint auszulaufen.» Eine leichte Erholung im Frachtbereich könnte «schon dieses Jahr, sicherlich 2010» einsetzen. In den kommenden sechs Monaten dürfte der Lageraufbau wieder einsetzen. Die Prognose für den Passagierverkehr sei schwieriger. «Wenn wir den Boden erreicht haben und Kapital mehr verfügbar ist, haben wir die Chance, unsere Produktionsrate zu halten.»


«Neue Dynamik»
Eine «neue Dynamik» erwartet Carson längerfristig auf der Anbieterseite. «Airbus wird ein harter Wettbewerber bleiben», sagte er. «Doch von unten kommen fünf neue Wettbewerber im Bereich der Mittelstreckenflugzeuge dazu.» Darunter sind China, Japan und Russland. «Wir müssen besser sein als bisher, um Branchenprimus zu bleiben», sagte Carson. Im Weiteren will Boeing seinen neuen Langstreckenflieger 787 «Dreamliner» nach zahlreichen Pannen und Verzögerungen nun wie geplant bis Ende Juni in die Luft bringen. «Es bleibt bei dem Plan, den Erstflug noch im zweiten Quartal zu absolvieren», sagte der Chef des zivilen Flugzeuggeschäfts, Scott Carson, am Montag auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris. Im nächsten Jahr sollen dann die ersten Maschinen an die Kunden.


860 Vorbestellungen für «Dreamliner»
Bei dem Wettbewerber der europäischen EADS-Tochter Airbus gab es wegen der Verzögerungen und der Wirtschaftskrise schon Abbestellungen des neuen Modells. Der «Dreamliner» ist aber mit rund 860 vorab georderten Maschinen immer noch das bislang meistbestellte Modell der Boeing-Geschichte. Erster Kunde ist die japanische Gesellschaft All Nippon Airways (ANA). Auch Airbus kämpfte beim geplanten Konkurrenzmodell A350 XWB mit Verzögerungen, will nun aber wie zuletzt geplant 2013 fertig sein. Boeing bekam beim «Dreamliner» besonders Probleme durch die umfangreiche Auslagerung von Arbeiten an Zulieferer. Teile davon mussten wieder in den Konzern zurückgeholt werden. (awp/mc/ps/14)

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