EADS-Manager von Börsenaufsicht freigesprochen

Die Entscheidung, gegen die kein Einspruch möglich ist, löste helle Empörung bei den Verbänden der Kleinaktionäre aus.


Hohe Gewinne zu Recht kassiert
Der AMF-Strafausschuss bescheinigte dem Airbus-Chef Thomas Enders, dem früheren Co-Konzernchef Noël Forgeard und 15 anderen Personen, ihre hohen Gewinne aus dem Verkauf von EADS-Aktien 2005 und 2006 zu Recht kassiert zu haben. Auch die in der Konzernführung sitzenden Grossaktionäre Daimler und Lagardère hätten kein Insidervergehen begangen, als sie je 7,5 Prozent der EADS-Anteile vor dem Kurssturz im Juni 2006 mit Milliardengewinnen verkauften. EADS habe den Markt nicht über die A380-Probleme getäuscht.


«Hornberger Schiessen»
Viele Menschen hatten im Zuge des A380-Hypes EADS-Aktien gekauft und wegen des Kurssturzes Geld verloren. Dass dafür jetzt keiner verantwortlich sein soll, stösst auf Kritik der Aktionärsvertreter. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger nannte die Entscheidung «schwer erträglich». Die jahrelangen Ermittlungen seien ausgegangen wie das «Hornberger Schiessen», sagte Michael Kunert von der SdK der dpa. Man könne insbesondere kaum nachvollziehen, dass die Vorwürfe gegen Forgeard fallengelassen wurden. «Da stellt sich für mich die Frage, ob es nicht am Ende politischen Druck auf die Börsenaufsicht gegeben hat.»


Unabhängige Börsenaufsicht gefordert
Als Konsequenz forderte Kunert eine von Regierungen unabhängige europäische Börsenaufsicht. Der Pariser Aktionärsverband ADAM nannte die AMF-Entscheidung einen Skandal. Fehlvergehen müsse bestraft werden. Die Aktionärsschützer des Verbands APPAC mahnten, die AMF-Entscheidung dürfe keinen Einfluss auf die Justiz haben. APPAC hat Forgeard wegen Insiderhandels verklagt. Darauf stehen bis zu zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe.


«Sieg der Wahrheit und des Rechts»
Forgeards Anwälte feierten die AMF-Entscheidung dagegen als «Sieg der Wahrheit und des Rechts». Der Strafausschuss habe seine Unabhängigkeit bewiesen. Auch EADS begrüsste den Ausgang des Verfahrens. Der Ausschuss habe anerkannt, dass EADS den Markt pflichtgemäss über die «Risiken des A380-Programms und seiner Entwicklung» informiert habe. «EADS ist überzeugt, dass sich diese Sichtweise auch in allen weiteren anhängigen Prozessen, die auf derselben Sachlage basieren, durchsetzen wird.»


Ein Insidervergehen hätte vorgelegen, wenn die Manager beim Verkauf der Aktien das Ausmass der Probleme mit der A380 gekannt hätten. Dann hätte der Konzern nämlich erst die Börse informieren müssen – mit der unvermeidlichen Folge des Rückgangs des Aktienkurses. Die AMF musste die Zeitabfolge klären, in der das Ausmass der Probleme im Konzern bewusst wurde.


AMF-Berichterstatter fordert Millionenbusse
Der AMF-Berichterstatter hatte im Juni noch empfohlen, Forgeard, Airbus-Verkaufschef John Leahy, den Dresdner Airbus-Chef Andreas Sperl und vier andere wegen Insiderdelikts mit 11,6 Millionen Euro bestraft werden müssten. Forgeard hatte mit den Aktien 4,34 Millionen Euro verdient, Leahy 3,12 Millionen und Sperl gut 816.000 Euro. Der Berichterstatter hatte auch ein Bussgeld für EADS wegen irreführender Information der Märkte empfohlen, Enders und Daimler aber von jedem Verdacht freigesprochen. Beide hätten ihre Aktienverkäufe organisiert, bevor die A380-Probleme erkannt wurden.


EADS-Aktie eingebrochen
Erste Verzögerungen beim A380, dem weltgrössten Passagierflugzeug, waren seit 2005 bekannt. 2006 wurde zur Gewissheit, dass die Schwierigkeiten bei der Verkabelung zu gross waren, als dass man die Zeitpläne hätte einhalten können. Als der Markt darüber informiert wurde, brach die EADS-Aktie am 14. Juni 2006 um fast 27 Prozent ein. Sie erholte sich von dem Schock bisher nicht wieder. Die A380-Probleme sind bis heute nicht völlig gelöst. (awp/mc/pg/01)

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