Elisabeth Dalucas, CEO KKL Luzern Management AG

von Jolanda Lucchini


Frau Dalucas, im März wurde im Kultur- und Kongresshaus KKL Luzern der neue Schweizer Filmpreises QUARTZ verliehen, jetzt im Mai folgte mit Rose d?Or das wichtigste Festival der TV-Unterhaltung. Was sind die nächsten Glamour-Events, die Sie an Land ziehen wollen?

Jede Veranstaltung im KKL Luzern hat ihre besondere Aura. Das Haus mit seiner Architektur und seiner wunderbaren landschaftlichen Lage eignet sich besonders gut für Konzertpremieren, grosse Jubiläen, Award-Verleihungen oder Produktlancierungen, weil die Gestaltung des Hauses jedem Anlass eine Einzigartigkeit verleiht.


Wie wichtig für Sie sind Glamour-Anlässe? Wichtiger als kulturelle Veranstaltungen wie die Konzerte?

Das KKL Luzern ist ein Begegnungsort für Konzerte ebenso wie für Conventions und kulinarische Highlights. Die Mischung und der stete Qualitätsanspruch vermitteln das einmalige Erlebnis und geben damit jeder Veranstaltung eine besondere Bedeutung.


Als Sie Anfang 2003 die KKL Luzern Management AG übernahmen, wurden rund 800 Veranstaltungen im Haus durchgeführt und ein Betriebsdefizit von 1 Mio. pro Jahr geschrieben. Sie haben die Veranstaltungszahl halbiert und das Unternehmensergebnis ins Plus gedreht. Wie erklärt sich das?

Dem KKL Team ist es gelungen, die Wertschöpfung je Veranstaltung zu intensivieren und darüber hinaus auch die Wertschöpfungskette zu verlängern.


Das wichtigste Standbein des Betriebs ist inzwischen die Gastronomie. Sie trägt zur Hälfte zum Gewinn bei, Kultur und Kongresse je ein Viertel. Wird das auch in Zukunft so bleiben? In welchem anderen Bereich sehen sie noch Potenzial?

Das würde ich so nicht sagen: das Konzept von «Culture, Convention, Cuisine» spielt eine ausgewogene Partitur. Die Gastronomie ist der grösste Umsatzträger, gleichzeitig profitieren sowohl die Outlets wie auch die Veranstaltungsgastronomie von den Konzert- und Kongressgästen. Die Gäste schätzen dieses integrierte Angebot, und wir richten unsere Anstrengungen gezielt auf umfassende Dienstleistungen und damit auf Gesamterlebnisse aus.


«Gleichzeitig bleibt die finanzielle Führung dieses Unternehmens ein Balanceakt, doch die angespannte wirtschaftliche Lage ist bis heute noch nicht stark spürbar.»


2006 betrug der Gewinn 289 000 Fr., 2007 114 000 Fr. Wie entwickelte sich das Geschäft 2008? Welcher Bereich des KKL Luzern ist von der Wirtschaftskrise am deutlichsten betroffen?

Das KKL Luzern hat 2008 ein finanziell gutes Jahr erlebt. Umsatz und Ergebnis konnten nochmals deutlich gesteigert werden. Gleichzeitig bleibt die finanzielle Führung dieses Unternehmens ein Balanceakt, doch die angespannte wirtschaftliche Lage ist bis heute noch nicht stark spürbar. Als Veranstaltungshaus mit langfristigem Planungshorizont gehen wir davon aus, dass 2010 ein sehr anspruchsvolles Jahr werden könnte, obwohl der Buchungsstand heute anderen Jahren entspricht. Im direkten Kundenkontakt erleben wir zurzeit eine gewisse Zurückhaltung der Gäste an den Konzertbars.


Bei den Kulturveranstaltern springen Sponsoren ab. In welchem Ausmass spüren Sie das?

Im KKL Luzern finden grosse Festivals und viele langfristig angelegte Konzertreihen statt. Solche Kulturanbieter sind meiner Erfahrung nach stets weniger betroffen von konjunkturellen Schwankungen, weil sie langfristige Sponsorenverträge vereinbaren können.


Die KKL Luzern Management AG ist Vermieterin, aber auch selbst Kulturveranstalterin. Wie ist das Verhältnis Vermietung und eigene Veranstaltungen? Welche sind für Sie wirtschaftlich interessanter?

Zurzeit veranstalten wir etwa 12 bis 15% der Konzerte selbst. Wir runden mit den eigenen Produktionen das Gesamtprogramm ab und suchen immer wieder auch Innovatives. Die Eigenveranstaltungen sind somit eher ein Katalysator, weisen aber Wachstumspotential für das Haus auf.


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Welches sind die Herausforderungen eines Kulturbetriebs gegenüber einem rein wirtschaftlich orientierten Unternehmen?

Der Fokus eines Kulturbetriebes ist anders: wir suchen einen Beitrag zu leisten zum gesellschaftlichen Diskurs und zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung, dies natürlich selbstredend immer auch verknüpft mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen.


Wie gewinnen Sie neue Kunden ? Veranstalter im Kulturbereich, Firmen im Kongressbereich?

Wir akquirieren mit Erfolg via Image und gezielter PR: das KKL Luzern live erleben, Medienreisen nach Luzern, Events im Stile des Hauses im Ausland in Zusammenarbeit mit den Schweizer Botschaften in den prioritären Zielmärkten Deutschland, England und Italien.


Das Gebäude von Jean Nouvel kommt Sie teuer zu stehen. Die Reinigung kostete 2007 rund 800 000 Franken im Jahr, das sind fast 5 % des gesamten Betriebsaufwands von 17.5 Mio. Franken. Wird das durch den Mehrwert der hochstehenden Architektur wieder aufgewogen?

Die Reinigung des Hauses, vor allem aber auch die Reinigung nach Veranstaltungen beträgt 3% des Ertrages. Das scheint mir eine reale und zu anderen Betrieben absolut vergleichbare Grösse, wenn man bedenkt, dass über eine halbe Million Menschen jährlich das Haus und seine Veranstaltungen besuchen.


Im Moment haben Sie Probleme mit dem Kupfer, das durch das Regenwasser vom riesigen KKL-Dach in den See gespült wird und diesen belastet. Gibt es inzwischen eine Lösung dafür und mit wie viel schlägt sie zu Buche?

Die Machbarkeitsstudie zur Reduktion der Kupferabschwemmung vom KKL-Dach liegt unterdessen vor. Es gibt Lösungen zur Reduktion, diese werden zurzeit noch genauer auf ihre bauliche Realisierung geprüft.


«Das Projekt für die Salle modulable stellt eine grosse Chance für die weitere Stärkung des Clusters «Musikstadt Luzern» und für das KKL Luzern dar.»


Anomyme Gönner haben 100 Millionen für ein neues Musiktheaterhaus in Luzern, den Salle modulable, aufgeworfen. Wenn das Projekt tatsächlich verwirklicht wird ? welche Auswirkungen hat das auf das KKL Luzern?

Das Projekt für die Salle modulable stellt eine grosse Chance für die weitere Stärkung des Clusters «Musikstadt Luzern» und für das KKL Luzern dar. Damit ist eigentlich auch schon angesprochen, dass sich ein Musiktheater und ein Konzerthaus ideal ergänzen. Das KKL Luzern verfügt über einen anerkannt guten Konzertsaal, szenische Produktionen sind aber wegen fehlendem Bühnenturm sowie Seiten- und Hinterbühnen gar nicht möglich.


Welche Bedeutung haben Gönner und Sponsoren fürs KKL Luzern?

Die Donatoren für den Bau des KKL Luzern sind bis heute wichtige Partner und Freunde des Hauses. Sponsoren kann das KKL Luzern primär für seine Veranstaltungen gewinnen, für den Betrieb des Hauses leider weniger. Die privaten Donatoren, vertreten durch die Konzerthausstiftung, helfen dem KKL Luzern aber immer wieder, etwa wenn es um den Ankauf eines Konzertflügels geht.


Sie haben kürzlich in einem Interview im «KKL journal» den Star-Cellisten Mischa Maisky gefragt, was er an der Musik möge. Er antwortete, die unmittelbare Anerkennung durch sein Publikum. Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Besonders schätze ich die vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Charakteren und Menschen.





Zur Person
Elisabeth Dalucas (1961), geboren und aufgewachsen in Basel. Studium der Kunstwissenschaften und Philosophie in Zürich, Berlin und Florenz (lic. phil.). Nachdiplom an der Universität St. Gallen HSG und Fortbildung in Kommunikationspsychologie in Hamburg. Langjährige Berufserfahrung in der Kulturvermittlung sowie in Kommunikation, Marketing und PR. Seit 2003 Geschäftsführerin der KKL Luzern Trägerstiftung und Direktorin der KKL Luzern Management AG. Davor Direktorin Museum zu Allerheiligen und Kulturbeauftragte der Stadt Schaffhausen.


 

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