EU-Verlauf: Etwas schwächer – Finanzwerte ziehen Indizes nach unten

In London fiel der FTSE 100 um 0,32 Prozent auf 4.804,43 Zähler. «Die Erholung seit März war bemerkenswert. Die meisten Indizes haben sich seit Jahresbeginn stark entwickelt, auch wenn wir noch unter dem Niveau vor dem Zusammenbruch von Lehman liegen», sagte Valerie Plagnol, Strategin bei CM-CIC Securities in Paris. «Aber das Glas ist immer noch halb leer. Die Konjunkturdaten haben sich verbessert, doch der Ausblick auf den privaten Konsum ist immer noch düster.»


Europäische Finanzwerte litten wie die Aktien ihrer US-Konkurrenten unter Aussagen des Börsenexperten Keith Springer von Capital Financial Advisory Services. Dieser hatte am Vortag gesagt, ein Ende der Probleme bei Finanzunternehmen sei noch nicht absehbar. Sie seien lediglich eine Zeit lang durch die Stimulierungsmassnahmen der Regierung verdeckt worden. Im EuroStoxx 50 nahmen Aegon mit Verlusten von 4,42 Prozent auf 4,860 Euro den letzten Platz im Index ein. Dahinter sanken Intesa SanPaolo um 3,01 Prozent auf 2,82 Euro. In London sanken Royal Bank of Scotland (RBS) um 3,69 Prozent auf 53,45 Pence. An der Zürcher Börse fielen die Titel der Versicherer Swiss Re und Swiss Life mit deutlichen Abschlägen ans Ende des Swiss-Market-Index (SMI) .


Auch Aktien britischer Versicherer wie Legal & General, Prudential und Old Mutual gerieten unter Druck. Hier belastete ein Bericht der «Financial Times», dem zufolge die Branche fürchtet, wegen der strengeren neuen EU-Bestimmungen 50 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 57 Milliarden Euro) an frischem Kapital aufnehmen zu müssen. In einem Brief an Finanzminister Alistair Darling brachte die Branche laut der Zeitung ihre Sorge zum Ausdruck, es könne sogar zu einer Destabilisierung der Branche in ganz Europa kommen.


Anteilsscheine der Lloyds Banking Group büssten 5,56 Prozent auf 100,11 Pence ein. Die vom britischen Staat gestützte Bank hat nach einem Pressebericht Aussicht auf frisches Geld. Bedeutende Investoren würden eine 10 Milliarden Pfund (rund 11,4 Milliarden Euro) schwere Kapitalerhöhung unterstützen, berichtete der «Guardian» am Dienstagabend in seiner Online-Ausgabe. Mit dem Geld solle die Abhängigkeit von der Regierung eingedämmt werden. Um welche Investoren es sich genau handelt, schrieb die Zeitung nicht. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Grossaktionär allerdings, Lloyds sei mit keinem der wichtigsten Anteilseigner in Kontakt getreten.


Aktien von Alcatel-Lucent gaben als Schlusslicht im CAC-40 um 8,27 Prozent auf 2,34 Euro nach. Der französische Telekomausrüster bringt eine 750 Millionen Euro schwere Wandelanleihe auf den Markt, um seine Schulden zu refinanzieren. Einige Analysten hatten in den vergangenen Wochen bereits entsprechende Überlegungen des Unternehmens vermutet. Die Experten von Kepler begrüssten indes die Massnahme und liessen die Aktie auf «Buy» mit eine Kursziel von 2,40 Euro. Zudem hiess es in einem südkoreanischen Medienbericht, Alcatel-Lucent gehöre ebenso wie der Handy-Hersteller Sony Ericsson und eine Beteiligungskapitalgesellschaft der US-Investmentbank JPMorgan zum engeren Kandidatenkreis für einen Kauf des LG-Nortel-Anteils von Nortel Networks. Sony Ericsson dementierte inzwischen ein Interesse.


Die Ankündigung einer Kapitalerhöhung liess B-Aktien von Maersk um deutliche 7,32 Prozent auf 34.200,00 dänische Kronen fallen. Die dänische Reederei-Gruppe will ihre finanzielle Flexibilität erhöhen und plant dafür den Verkauf von bis zu 250.340 oder 5,7 Prozent ihrer B-Aktien. Nach Angaben des Unternehmens betrüge der Preis auf Basis des Schlusskurses vom Dienstag bis zu 9,2 Milliarden dänische Kronen (1,24 Milliarden Euro).


Dagegen ging es für Eni-Papiere an der Spitze des Mailänder MIB30-Index um 1,60 Prozent auf 16,53 Euro hoch. Der Öl- und Gaskonzern teilte mit, er stehe mit der britischen Beteiligungsgesellschaft Kersch in Verhandlungen über einen Verkauf seiner Raffinerie in Livorno. Aktien des britischen Konkurrenten BP sprangen an und gewannen an der «Footsie»-Spitze 3,20 Prozent auf 536,10 Pence, nachdem dieser die Entdeckung eines grossen Ölfelds im Golf von Mexiko berichtet hatte. (awp/mc/ps/18) 

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