EU-Verlauf: Schwach – Negative Vorgaben – Gewinnmitnahmen

In London sank der FTSE 100 um 0,84 Prozent auf 4.969,17 Zähler. Marktstratege Stephen Pope von Cantor Fitzgerald sagte indes, jede Schwächephase biete eine Einstiegsgelegenheit: «Wenn man auf die Konjunkturdaten schaut, sieht man überall Zeichen einer Verbesserung». Es sei zwar fraglich, wie lange die staatlichen Konjunkturprogramme fortgesetzt werden könnten, doch gehe er davon aus, dass die westlichen Regierungen alles tun werden, um ein abermaliges Abrutschen der Wirtschaft zu verhindern.


Finanztitel litten europaweit unter Gewinnmitnahmen. ING übernahmen mit minus 3,99 Prozent auf 10,83 Euro die rote Laterne im EuroStoxx 50, für Societe Generale ging es um 2,90 Prozent auf 49,325 Euro bergab. In London büssten Schroders 2,44 Prozent auf 939,17 Pence ein.


Eine negative Branchenstudie von Societe Generale zum Autosektor belastete neben Aussagen von Renault die Aktien der französischen Autobauer. Die französische Bank stufte den europäischen Autosektor von «Overweight» auf «Neutral» ab. Zudem sagte der für das operative Geschäft zuständige Renault-Manager Patrick Pelata gegenüber der Zeitung «La Tribune», es gebe zwar Wachstumssignale, doch Renault habe die Krise noch nicht hinter sich. Die Renault-Aktie gab 3,92 Prozent auf 32,00 Euro ab. Peugeot-Titel verloren – von weiteren negativen Analystenkommentaren belastet – als Schlusslicht im CAC-40-Index 4,66 Prozent auf 20,375 Euro. Credit Suisse hatte die Aktie gleich um zwei Stufen von «Outperform» auf «Underperform» abgestuft und das Kursziel von 26,00 auf 20,00 Euro gesenkt. Goldman Sachs blieb mit seinem von 17,00 auf 19,00 Euro angehobenen Ziel unter dem aktuellen Kursniveau und beliess zudem die Einschätzung auf «Sell».


Schlechte Nachrichten gab es zum Wochenauftakt auch für Alcatel-Lucent. Ein US-Gericht hob eine 358 Millionen US-Dollar teure Strafe gegen den Softwarekonzern Microsoft im Rahmen eines jahrelangen Patentstreits beider Unternehmen auf. Die Aktien des Telekomausrüster büssten 2,65 Prozent auf 2,685 Euro ein. Papiere von Air France-KLM verbilligten sich um 1,22 Prozent auf 11,36 Euro. Laut einem japanischen Medienbericht ist die französische Fluggesellschaft ebenso wie US-Konkurrent Delta Air Lines an einer Beteiligung bei Japan Airlines interessiert.


Dagegen liessen Nachrichten aus den USA Finmeccanica-Titel mit plus 1,21 Prozent auf 11,71 Euro an die Spitze des MIB30-Index steigen. Der italienische Luftfahrt- und Rüstungskonzern erhielt zusammen mit einem anderen Unternehmen den Zuschlag für einen 1,9 Milliarden US-Dollar schweren Auftrag der US-Armee. Ein Mailänder Analyst sagte, dieser Grossauftrag komme unerwartet und schiebe die günstig bewertete Aktie an, die er mit «Buy» einstuft.


In London gewannen Cadbury-Aktien gegen den negativen Trend 0,58 Prozent auf 780,00 Pence. Der britische Süsswarenproduzent wehrt sich weiter gegen eine Übernahme durch den US-Lebensmittelhersteller Kraft Foods. Chairman Roger Carr äusserte in einem Brief an Kraft-Chefin Irene Rosenfeld, die Offerte spiegele den aktuellen Wert von Cadbury nicht wider und er sei wenig begeistert von der Aussicht, dass Cadbury in dem wachstumsschwachen Konglomerats-Geschäftsmodell der Amerikaner aufgehe. Papiere von Rio Tinto gehörten dagegen trotz positiver Nachrichten ebenso wie andere Minenwerte angesichts rückläufiger Metallpreise zu den Verlieren und sanken um 2,48 Prozent auf 2.554,625 Pence. Der australisch-britische Bergbaukonzern erhielt nach eigenen Angaben in Brasilien von staatlicher Seite die Erlaubnis, seine Eisenerzmine in Corumba an den brasilianischen Konkurrenten Vale zu verkaufen.


An der Börse in Zürich gehörten Anteilsscheine von Roche mit Verlusten von 0,30 Prozent auf 164,20 Schweizer Franken noch zu den besten Werten im Swiss-Market-Index (SMI). Das Grippemedikament Tamiflu des Pharmakonzerns erhöht offenbar die Überlebensraten von Patienten mit Vogelgrippe (H5N1) oder schwerer saisonaler Grippe. Zu diesem Ergebnis kommen zwei neue Studien, die an der 49. Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAAC) in San Francisco vorgestellt wurden, teilte Roche mit. (awp/mc/ps/18)

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