EZB belässt Leitzins wie erwartet bei 1,0 Prozent

Die Entscheidung, den Zins auf dem Rekordtiefstand zu belassen, sei einstimmig erfolgt. Die Inflation wird laut Trichet verhalten bleiben. Die Inflationserwartungen blieben fest verankert. Dass die Inflationsrate im August erneut negativ ausgefallen sei, bezeichnete er als ein vorübergehendes Phänomen. Diese Entwicklung sei auf Basiseffekte zurückzuführen, die durch den Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise im vergangenen Jahr ausgelöst wurde. In den nächsten Monaten sollte die Inflationsrate wieder in den positiven Bereich zurückkehren.


Geldmengenwachstum abgeschwächt
Das Geldmengenwachstum habe sich zuletzt zunehmend abgeschwächt. Es übe mittelfristig einen geringen Inflationsdruck aus, sagte Trichet. Der an den Finanzmärkten wieder gestiegene Risikoappetit habe zu einem Rückgang des Geldmengenwachstums beigetragen. Trichet forderte die Banken auf, verantwortlich mit der Kreditvergabe umzugehen.


Übergang zu graduellem Wachstum
Die wirtschaftliche Entwicklung werde durch steigende Exporte und die Stimulierungsmassnahmen der Regierung gestützt, sagte Trichet. Die Wirtschaft stabilisiere sich derzeit und gehe zu einem graduellen Wachstum über. Die geldpolitischen Massnahmen der EZB wirkten sich laut Trichet immer stärker auf die Wirtschaft aus. Man werde bei einer nachhaltigen Erholung jedoch rechtzeitig reagieren um Geldwertstabilität zu gewährleisten. Die von EZB getroffenen aussergewöhnlichen Massnahmen könnten rasch zurückgeführt werden.


Keine Exit-Strategien
«Es ist aber noch zu früh für Exit-Strategien», sagte Trichet. Die Fragilität der Finanzmärkte und der Weltwirtschaft bleibe weiterhin hoch. Das Schlimmste wäre es davon auszugehen, dass man bereits zur Normalität zurückkehren könnte. Es gebe noch eine ganze Reihe von Herausforderungen. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hat die EZB das Zinsniveau um insgesamt 3,25 Punkte reduziert. Zuletzt hatte sie den Leitzins im Mai um 0,25 Punkte gesenkt. 


Projektionen für Wachstum deutlich erhöht
Die EZB hat ihre Projektionen für das Wirtschaftswachstum im laufenden und kommenden Jahr kräftig erhöht. Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte 2009 im Mittel um 4,1 Prozent schrumpfen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Bei ihrer letzten Prognose im Juni war die Notenbank noch von einem Minus von 4,6 Prozent ausgegangen. Für 2010 rechnet die EZB nun mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent, nachdem bislang minus 0,3 Prozent veranschlagt wurden.


Inflationsrate im laufenden Jahr im Mittel bei 0,4 %
Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der EZB im laufenden Jahr im Mittel bei 0,4 Prozent liegen. Im Juni war sie noch von einer Rate von 0,3 Prozent ausgegangen. Im Jahr 2010 dürfte die Teuerung dann auf 1,2 Prozent klettern. Hier waren bisher 1,0 Prozent veranschlagt worden. Die Projektionen der EZB werden von dem Mitarbeiterstab erstellt und dienen dem geldpolitischen Rat als Entscheidungshilfe. Die EZB gibt ihre Wachstums- und Inflationsprojektionen jeweils in Bandbreiten an.


EZB pumpt erneut billiges Geld in den Markt
Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt zum Monatsende erneut billiges Geld in den Markt. «Diese Entscheidung soll die Liquiditätsversorgung des Bankensystems sichern, die Kreditvergabe ankurbeln und die Erholung der Wirtschaft unterstützen», sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet . Zum 30. September können sich die Geschäftsbanken zum zweiten Mal in diesem Jahr zum historisch niedrigen Zinssatz von einem Prozent Geld von der Notenbank ausleihen. Im Juni hatten 1.100 Banken im Euro-Raum eine Rekordsumme von mehr als 442 Milliarden Euro frisches Geld nachgefragt. Im Dezember ist die dritte und letzte Zuteilung dieser sogenannten Zwölfmonatstender geplant. (awp/mc/pg/23)

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