EZB-Präsident Trichet dämpft Erwartung für Leitzinserhöhung bereits im Mai

Darüber hinsaus enthielt auch die einleitende Bemerkung Trichets nicht den von Ökonomen zuvor erwarteten Hinweis auf die Wachsamkeit der Währungshüter im Hinblick auf die Inflationsgefahren.


Leitzins unverändert bei 2,50 Prozent belassen
„Wachsamkeit“ werde in den einführenden Bemerkungen „nicht unterstrichen“, sagte Trichet auf Nachfrage. Die EZB hatte den Leitzins am Donnerstag wie erwartet unverändert bei 2,50 Prozent belassen. Seit Dezember hatten die Währungshüter den Leitzins in zwei Schritten insgesamt um 0,50 Prozentpunkte erhöht. Volkswirte gehen angesichts des sich aufhellenden Konjunkturbildes in der Eurozone von weiteren Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr aus. Die Marke von drei Prozent dürfte dabei erreicht werden.


Aufwärtsrisiken für die Inflation
Es gebe weiterhin Aufwärtsrisiken für die Inflation, sagte Trichet. Die Inflationsrate in der Eurozone dürfte zunächst über zwei Prozent bleiben. Die entscheidenden Inflationsrisiken seien steigende Ölpreise, höhere Steuern und Abgaben sowie mögliche Zweitrundeneffekte. Die EZB werde weiterhin alle Entwicklungen „sehr genau“ beobachten, um sicherzustellen, dass sich mittelfristig keine Risiken für die Preisstabilität einstellen.


Globale Ungleichgewichte
Die jüngsten Daten deuteten darauf hin, dass sich das Wachstum in der ersten Jahreshälfte verstärke und an Breite gewinne. Die Risiken für das Wirtschaftswachstum sind laut Trichet kurzfristig ausgewogen. Auf längere Sicht bestünden allerdings weitere Abwärtsrisiken auf Grund eines möglichen Ölpreisanstiegs und wegen der globalen Ungleichgewichte.


Prozess der Normalisierung
Die EZB sei „im Prozess der Normalisierung“ der Leitzinsen, sagte Trichet. Er deutete zudem an, dass eine Zinserhöhung im Juni nicht ausgeschlossen bleibt. Die EZB könne auch bei einem Treffen des EZB-Rats ausserhalb Frankfurts die Zinsen ändern.


Geldpolitik
Die Geldpolitik bleibt nach Einschätzung von Trichet angesichts des nominal und real sehr niedrigen Zinsniveaus weiter versorgend. Bisher gebe es keine Anzeichen für Zweitrundeneffekte. (awp/mc/gh)

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