EZB: Trichet besorgt über Inflationsanstieg und Euro-Höhenflug

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte sich am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Währungshüter «besonders besorgt» über den zuletzt deutlichen Anstieg der Inflation gezeigt.  Die EZB werde entschlossen und rechtzeitig handeln, um Preisrisiken zu begegnen. Die Entwicklungen würden genau beobachtet. Um eine neue Zinsentscheidung treffen zu können, seien jedoch neue Informationen notwendig, sagte Trichet. Während es bei der Inflationsentwicklung weiter Aufwärtsrisiken gebe, überwögen beim Wirtschaftswachstum die Abwärtsrisiken.


Zinserhöhungs-Neigung der EZB
Die Zinserhöhungs-Neigung der EZB wird nach Einschätzung der WestLB noch für länger Zeit anhalten. Die Inflation betreffend sei der Ton im Vergleich zum Oktober «etwas schärfer» geworden, schreiben die Experten. Die von der US-Subprime-Krise ausgehenden Verspannungen am Geldmarkt hättten die EZB auch an diesem Donnerstag von einer Zinserhöhung abgehalten. Die anziehende und vorerst wohl hoch bleibende Teuerung dürfte der EZB bis auf weiteres «schwer im Magen liegen». Eine Straffung der Geldpolitik stehe zwar weiter auf der Agenda, sei aber letztlich nicht zu erwarten.


Brutale Wechselkursentwicklung nie willkommen
Auch aus Sicht der Commerzbank hat sich die abwartende Haltung der EZB angesichts erhöhter Inflationsrisiken bei gleichzeitig gewachsenen Wachstumsrisiken eher noch etwas verfestigt. «Die Risiken sind auf beiden Seiten grösser geworden», sagte EZB-Experte Michael Schubert. Trichet habe sich besorgt über den Inflationsanstieg gezeigt und deutlich gemacht, dass die EZB die Inflationserwartungen im Zaum halten wolle. Auch bei den Aussagen zur Dollar-Schwäche habe die EZB einen Schwenk vollzogen. Erstmals habe sich Trichet über die Entwicklung besorgt gezeigt. Angesichts dieser Konstellation dürfte die EZB noch bis weit in das Jahr 2008 die Politik der ruhigen Hand fortsetzen. «Brutale Wechselkursentwicklungen sind nie willkommen», sagte Trichet mit Blick auf den jüngsten Höhenflug des Euro . Ungeordnete Wechselkursbewegungen seien unerwünscht für das Wirtschaftswachstum. Ein starker Dollar sei im Interesse der USA. Der Euro hatte am Vortag erstmals die Marke von 1,47 Dollar übersprungen.


Entschlossen und rechtzeitig handeln
Mittelfristig überwögen die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität. Insbesondere die steigenden Öl- und Lebensmittelpreise aber auch mögliche weitere Steuererhöhungen stellten ein Risiko dar. Im Oktober hatte die Inflationsrate in der Eurozone bei 2,6 Prozent gelegen. Die EZB werde alles notwendige tun, um die Inflationserwartungen zu verankern. Auch die monetäre Entwicklung spreche für langfristige Preisrisiken. Das Geldmengenwachstum bleibe stark. Vor allem Zweitrundeneffekte, ausgelöst durch die gestiegenen Lebensmittel- und Ölpreise, will die EZB vermeiden. Die EZB hält Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent für gewährleistet.


Wachstumsaussichten bleiben angesichts guter Fundamentaldaten günstig
Die mittelfristigen Wachstumsaussichten blieben angesichts guter Fundamentaldaten günstig, sagte Trichet. Man erwarte auch im Jahr 2008 ein Wachstum um den wirtschaftlichen Trend von 2,25 Prozent. Der Ausblick sei angesichts der starken Risikoneubewertung an den Finanzmärkten getrübt. Der hohe Ölpreis gefährde den Wachstumsausblick der EZB jedoch nicht.


Arbeitsmarktreformen fortsetzen
Die Politik forderte Trichet auf Arbeitsmarktreformen fortzusetzen. Keineswegs sollten diese umgekehrt werden, da diese jetzt gerade ihre Wirkung zeigten. Die Haushaltspolitik sollte eine prozyklische Finanzpolitik vermeiden und das Wirtschaftswachstum nutzen, um die Haushalte zu konsolidieren. (awp/mc/gh)

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