Forbo: Stimmrechtsbeschränkung aufgehoben, Pieper neuer starker Mann


Franke-Chef Michael Pieper ist der neue starke Mann bei der Forbo Holding AG. Die ausserordentliche Generalversammlung des Eglisauer Bodenbelags- und Klebstoffkonzerns hat am Donnerstag die Stimmrechtsbeschränkung abgeschafft.


Will an die Macht: Franke-Chef Michael Pieper (Foto: pd)
Pieper neu mit Stimmrecht von 26 Prozent
Für eine Aufhebung der Vinkulierung stimmten 99,7 Prozent der anwesenden Stimmen der 196 Aktionäre im Zürcher Kongresshaus. Damit kann Pieper künftig sein Stimmrecht mit dem vollen Gewicht seines 26-prozentigen Aktienanteils ausüben. Bislang war er durch die Statuten auf 8 Prozent beschränkt. Eingetragen ins Aktienbuch wird der Anteil Piepers allerdings erst nach der ausserordentlichen Generalversammlung.

Neuer VR wird vorgeschlagen
Einen Antrag auf sofortige Eintragung lehne der Verwaltungsrat ab, sagte Vizeverwaltungsratspräsident Rolf Watter vor den Aktionären, die 47 Prozent des sich im Umlauf befindlichen Aktienkapitals vertraten. Piepers Anwalt akzeptierte den Entscheid vorerst, behielt sich aber spätere Massnahmen vor. Die britische Investmentgesellschaft CVC will den Bodenbelags- und Klebstoffkonzern vollständig übernehmen. Pieper sowie die Grossaktionäre Rudolf Maag (8,1 Prozent) und die US-Gesellschaft Tweedy Browne (8,8 Prozent) stellen sich dagegen. «Ich bin vom grossen Potenzial von Forbo überzeugt», sagte Pieper. Der Konzern habe die Möglichkeiten, zu den Besten zu gehören. Es gehe darum, Forbo wieder auf den Gewinnpfad zu führen. Seit den Turbulenzen im Herbst, als CVC ihr Übernahmeangebot vorgelegt habe, sei viel Zeit vertan worden, sagte Pieper. Diese müsse jetzt wieder wettgemacht werden. In der Folge der Auseinandersetzungen schied Geschäftsführer This Schneider aus.

«Wir können dem führungslos dahintreibenden Konzern nicht länger zusehen.» Deshalb mache er von seinem Recht als Aktionär Gebrauch und schlage einen fünften Kandidaten für den Verwaltungsrat vor, sagte Pieper, der bislang zusammen mit drei Partnern in das Gremium einziehen wollte.

Der Zürcher Wirtschaftsanwalt Peter Altorfer habe sich so lange zur Verfügung gestellt, bis sich die Lage bei Forbo wieder beruhigt habe. Ausserdem wollen neben Pieper noch Albert Gnägi, Hans-Beat Gürtler und Rudolf Huber in den Verwaltungsrat. Damit wäre eine Bedingung für die Übernahme von Forbo durch die CVC verletzt, sagte CVC-Vertreter Christian Wildmoser vor den Aktionären. Denn Pieper hätte die Mehrheit im Verwaltungsrat. CVC bietet 260 Fr. je Aktie und will mindestens 50,1 Prozent der Titel erwerben.

CVC Übernahme soll bei über 50 Prozent Aktien nicht behindert werden
Gnägi sagte allerdings, eine Übernahme nicht behindern zu wollen, wenn der CVC über 50 Prozent angedient würden: «Wir würden die Geschäfte von Forbo ordnungsgemäss weiterführen.» Überraschend erklärten die bisherigen Verwaltungsräte Anton Bucher und Paul Tanos, schon vor der ordentlichen Generalversammlung vom 29. April zurücktreten zu wollen. Spätestens am 8. April, nach dem Ablauf der Angebotsfrist von CVC, würden sie ihren Posten räumen. Mit der Wiedereinsetzung von This Schneider als Geschäftsführer, wie Pieper dies vorgeschlagen habe, könnten sie sich nicht abfinden nach allem, was vorgefallen sei. Schneider habe Mitte Februar gegenüber vier Verwaltungsräten seinen sofortigen Rücktritt erklärt, sagte Bucher. Er sei nicht freigestellt worden.

(AWP, MC hfu)

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