Fujitsu Siemens Computers erwischt schweren Neustart

«Der Gewinn sinkt», sagte Unternehmenschef Kai Flore am Montag in München. Auch der Umsatz gehe zurück, mit einem Anstieg rechne er erst wieder im kommenden Jahr. Weitere Einschnitte bei der Belegschaft schloss Flore dennoch vorerst aus. «Es gibt keine Zeichen am Horizont, dass wir mehr tun müssen.»


Aus Fujitsu Siemens Computers wird Fujitsu Technology Solutions
Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu hatte Anfang November den Siemens-Anteil am Gemeinschaftsunternehmen für 450 Millionen Euro übernommen. Ab 1. April wird Fujitsu Siemens Computers als Regionalgesellschaft des japanischen Konzerns geführt und in Fujitsu Technology Solutions umbenannt. Die Produkte werden unter Fujitsu laufen. Binnen eines halben Jahres soll die Neuaufstellung vonstattengehen. Zuletzt hatte Fujitsu Siemens Computers 6,6 Milliarden Euro erlöst und vor Steuern 105 Millionen Euro verdient.


Alternative zu IBM & Co.
«Es ist unser klares Ziel, eine Alternative zu den US-Unternehmen zu werden», sagte Flore. «Wir wollen aber nicht IBM kopieren.» Dafür sei der amerikanische Rivale zu breit aufgestellt. Fujitsu Technology Solutions konzentriert sich auf das sogenannte Infrastruktur-Geschäft. Dahinter verbergen sich komplexe Dienstleistungen für Geschäftskunden – etwa die Aufstellung und Wartung der Rechner, die individuelle Ausstattung mit Software oder die Auslagerung von IT. «Hier wachsen wir bereits.» IBM hat dagegen zusätzliches ein starkes Beratungsgeschäft.


Höherer Anteil am Servermarkt im Visier
Bei den leistungsstarken Firmenrechnern – den sogenannten Servern – will Fujitsu seinen Marktanteil mittelfristig mehr als verdoppeln. «Das ist machbar», sagte Flore. Neben IBM konkurriert das Unternehmen hier mit Dell oder Hewlett-Packard . Auch von seinen Speichersystemen will Fujitsu mehr absetzen. Dagegen wird das renditeschwache Endkunden-Geschäft mit Notebooks, Desktop-Computern und Monitoren wie geplant zurückgefahren. Fujitsu werde aus dem Billigsegment aussteigen. Andauernden Spekulationen, die Sparte stehe komplett auf der Abschussliste, trat er indes entgegen: «Es gibt keine Überlegungen, das Client-Geschäft zu verkaufen.»


Fertigung in Deutschland
An der Fertigung in Deutschland will der Unternehmenschef festhalten. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Augsburg nichts mehr produziert wird», sagte Flore. «Als die Transportkosten stiegen, war es für uns vorteilhaft, eine Endfertigung vor Ort zu haben.» Das Server-Werk im thüringischen Sömmerda wird derzeit zum Ersatzteil-Zentrum für Europa umgebaut. Durch die Neuaufstellung fallen in Deutschland 700 der 6.000 Stellen weg, weltweit werden 1.000 von einst 10.500 Arbeitsplätzen abgebaut. «Wir werden Mitarbeiter umschulen», sagte Flore. Um das Wachstumsfeld IT-Infrastruktur schnell auf die Spur zu bringen, soll zudem neu eingestellt und in kleinerem Masse zugekauft werden.



Siemens baut Kraftwerk in Abu Dhabi
Der Mischkonzern Siemens hat einen weiteren Grossauftrag in seinem Energiegeschäft eingesammelt. Das Emirat Abu Dhabi habe ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk mit angeschlossener Meerwasserentsalzung bestellt, teilte Siemens am Montag in Erlangen mit. Der Konzern errichtet die Anlage namens Shuweihat II zusammen mit Doosan Heavy Industries und Samsung. Das Auftragsvolumen für die Deutschen beträgt mehr als 350 Millionen Euro. Das Kraftwerk soll im Herbst 2011 ans Netz gehen und dann 1.500 Megawatt Strom sowie täglich rund 455.000 Kubikmeter Trinkwasser produzieren. Als Projektentwickler fungiert der französische Versorger GDF Suez. (awp/mc/ps/17)

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