Haus Konstruktiv: Jan De Cock »Denkmal 25, Haus Konstruktiv, Selnaustrasse 25, Zürich, 2006«

Der belgische Künstler Jan De Cock (geb. 1976) zählt zu den neuen Shootingstars der europäischen Kunstszene und wird im Haus Konstruktiv zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt.


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Seine erst kürzlich präsentierten fulminanten Ausstellungen in der Tate Modern in London und in der Schirn Kunsthalle Frankfurt vermitteln eine künstlerische Haltung, die zeitgenössisch ist, aber stets die Historie mitreflektiert. Mit seinen raumgreifenden, skulpturalen Installationen bearbeitet De Cock wichtige Fragestellungen des 20. und 21. Jahrhunderts: Diese zeigen sich zum einen in seinem Interesse an der Reduziertheit einer konstruktivistischen und minimalistischen Formsprache und zum anderen an seinem filmischen Blick auf die Welt.


Spuren der Geschichte
Jan De Cock bezeichnet seine Skulpturen als »Denkmale«, weil er sie als Abdruck der Geschichte und der spezifischen Eigenschaften des Ortes konzipiert, an dem sie gezeigt werden. Seine Werke erscheinen wie Architekturen, die den Raum neu erfahren lassen, ihn verschachteln, in Intervalle gliedern und rhythmisieren.


Das Aussen und das Innen
Im Vorfeld der Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv beschäftigte sich der Künstler intensiv mit der Geschichte unserer Institution und mit der Architekturgeschichte des EWZ-Gebäudes. Bei seiner ersten Begehung des im ehemaligen Elektrizitätswerk untergebrachten Museums zeigte er sich vor allem von dem auffälligen Kontrast zwischen der Aussen- und Innenansicht des Hauses fasziniert. Diesen Kontrast ? zwischen der Geschlossenheit der Gebäudewirkung nach aussen und der weitläufigen Offenheit der Räume im Innern ? bildete den Ausgangspunkt für die Konzeption einer neuen Skulpturengruppe.


Darüber hinaus präsentiert der Künstler ein breit angelegtes, um zahlreiche neue Bilder erweitertes Fotoarchiv. Aus dem dialogischen Zusammenspiel zwischen Skulpturen und Fotosammlung inszeniert De Cock eine Art Wunderkammer, in der sich vielschichtige kunsthistorische, architektonische und filmische Bezüge entfalten. So entsteht ein Jan-De-Cock-Universum, eine enzyklopädische Schau seiner Wahrnehmungen, die er vor uns ausbreitet und zur spezifischen Raumsituation in Beziehung setzt. Zudem integriert er eine Reihe «gestohlener» Bilder aus unserer Stankowski-Ausstellung in sein Werk-Ensemble und setzt damit seine Aufforderung zum offenen Dialog zwischen den Zeiten und Positionen einnehmend subversiv in Szene. (hk/mc/th)

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