Holcim mit massivem Gewinnrückgang nach neun Monaten

In der Folge schliesst der Zementhersteller in Spanien und den USA Werke. Angesichts der sich abflachenden Weltwirtschaft erwartet Holcim nun im vierten Quartal nochmals eine Abschwächung der internen betrieblichen EBITDA-Entwicklung. Holcim erwirtschaftete in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2008 einen 4,7% niedrigeren Umsatz von 19’340 Mio CHF. Der betriebliche EBITDA sank um 18,3% auf 4’365 Mio CHF, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.


Verschlechterter Geschäftsgang und Margendruck
Unter Ausklammerung der Veränderungen im Konsolidierungskreis von 253 Mio CHF und des negativen Währungseinflusses von 446 Mio CHF bildete sich der betriebliche EBITDA um 5,2% zurück. Der Rückgang vor allem eine Folge des schlechteren Geschäftsgangs in Nordamerika, Grossbritannien und Spanien sowie den Margendruck bei beiden indischen Konzerngesellschaften. Die betriebliche EBITDA-Marge erreichte 22,6% nach 26,3% in der Vorjahresperiode.


Analystenerwartungen durchwegs verfehlt
Bis Ende September verdiente Holcim damit 1’739 Mio CHF und damit knapp die Hälfte weniger als vor einem Jahr. Damals hatte allerdings der Verkauf der Tochter in Südafrika das Ergebnis um 1,3 Mrd CHF aufgebläht. Damit hat der Konzern die Konsens-Schätzungen der Analysten auf allen Stufen knapp verfehlt. Der AWP-Konsens liegt für den Umsatz bei 19’413 Mio CHF, für den betrieblichen EBITDA bei 4’518 Mio CHF, für den Betriebsgewinn bei 3’232 Mio CHF und für den Reingewinn nach Minderheiten bei 1’768 Mio CHF.


Lebhafte Bautätigkeit in Ost- und Südosteuropa 
Die uneinheitliche Konjunkturentwicklung in Europa schlägt sich unterschiedlich bei Holcim nieder. Neben der in Grossbritannien und Spanien, aber auch in Italien rückläufigen Bautätigkeit, blieb in der Schweiz und in Deutschland die Nachfrage nach Baustoffen solide. In Ost- und Südosteuropa herrschte vor allem in Rumänien, Bulgarien, Russland und Aserbaidschan eine lebhafte Bautätigkeit.


Werksschliessungen in USA
In den USA verkaufte Holcim in fast allen Regionen weniger Zement. Im Einzugsgebiet der Grossen Seen und des Mississippi gingen die Mengen besonders stark zurück. An der Ostküste sowie im Südosten habe das schlechte Wetter den Absatzverlauf zusätzlich beeinträchtigt. Die Zementproduktion wurde in einigen Werken heruntergefahren, und auf Importe wurde verzichtet. Holcim US will nun das Werk Dundee in Michigan und das Werk Clarksville in Missouri schliessen. Diese Werke verfügen über eine kombinierte Jahreskapazität von 2,2 Mio Tonnen Zement. Die erwarteten Schliessungskosten in Höhe von 300 Mio CHF werden der Rechnung des viertel Quartals angelastet.


Indiengeschäft boomt
Der Zementversand der beiden indischen Konzerngesellschaften lag dagegen wegen des Wohnungsbaus und verschiedener Infrastrukturprojekte über dem Vorjahresniveau. In einigen Marktregionen war das Wachstum beim Zementverbrauch etwas verhalten. Steigende Zementimporte aus Pakistan hätten stellenweise den Wettbewerb verschärft. Während des Monsuns wurden der Norden Indiens und weite Teile von Bihar und Uttar Pradesh von Erdrutschen und heftigen Überschwemmungen heimgesucht. Dies führte bei ACC und Ambuja Cements zu temporären Ausfällen beim Zementverkauf.


EBITDA-Prognose gekappt
Der Zementkonzern geht weiterhin von einem schwierigen Umfeld aus. Der betriebliche EBITDA werde sich vor dem Hintergrund einer sich abflachenden Weltwirtschaft auch ohne die Kosten für die geplanten Werkschliessungen im vierten Quartal abschwächen. So sei das bisher für 2008 genannte Ziel, den betrieblichen EBITDA auf Vorjahresniveau zu halten, nicht mehr erreichbar, da auf vergleichbarer Basis nach neun Monaten bereits ein Rückstand auf das Vorjahr von 5,2% resultiert. (awp/mc/ps/04)

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