Inflation galoppiert in den Golfstaaten

von Gérard Al-Fil


Steigende Lebenshaltungskosten sind auch in den wohlhabenden Ölstaaten am arabischen Golf ein Thema. Denn inzwischen ist längst nicht nur die boomende Golfmetropole Dubai betroffen, wo die Inflation laut National Bank of Abu Dhabi (NBAD) 10.9% beträgt. Weil fünf der sechs Länder des Golfkooperationsrats GCC (Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, VAE und Oman, zusammen rund 40 Millionen Einwohner) ihre Währungen an den US-Dollar gekoppelt haben, importieren sie mit dem schwachen Greenback Inflation.


– In Katar wuchs die Volkswirtschaft 2007 um 17% und mit ihr die Preissteigerung auf 15%. Im ersten Quartal 2008 taxiert Finanzminister Youseff Kamal die Inflationsrate auf 13.74%
– In Kuwait führten Immobilienpreisanstiege von 16.1% in 2007 zu einer Jahresinflation von 9.5%. Das nördliche Scheichtum boomt seit dem Fall das Saddam-Regimes im Irak im Jahr 2003 ohne Unterbrechung und die Regierung hat zudem eine Privatisierungslawine losgetreten, die Spekulanten Tür und Tor öffnet. Der kuwaitische Dinar ist seit Anfang 2007 nicht mehr an den Dollar fixiert sondern floatet gegen einen Währungskorb.
– Saudi-Arabien verzeichnet mit derzeit 8.7% die höchste Inflationsrate seit 27Jahren.


Von den Regierungen werden oftmals die steigenden Lebenmittelpreise von plus 30% in 2007 als Ursache für die Preisexzesse gegeisselt. Fakt ist aber auch, dass die Ölpreishausse und der staatlich verordnete Bauboom zu einer beispielllosen Gier unter Immobilienentwicklern und Vermietern geführt hat, die die Preise immer weiter nach oben treiben. Forderungen von einheimischen Wirthschaftsführern die Anbindung an den Dollar aufzugeben, erteilten die Zentralbankchefs bislang ein Absage. Sie müssten die Zinsen theoretisch anheben, um den Preisanstieg in Schach zu halten, dürfen dies aufgrund der Dollar-Anbindung aber nicht, sondern müssen die Zinsschritte der amerikanischen Fed mitmachen, sprich senken. Allerdings haben die Emirate Anfang April eine Kommission einberufen, die Alternativen zu dem «Currency Board» aufzeigen soll.


«Expats» zunehmend unzufrieden
Schon warnt der saudiarabische Bau- und Hoteltycoon Scheich Mohammed Bin Issa al-Jaber vor «zehn schlechten Jahren» die der Golfregion bevorstünden. «Immer mehr Gastarbeiter wollen die Region verlassen und dies wird die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt einbrechen lassen», ist al-Jaber überzeugt. Die Schwarzmalerei ist nicht ganz unbegründet. Weil die Währungen der grössten Gastarbeitergruppen in Dubai, also indische Rupie, philippinischer Peso, britisches Pfund und Euro allesamt gegenüber dem Greenback und damit auch gegenüber den Golfwährungen gestiegen sind, entpuppen sich die Sparstrategien der Expats als «Milchmädchenrechnungen»: sie können bei Rückkehr in ihre Heimtländer nicht das ersparte Budget einsetzen, mit dem sie beim Umzug in die Golfregion vor Jahren noch kalkuliert haben. In den Emiraten (4.4 Mio. Einwohner) sind 93% der arbeitenden Bevölkerung Ausländer .


Die Touristen sehen die Lage wieder ganz anders: selten war etwa für Reisende aus der Schweiz und aus Euroland der Ferienaufenthalt in Dubai so billig wie heute. Bis 2010 erwartet das Golfemirat 15 Millionen Urlauber. 2006 waren es knapp 7 Millionen. 

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