Kantonalbanken fordern differenzierte Regulierung durch die Aufsichtsbehörden

Die Forderungen nach verschärften Regulierungsbestimmungen und nach einer Erhöhung der Eigenmittel der Schweizer Banken seien ursachenorientiert zu analysieren und differenziert anzuwenden. Das forderte VSKB-Direktor Hanspeter Hess am Freitag an der Generalversammlung des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB). «Bevor man vermeintliche Lösungen präsentiert, sollte jedoch zuerst die Analyse der Ursachen vorgenommen werden», erklärte Hess. Nicht eine pauschale Verreglementierung sei angesagt, notwendig seien differenzierte Ansätze. «Unbestritten ist, dass die derzeitige Finanzmarktkrise weder durch primär inlandorientierte Banken noch durch das Schweizer Retail- oder Kreditgeschäft ausgelöst wurde», erklärte der Direktor. Daher müssten neue oder verschärfte Massnahmen, welche auch die Kantonalbanken beträfen, gut begründet werden können.

Kennzahlenoptimierung alleine stellt eben Erfolgsgarantie dar
Hanspeter Hess wies im Weiteren darauf hin, dass die Kantonalbanken auch ohne gesetzliche Auflage den Wert einer starken Eigenkapitaldecke kennen. Bei den Kantonalbanken würden die vorhandenen Eigenmittel deutlich über den von der EBK geforderten Reserven liegen. Während diese komfortable Eigenkapitalausstattung bis vor kurzem noch als Überkapitalisierung kritisiert und eine Maximierung der Eigenkapitalrendite gefordert worden sei, seien dies Kritik nun interessanterweise verstummt, fährt der Direktor fort. Eine kurzfristige Kennzahlenoptimierung alleine stelle eben keine Erfolgsgarantie dar. «Bekanntlich ist noch keine Bank an zu vielen Eigenmitteln zugrunde gegangen», resümierte Hess.


Finanzbranche wieder stärken
Paul Nyffeler, Präsident des VSKB, sprach sich an der Generalversammlung für einen wettbewerbsfähigen Finanzplatz Schweiz aus. Die Kantonalbanken seien als nicht direkt betroffene Akteure besonders glaubwürdige Botschafter. «Sie können aus dieser Position heraus das Vertrauen in die Finanzbranche wieder stärken», erklärte Nyffeler. Aus diesem Grund werde der im September des Vorjahres lancierte Masterplan auch von der Kantonalbankengruppe unterstützt. «Als Kantonalbankengruppe sind wir ein wichtiger, stabiler Baustein des Schweizer Bankenmarktes und haben ein grosses Interesse an einer kontinuierlichen, positiven Entwicklung des Wirtschaftsumfelds», sagte der Präsident.


Finanzplatz Schweiz durch starke Kantonalbankengruppe stützen
Aufgrund der grossen Bedeutung des Finanzplatzes für die gesamte Schweizer Volkswirtschaft sei es eine Verpflichtung, diesen durch eine starke Kantonalbankengruppe zu stützen, so Nyffeler weiter. Er hoffe daher, zum Wohle aller Akteure, dass die Angriffe auf das Bankkundengeheimnis und die direkten Auswirkungen der Subprime-Krise schon bald der Vergangenheit angehörten.


Ablehnung gegenüber einer Postbank
Gleichzeitig bekräftigte Nyffeler auch seine Ablehnung gegenüber einer Postbank. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Rufe nach einer voll lizenzierten national agierenden Postbank noch immer nicht verstummt seien, erklärte der Präsident. Die diesbezüglichen Bestrebungen seien ordnungspolitisch problematisch und aus Wettbewerbsoptik inakzeptabel. (awp/mc/gh)

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