KPT und Sanitas fusionieren nicht

Aber auch auf die Frage, wer die Führung im neuen Unternehmen übernehmen soll oder zum umstrittenen Beteiligungsprogramms für KPT-Mitarbeiter gab es keine Klärung, wie die Krankenversicherer am Mittwoch mitteilten. Das Beteiligungsprogramm hatte bei der Fusionsankündigung für viel Aufsehen gesorgt. Durch den geplanten Zusammenschluss wären zahlreiche Personen zu exorbitanten Renditen gekommen: Mitarbeiter, Manager und Verwaltungsräte hätten KPT-Titel, die sie einst für 28 bis 40 CHF gekauft hatten, für 600 CHF weitergeben können.


FINMA: Grünes Licht unter Auflagen erteilt
Das Programm rief vor allem auch die Finanzmarktaufsicht (FINMA) auf den Plan: Sie kritisierte, dass die Kasse für die Ausschüttung versicherungstechnische Rückstellungen aufgelöst hätte. Nach Ansicht der Behörde hätte das Geld aber den Versicherten zu Gute kommen müssen, etwa über tiefere Prämien. Zu einem definitiven Entscheid der FINMA zum Mitarbeiterprogramm kam es nicht. Die Aufsichtsbehörde gab indes Mitte November bereits bekannt, dass das Programm nicht wie vorgesehen abgewickelt werden könnte. Für die eigentliche Fusion gab die FINMA damals zwar grünes Licht, brachte aber Vorbehalte an. Die FINMA ist lediglich für die Zusatzversicherungen das Überwachungsorgan.


FINMA-Auflagen «erfüllbar» gewesen
Die FINMA-Auflagen wären aus Sicht der KPT und Sanitas «erfüllbar» gewesen, wie sie mitteilten. Gescheitert sei die Fusion aber am Zeitbedarf, der nötig gewesen wäre, um eine Einigung zur Umsetzung zu erzielen. Nach intensiven Gesprächen in den vergangenen Wochen habe es zu wesentlichen Punkte keine Einigung gegeben. Die Umsetzung könne «nicht in einem vertretbaren Zeitrahmen realisiert werden», wird Sanitas-Präsident Jens Alder im Communiqué zitiert. Die Ungewissheit zu verlängern, wäre unverantwortlich. Wegen des unsicheren Zeitrahmens «müssen wir heute einen Marschhalt einlegen», sagte demnach KPT-Präsident Walter Bosch. Das sei im Interesse beider Unternehmen.


KPT und Sanitas mit 1,2 Mio Versicherten
Beide Verwaltungsratspräsidenten zeigten sich überzeugt, dass die Fusion aus strategischer Sicht richtig und sinnvoll gewesen wäre. Mit der im Mai angekündigten Fusion wäre die drittgrösste Krankenkasse der Schweiz hinter Helsana und CSS entstanden. Die beiden Kassen vereinen rund 1,2 Mio Versicherte, unter ihnen rund 920’000 in der Grundversicherung. Für KPT handelt es sich um die zweite gescheiterte Fusion innert weniger Jahre: Im September 2006 platzte bereits ein geplanter Zusammenschluss mit der Krankenkasse Concordia. Die Schaffung einer Dachholding war ebenfalls an einem Streit über die konkrete Umsetzung gescheitert.  (awp/mc/ps/18) 

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